{"id":1978,"date":"2020-05-15T11:50:43","date_gmt":"2020-05-15T09:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=1978"},"modified":"2020-11-03T14:23:52","modified_gmt":"2020-11-03T13:23:52","slug":"die-hose-zu-kurz-das-hemd-zu-lang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2020\/05\/15\/die-hose-zu-kurz-das-hemd-zu-lang\/","title":{"rendered":"Die Hose zu kurz, das Hemd zu lang"},"content":{"rendered":"<h2>Antritts- und Vorstellungsreferat von Margrit Wenk-Schlegel anl\u00e4sslich des Jahrestreffens vom 7. bis 9.&nbsp;Februar&nbsp;2020 in der Propstei Wislikofen<\/h2>\n<p>Mein grosser Dank gilt Euch, Hildegard und Bernhard f\u00fcr das Vertrauen, das Ihr uns entgegenbringt. Regula, ich freue mich, mit Dir zusammenzuarbeiten und zu gestalten auch verbunden mit Dir, Juris, unserem Bruder aus Lettland. Danke allen Lehrer*innen f\u00fcrs Mittragen und Mitarbeiten in den vergangenen Jahren. Um dieses Miteinander bitte ich Euch auch in Zukunft.<\/p>\n<h3>Pers\u00f6nliche Vorstellung<\/h3>\n<p>Schon als Kleinkind war ich ein Heimwehkind. Eine brennende Sehnsucht nach der vermeintlich verlorenen Heimat in der geistigen Welt bestimmte mein Leben. Dieses Sehnen liess eine Krankheit entstehen, die mich immer wieder in Nahtoderfahrungen brachte, als Kind und Erwachsene. So war ich eine Grenzg\u00e4ngerin, bis ich erfuhr, dass ich nicht sterben muss um wieder in die urspr\u00fcngliche Einheit mit Gott zu kommen. Danach wurde auch meine Krankheit diagnostiziert, und seither bin ich gesund und lebe sehr gerne. Schon als Jugendliche suchte ich die Stille in Taiz\u00e9, bei den Kleinen Schwestern Jesu, in Mediationskursen. Im Erwachsenenalter war diese Suchbewegung begleitet von heftigen Kundalini-Sch\u00fcben. Wie gl\u00fccklich war ich, als ich nach Jahren der Suche <strong>endlich in Pia Gyger meine Lehrerin fand<\/strong>. Sie half mir, Erfahrungen zu verstehen und zu integrieren. Seit 41 Jahren bin dich verheiratet mit Charlie. Wir sind Eltern von drei erwachsenen Kindern und drei Sternenkindern und erleben grosse Freude mit unseren vier Enkeln. Ein Riesengeschenk ist es f\u00fcr mich, dass Charlie in allen Kontemplationskursen assistiert und mit seiner Herzenskreativit\u00e4t die Gottesdienste gestaltet. <strong>Dreieinhalb Jahre lebten und arbeiteten wir in Kolumbien<\/strong> und erlebten dort eine ganz nat\u00fcrliche Verbindung von Spiritualit\u00e4t und sozialem Engagement. Der Kontakt mit Armut, Gewalt und der Befreiungstheologie hat uns nachhaltig gepr\u00e4gt. Viele Lieder der Landbev\u00f6lkerung dr\u00fccken tiefe Erfahrungen aus: \u201eDer Name Gottes heute ist Dolores, Chepe, Berta, Jose, Araceli&#8230;\u201c<\/p>\n<h3>Ein Blick auf die via integralis<\/h3>\n<p>In Dankbarkeit denke ich an Pia Gyger und Niklaus Brantschen, unsere Gr\u00fcndungseltern, die uns diesen Weg er\u00f6ffnet haben. Sie haben langj\u00e4hrige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in die erste Ausbildungsgruppe zusammengerufen. Durch das Erkunden des alten\/neuen Weges entstand viel Dynamik. Alles musste neu definiert werden. Der neue, g\u00e4rende Wein suchte sein Gef\u00e4ss, das noch nicht so klar geformt war. Was haben wir gerungen, diskutiert, uns auseinandergesetzt, erarbeitet, verworfen, ausprobiert, festgelegt, erneuert&#8230;! Es hat oft gesch\u00e4umt. Anregend und manchmal auch aufregend. <strong>Dabei habe ich die Kultur des Sich-zumutens gelernt.