{"id":2414,"date":"2017-11-02T10:42:13","date_gmt":"2017-11-02T09:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=2414"},"modified":"2020-06-18T12:12:21","modified_gmt":"2020-06-18T10:12:21","slug":"buchbesprechung-niklaus-brantschen-zwischen-den-welten-daheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2017\/11\/02\/buchbesprechung-niklaus-brantschen-zwischen-den-welten-daheim\/","title":{"rendered":"Buchbesprechung &#8211; Niklaus Brantschen, Zwischen den Welten daheim"},"content":{"rendered":"<p><em>Niklaus Brantschen, Zwischen den Welten daheim<\/em><\/p>\n<h3>Br\u00fcckenbauer zwischen Zen und Christentum. Patmos 2017. (171 Seiten) <\/h3>\n<p>\u201eEs dr\u00e4ngt mich, Bilanz zu ziehen\u201c schreibt Niklaus Brantschen in seinem neuen Buch \u201eZwischen den Welten daheim\u201c, das nun p\u00fcnktlich zu seinem 80. Geburtstag erschienen ist. Es ist nicht das erste Buch, in dem der Jubilar R\u00fcckschau h\u00e4lt und aus dem reichen Erfahrungsschatz seines Lebens Erlebnisse und Tagebucheintr\u00e4ge wiedergibt. Aber zum ersten Mal habe ich beim Lesen den Eindruck, seine Autobiografie in H\u00e4nden zu halten.<\/p>\n<p>Wie meist in seinen Ver\u00f6ffentlichungen liebt Niklaus die Choreografie, den harmonischen Aufbau, der das Gesamte Werk durchzieht: zweimal 5 Kapitel dazwischen ein Intermezzo. Der erste Teil ist ein R\u00fcckblick; im zweiten Teil stehen die Inhalte und Themen, f\u00fcr die Niklaus gelebt hat, im Vordergrund. Dazwischen Standortbestimmung und Intermezzo, in dem der Autor inneh\u00e4lt und sich selber (und Leser und Leserinnen) fragt: was hat es gebraucht? Was habe ich gelernt in all den Jahren?<\/p>\n<p>Manches mag die Leser vielleicht aus fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen bekannt vorkommen. Aber es erstaunt diesmal die F\u00fclle von Tagebucheintr\u00e4gen, die immer wieder seine Kunst kraftvoller Selbstreflexion \u2013 zum Teil mit Humor und Selbstironie gespickt \u2013 zum Ausdruck bringt und zeigt, dass das Zen-Motto Alltag ist der Weg f\u00fcr ihn keinesfalls Floskel sondern \u00fcber Jahrzehnte ge\u00fcbte Praxis ist.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick der ersten vier Kapitel werden noch einmal die Jahre der Kindheit im Wallis lebendig; er l\u00e4sst seine priesterlich-jesuitische Laufbahn und die Lehrjahre in Japan Revue passieren und erz\u00e4hlt liebevoll von seinem produktivsten Lebenswerk, der Neupositionierung des Lassalle-Hauses 1993. \u201eDas Lassalle-Haus ist ein St\u00fcck von mir\u201c, schreibt er im R\u00fcckblick. Damals begann eine unglaublich kreative und produktive Zeit in Zusammenarbeit mit Pia Gyger und unterst\u00fctzt von Anna Gamma. Auch jene zukunftsweisenden Projekte, die in dieser Zeit \u201egeboren\u201c wurden, wie das Lassalle-Institut, das Jerusalemprojekt, die Via Integralis u.a. kommen beim Lesen kurz zum Aufleuchten, auch wenn nicht immer im Detail alle Mitwirkenden oder Weggef\u00e4hrten erw\u00e4hnt oder gew\u00fcrdigt werden konnten. Mein Eindruck: Es ging ihm darum, den Gesamtbogen, das Spektrum seines gro\u00dfen Engagement in all den Jahren zum Leuchten zu bringen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich stellt das 5. Kapitel den H\u00f6hepunkt dar, das eigentliche Innehalten und Wahrnehmen des Momentes, in dem das Buch entstand. Viele kennen Niklaus mit seiner unersch\u00f6pflichen Vitalit\u00e4t und Kraft: \u201eIch dachte bis vor kurzem immer noch: Alt werden die anderen, die anderen sterben\u2026\u201c Nun notiert er 2015 in einem Tagebucheintrag: \u201eIch werde nicht nur alt, ich bin alt.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende dieses Kapitels schildert er in einer kleinen virtuellen Theater-Szene, wie er innerlich Abschied nimmt von den vielen Aufgaben und Rollen, die ihm in den zur\u00fcckliegenden Jahren zugefallen sind, sei es der Priester, der Jesuit und Direktor, der Zenmeister und Schriftsteller und viele andere mehr\u2026 Alle kommen kurz zu Wort bis \u201eder Vorhang f\u00e4llt\u201c. Abschiednehmen, das scheint das inklusive Thema zu sein. Den Wendepunkt hin zu diesem neuen Lebensgef\u00fchl brachte offensichtlich der Tod von Pia Gyger ein Jahr zuvor. Wie eine leise d\u00fcnne Spur durchziehen die Erinnerungen und Verweise auf die gemeinsame Zeit mit Pia das ganze Buch.<\/p>\n<p>Dennoch \u2013 auch der zweite Teil, wo er noch einmal manch bekannte Einsichten und Lebensthemen in Erinnerung ruft, ist recht leicht zu lesen. Eindr\u00fccklich sind dann die beiden letzten Akzente des Buches: Wir Menschen sind von EINER Art, unabh\u00e4ngig aller Pr\u00e4gungen wie Religion, Rasse oder Geschlecht, und uns allen ist dieser blaue Planet Erde gemeinsam zur Verantwortung \u00fcbergeben. Und schlie\u00dflich: Unsere vornehmste Aufgabe im Alter ist es, das das verg\u00e4ngliche Leben und alles Zeitliche zu SEGNEN.<\/p>\n<p>Der 80-j\u00e4hrige Jubilar schlie\u00dft mit einem Appell und einem Zitat von Dostojewski: \u201eEs gibt viel zu tun. Packen wir es an. Vergessen wir dabei nicht, dass wir gl\u00fccklich sind: <em>\u201eDer Mensch ist ungl\u00fccklich, weil er nicht wei\u00df, dass er gl\u00fccklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich gl\u00fccklich sein, sofort, im selben Augenblick!\u201c <\/em><\/p>\n<p><strong>Bernhard Stappel, November 2017<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niklaus Brantschen, Zwischen den Welten daheim Br\u00fcckenbauer zwischen Zen und Christentum. Patmos 2017. (171 Seiten) \u201eEs dr\u00e4ngt mich, Bilanz zu ziehen\u201c schreibt Niklaus Brantschen in seinem neuen Buch \u201eZwischen den Welten daheim\u201c, das nun p\u00fcnktlich zu seinem 80. Geburtstag erschienen ist. 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