{"id":2411,"date":"2018-05-16T10:59:40","date_gmt":"2018-05-16T08:59:40","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=2411"},"modified":"2020-06-18T12:10:48","modified_gmt":"2020-06-18T10:10:48","slug":"gebet-als-selbstgespraech-eine-buchbesprechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2018\/05\/16\/gebet-als-selbstgespraech-eine-buchbesprechung\/","title":{"rendered":"Gebet als Selbstgespr\u00e4ch \u2013 eine Buchbesprechung"},"content":{"rendered":"<p><em>Johannes Kopp: Gebet als Selbstgespr\u00e4ch Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir<\/em><\/p>\n<h2 class=\"tm18\"><strong><span class=\"tm5\">Johannes Kopp: Gebet als Selbstgespr\u00e4ch<br \/>\n<\/span><\/strong><strong><span class=\"tm5\">Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir<\/span><\/strong><\/h2>\n<p class=\"tm7\"><strong><span class=\"tm8\">Eine Buchbesprechung von Regina Gr\u00fcnholz<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm11\"><span class=\"tm12\">Der deutsche Pallotinerpater <strong>Johannes Kopp (1927\u20132016)<\/strong> wirkte unter dem japanischen Namen Ho-un-Ken Roshi viele Jahre in Deutschland als Zen-Meister und geh\u00f6rte zusammen u.a. mit unseren Gr\u00fcndern Pia Gyger und Niklaus Brantschen zur ersten Generation christlicher Zen-Lehrer, die durch das Beispiel Hugo Enomya-Lassalles motiviert in Japan ihre Zen-Schulung erhielten; Lassalle, der ja unserer Kontemplationsschule den Namen gibt. 1985 erlangte Kopp durch Yamada Koun Roshi in Kamakura, Japan, die Lehrbef\u00e4higung. 2006 best\u00e4tigte der heutige Leiter von Sanbo-Zen, Yamada Ryoun Roshi, seine Ernennung. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm12\">Das vorliegende Buch <\/span><em><span class=\"tm15\">Gebet als Selbstgespr\u00e4ch<\/span><\/em><span class=\"tm12\">, erschien 2015, also ein Jahr vor seinem Tod. Ausgangspunkt f\u00fcr das Buch war eine Frage, die w\u00e4hrend der Veranstaltung \u201eTag der Priester und Diakone im Bistum Essen\u201c im Jahr 2014 an Kopp gerichtet wurde: Wie sei die These eines Mitbruders zu verstehen, da\u00df die<\/span><span class=\"tm14\"> Heilige Schrift, sollte sie zu einer Glaubenserfahrung f\u00fchren, sich nur \u00fcber den Koanweg erschliesse? Dies in Worte zu fassen, hat ihm sein Lehrer, Yamada Koun Roshi, aufgetragen. Und diese Frage zu behandeln ist auch Ziel seines vorliegenden Buchs.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm12\">Dem Mystiker ist es eine den Verstand transzendierende Wahrheit in der kontemplativen Innenschau, sein Wahres Selbst und seine Gottebenbildlichkei<a id=\"aGoBack\"><\/a>t zu erkennen. Je weiter der \u00dcbende auf seinem Weg zur Wahrnehmung des g\u00f6ttlichen Geheimnisses in sich selbst fortgeschritten ist, desto intensiver wird seine Gotteserfahrung werden. \u201e<\/span><span class=\"tm14\">Je mehr er sich selbst auf den Grund kommt, desto mehr leuchtet in diesem Grund die unendliche Wirklichkeit durch, in der in christlicher Offenbarung Gott sich erfahren l\u00e4sst.\u201c Kopp h\u00e4lt auch folgendes fest: \u201eDie unendliche Wirklichkeit, die in gr\u00f6\u00dfter Wortscheu in j\u00fcdisch-christlicher Tradition <\/span><em><span class=\"tm16\">Gott <\/span><\/em><span class=\"tm14\">genannt wird, ist in der menschlichen Natur angelegt. Besser gesagt: Die menschliche Natur ist auf Gott hin angelegt.