<\/strong> Bernhard und Hildegard, nachdem Pia und Niklaus Euch die Verantwortung f\u00fcr die via integralis \u00fcbertragen haben, habt ihr in Zusammenarbeit mit vielen den Organismus mit viel Herzblut ausgestaltet, habt Strukturen gekl\u00e4rt, Inhalte eingebracht und die Leitung in einer geschwisterlichen Art gestaltet. Ganz grossen, herzlichen Dank f\u00fcr das Leben, das Ihr gestaltet und erm\u00f6glicht habt! Wenn ich die vielen Angebote unserer Lehrer*innen sehe, freue ich mich, welche Anziehungskraft die via integralis ausstrahlt f\u00fcr den kraftvollen Weg nach innen und dem daraus erwachsenden Engagement f\u00fcr die Welt \u2013 ganz nach der Erfahrung: \u201eWer Gott umarmt, findet in seinen Armen die Welt\u201c. Vermutlich hat jeder Lehrer, jede Lehrerin eine pers\u00f6nliche Vorliebe und Resonanz mit bestimmten Mystiker*innen oder Zenmenschen. <strong>Meine grosse Liebe gilt den beiden &#8221;interreligi\u00f6sen Br\u00fcdern&#8221; Franz von Assisi<\/strong> und <strong>Ryokan<\/strong>. Sie sind f\u00fcr mich Leitbilder der totalen Hingabe an die Innerlichkeit, immer neu hinein in die Tiefenerfahrung der Erleuchtung und der Gottesbegegnung. In beiden brannte eine sanfte und doch lodernde Flamme der Liebe zum Urgrund und gleichzeitig &#8211; oder gerade aus dieser Erfahrung heraus &#8211; eine brennende Liebe f\u00fcr die Welt und ein grosses Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Menschen und alle Gesch\u00f6pfe. Beide waren Vagabunden der Liebe und begeisterte, schlichte und einfache Botschafter der Verbundenheit mit allen Wesen. Franziskus und Ryokan gingen mit offenen Augen durchs Leben. Ihre Herzen waren durch das Leiden und die Liebe weit ge\u00f6ffnet. Aus dieser Offenheit heraus lebten sie eine tiefe Dankbarkeit f\u00fcr das Geschenk des Lebens, die in verschiedenen Formen aus ihnen heraussprudelte. In befreiender Demut und Hingabe dienten sie dem Leben. Der Kernsatz von Franz von Assisi, der mich immer wieder herausfordert in meinem Leben, ist: <strong>\u201eLass mich ein Werkzeug deines Friedens sein.\u201c<\/strong> Von Ryokan ist es ein befreiender Satz, der uns ermuntert, ganz einfach Mensch zu sein, nicht perfekt und vollkommen, sondern g\u00fctig und barmherzig und doch konsequent auf dem Weg: <strong>\u201edie Hose zu kurz, das Hemd zu lang, mir freundlich zul\u00e4chelnd versuche ich, meinen Weg geradeaus weiterzugehen.\u201c<\/strong> Gehen wir verbunden miteinander den Weg geradeaus weiter, den Weg des pers\u00f6nlichen Erwachens und des Begleitens von Menschen auf diesem Weg. Machen wir Schritte im Wissen, dass wir ein Teil der Menschheit sind im Prozess der Bewusstseins\u00f6ffnung, der hoffentlich immer tiefer in die Verbundenheit mit allem Leben f\u00fchrt. M\u00f6ge unser gemeinsamer Weg ein fruchtbarer und kraftvoller Dienst an der Menschheit und f\u00fcr den Frieden in der Welt sein. Lasst uns Werkzeuge des g\u00f6ttlichen Friedens sein, auch wenn das Hemd zu lang und die Hose zu kurz ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antritts- und Vorstellungsreferat von Margrit Wenk-Schlegel anl\u00e4sslich des Jahrestreffens vom 7. bis 9.&nbsp;Februar&nbsp;2020 in der Propstei Wislikofen Mein grosser Dank gilt Euch, Hildegard und Bernhard f\u00fcr das Vertrauen, das Ihr uns entgegenbringt. Regula, ich freue mich, mit Dir zusammenzuarbeiten und zu gestalten auch verbunden mit Dir, Juris, unserem Bruder aus Lettland. 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