\u201c Und: \u201eDie Anerkennung der unendlichen Wirklichkeit in der jedem Menschen eigenen Wesensnatur ist Voraussetzung f\u00fcr den ersten Schritt auf dem Zen-Weg. \u2026. Ohne den Glauben, dass die unendliche Wirklichkeit in uns ist, ist der Zen-Weg unm\u00f6glich [dem Sinne nach zitiert]. \u2026 In christlichem Verst\u00e4ndnis ist die Anonymit\u00e4t der unendlichen Wirklichkeit aufgehoben mit der offenbarten Wahrheit als Bild und Gleichnis Gottes. Diese Aussage erhebt den Menschen zu seiner unendlichen W\u00fcrde, weil Gr\u00f6\u00dferes vom Menschen nicht gesagt werden kann. \u2026 Mit diesem Verst\u00e4ndnis ist Selbstfindung gleich Gottfindung, ist jedes Gebet zu Gott Selbstgespr\u00e4ch.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis m\u00fcssen die limitierenden Grenzen des Verstandes mit seinen Gedanken \u00fcberwunden bzw. umgangen werden. Umgangen in dem Sinne, dass man sich als \u00dcbender in die achtsame Wahrnehmung seines Atems und damit seiner Selbst begibt, dass man \u00fcbt, durch schweigendes, absichtsloses, geschehen-lassendes Sitzen und stete Zur\u00fcckf\u00fchrung der Achtsamkeit auf den Atem im Hier und Jetzt zu verweilen und zu verbleiben. Es ist der Weg des Zazen, der die \u201eMethodik\u201c dazu liefert, denn Zen ist keine Religion, so Kopp, sondern ein Selbststudium zu meiner Vollendung. \u2026 \u201eZen ist das eigentlich Religi\u00f6se in jeder Religion\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Im <\/span><strong><em><span class=\"tm16\">1. Kapitel Schweigen und Reden<\/span><\/em><\/strong><span class=\"tm14\"> zeigt der Autor auf, wie die Grenzen des Verstandes \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Das Schweigen ist nicht absolut und keineswegs immer gut und weise. Denn es sei t\u00f6richt zu schweigen, wenn Reden angebracht, und t\u00f6richt zu reden, wenn Schweigen angebracht sei. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">F\u00fcr Kopp ist Zen, dieser in der japanischen Tradition schwierige und \u201aharte\u2018 Weg, keineswegs nur f\u00fcr starke Menschen geeignet. Denn Zen konfrontiert unweigerlich jeden mit der Erfahrung eigener Schwachheit. Kopp beschreibt dies am Beispiel zweier, \u00fcber viele Jahre auf dem Krankenlager meditierender Nonnen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Die Koanweise bildet auch einen neuen Zugang zu biblischen Inhalten, weil sie die alten Texte, mit deren Aussagen und g\u00e4ngigen Interpretationen heute viele moderne Menschen ihre M\u00fche haben, aus der Ebene des ausschliesslich rationalen Verstehens in eine existentielle Dimension hebt. Zum Koan schreibt Kopp, dass es \u201eden Durchbruch zur unendlichen Wahrheit eines jeden Menschen [meint], die die Ratio nicht erfassen kann, weil sie nicht das Instrument daf\u00fcr ist, die aber erfasst werden muss, damit der Sinn des Daseins erf\u00fcllt wird. Solange man diesem Sinn nicht nahekommt, solange bleibt Unruhe. \u2026 Daraus ergibt sich f\u00fcr den Christen eine Konsequenz: die Bibel zu werten und zu lesen als eine Koan-Sammlung.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Im <\/span><strong><em><span class=\"tm16\">2. Kapitel Selbstfindung und Gottfindung<\/span><\/em><\/strong><span class=\"tm14\"> legt der Autor dar, dass wir heute in der Ausbildung und in unserem Tun zu sehr auf das \u201eWas?\u201c getrimmt sind und das \u201eWie?\u201c kultivieren m\u00fcssten zu unserer eigenen Heilung und der Heilung der Welt. Mit dem Leben aus dem \u201eWie?\u201c w\u00fcrden \u201edie atomaren Kr\u00e4fte (Kernkr\u00e4fte) des Segens\u201c frei.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Das <\/span><strong><em><span class=\"tm16\">3. Kapitel Zen und Eucharistie<\/span><\/em><\/strong><span class=\"tm14\"> enth\u00e4lt Biografisches zum Verfasser und erz\u00e4hlt von der Freundschaft mit Pater Lassalle. Ausf\u00fchrlich geht Kopp auf das Verh\u00e4ltnis von Zen-Praxis und der Feier der Eucharistie ein. Kopp (wie Lassalle katholischer Priester) ist von diesem Thema unmittelbar und pers\u00f6nlich ber\u00fchrt; er erl\u00e4utert, warum ihm wichtig sei, bei jedem Sesshin die Eucharistie zu feiern \u2013 so wie dies auch Lassalle mit dem Einverst\u00e4ndnis Yamada Roshis tat. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Im <\/span><strong><em><span class=\"tm16\">4. Kapitel Koan \u2013 Zugang zur Heiligen Sc<\/span><\/em><\/strong><span class=\"tm14\"><strong><em>hrift<\/em><\/strong> stellt Kopp die Forderung auf, dass \u201edie christliche Katechese einen neuen Schwerpunkt bekommen [muss]. Sie muss wegkommen von der Belehrung, von dem Eifer, eine sogenannte objektive Wahrheit darzustellen. Sie muss hinkommen zu der Leidenschaft, in der derjenige, der sich in <\/span><span class=\"tm14\">irgendeiner <\/span><span class=\"tm14\">Weise f\u00fcr das Christliche interessiert, zu der Erkenntnis kommt, dass das Wesentliche in ihm selbst ist\u201c.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Im <\/span><strong><em><span class=\"tm16\">5. und 6. Kapitel Biblische Koans und Kommentare zu Koans aus dem Mumonkan<\/span><\/em><\/strong><span class=\"tm14\"> zeigt Kopp beispielhaft, wie zum einen biblische Gleichnisse auf koanweise \u201averstanden\u2018 werden und umgekehrt, wie klassische Koans im Sinne der Bibel gedeutet werden k\u00f6nnen. Nicht alles, was man hier bei Johannes Kopp liest, ist auf Anhieb verst\u00e4ndlich. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\">Es gibt S\u00e4tze in diesem Buch, die manchen Lesern vielleicht kryptisch erscheinen m\u00f6gen, da sie sich nur in einer anderen Art von \u201eLogik\u201c verstehen lassen. Wenn ich Gott suchen und schauen will, muss und kann ich mich auf den Weg dazu begeben: Es ist der Weg des Zen und der gegenstandslosen Kontemplation; er f\u00fchrt durch die Selbstfindung zur Gottesfindung. Somit ist es mir m\u00f6glich im Gebet in mir mit Gott und Gott in sich mit mir zu sprechen.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm13\"><span class=\"tm14\"><strong>Regina Gr\u00fcnholz, Mai 2018<\/strong><br \/>\n<\/span><span class=\"tm14\"><em>via integralis-Lehrerin, Solothurn\/CH<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.meditationsraum-yume.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.meditationsraum-yume.ch<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Kopp: Gebet als Selbstgespr\u00e4ch Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir Johannes Kopp: Gebet als Selbstgespr\u00e4ch Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir Eine Buchbesprechung von Regina Gr\u00fcnholz Der deutsche Pallotinerpater Johannes Kopp (1927\u20132016) wirkte unter dem japanischen Namen Ho-un-Ken Roshi viele Jahre in Deutschland als Zen-Meister und geh\u00f6rte zusammen&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2018\/05\/16\/gebet-als-selbstgespraech-eine-buchbesprechung\/\" rel=\"bookmark\">Read More &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Gebet als Selbstgespr\u00e4ch \u2013 eine Buchbesprechung<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":2412,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"neve_meta_sidebar":"","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"off","neve_meta_content_width":0,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","neve_meta_reading_time":"","footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"class_list":["post-2411","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-newsletter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2411"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2413,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions\/2413"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}