{"id":5240,"date":"2021-11-26T06:00:00","date_gmt":"2021-11-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=5240"},"modified":"2021-11-26T07:03:51","modified_gmt":"2021-11-26T06:03:51","slug":"die-kontemplationsschule-via-integralis-in-den-franzoesischsprachigen-regionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2021\/11\/26\/die-kontemplationsschule-via-integralis-in-den-franzoesischsprachigen-regionen\/","title":{"rendered":"Die Kontemplationsschule via integralis in den franz\u00f6sischsprachigen Regionen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein neuer spiritueller Weg<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Von Yves Saillen, Kontemplationslehrer Stufe 2 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Vorbemerkung der Redaktion: Mit dem via integralis Newsletter Nummer 12 erscheint unter der Rubrik \u00abKontemplationsgruppen im Fokus\u00bb diesmal ein Beitrag aus dem franz\u00f6sischsprachigen Raum. Vom Schweizer Jura bis ins franz\u00f6sische Annecy finden sich diverse M\u00f6glichkeiten, um Kontemplation zu \u00fcben. Der Beitrag, der prim\u00e4r an das frankofone Publikum gerichtet ist, erscheint im franz\u00f6sischen Original und beinhaltet die historische Entwicklung der via integralis. Der Beitrag liegt hier in der deutschen \u00dcbersetzung vor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um besser zu verstehen, wie sich diese Kontemplationsschule in den franz\u00f6sischsprachigen Regionen entwickelt, m\u00fcssen wir uns einige Merkmale ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie er\u00f6ffnet einen Raum der Begegnung zwischen der buddhistischen Tradition und der christlichen Tradition, genauer gesagt, der christlichen Mystik. Die Auswirkungen dieser Begegnung sind vergleichbar mit dem Zusammenspiel unserer Augen, das dem Gesichtsfeld seine Tiefe verleiht. Das bedeutet, dass diese Begegnung unsere christliche Tradition belebt, unsere Erfahrung und unser Wissen \u00fcber unsere eigene Tradition wie auch \u00fcber die buddhistische Tradition vertieft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <em>via integralis<\/em> wurde 2003 von Schwester Pia Gyger vom Katharina-Werk und dem Jesuitenpater Niklaus Brantschen gegr\u00fcndet. Beide entdeckten die Praxis und den Weg der Zen-Erfahrung durch den Jesuitenpater Hugo Enomiya Lassalle (1898-1992).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Wissen allein reicht nicht mehr aus, um die komplexen Probleme zu l\u00f6sen, vor denen wir stehen. Nur eine beharrliche spirituelle Praxis, die alle F\u00e4higkeiten des Menschen einbezieht, ist in der Lage, diese Herausforderung zu meistern. Der Weg, den die Zazen-Praxis bietet, zeigt eine Genialit\u00e4t, die in unserer westlichen Kultur unbekannt ist. Wie keine andere spirituelle Praxis bietet sie einen direkten Weg, die essentielle Natur, die allen Lebewesen innewohnt, zu erfahren. Sie f\u00f6rdert den Weg, den die rheinische und spanische Mystik lehrt. Meister Eckart und Johannes Tauler schlagen die Praxis der Losl\u00f6sung vor: &#8220;Wir sagen also, dass der Mensch so arm an eigenem Wissen sein muss, wie er war, als er noch nicht war. Dies stellt unsere franz\u00f6sische Kultur in Frage, die dem kartesianischen Denken und dem daraus resultierenden Wissen einen hohen Stellenwert einr\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Praktizieren von Zazen im Sinne der buddhistischen Tradition f\u00fchrt die Praktizierenden dazu, in diese Tradition einzutauchen und gleichzeitig ihrer eigenen christlichen Tradition treu zu bleiben. Diese Haltung initiiert einen inneren Dialog zwischen christlicher und buddhistischer mystischer Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Idealfall sammelt und konzentriert die Zazen-Praxis die Kr\u00e4fte des Menschen und erm\u00f6glicht es, durch st\u00e4ndige \u00dcbung die g\u00f6ttliche Gegenwart zu erfahren und in das t\u00e4gliche Leben zu integrieren. Der Rahmen, die Rituale, die L\u00e4nge der Meditationen, die ein- oder mehrt\u00e4gigen Angebote sind nach dem Zen-Modell organisiert. Die innere Einstellung ist die gleiche, wir verzichten auf alle Bilder. Dies erm\u00f6glicht es uns, den Reichtum der christlichen Mystik besser zu verstehen und zu erschliessen. Wir unterscheiden uns von unseren buddhistischen Schwestern und Br\u00fcdern unter anderem in der Art und Weise, wie wir unsere Erfahrungen in der Meditation in Worte fassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Lehrer, darunter auch ich, wurden 2006 ernannt. Getragen von der \u00dcberzeugung, dass der Dialog zwischen zwei religi\u00f6sen Traditionen nicht nur eine Bereicherung darstellt, sondern dass dieser Weg auch im franz\u00f6sischsprachigen Raum Fu\u00df fassen kann, habe ich mich auf die Suche nach Menschen gemacht, die sich f\u00fcr diese Praxis interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles begann 2007 in der Abtei Fontaine Andr\u00e9 in Neuenburg und im Zentrum St. Fran\u00e7ois in Del\u00e9mont, dank der Unterst\u00fctzung der Gemeinschaft der katholischen Schulbr\u00fcder und des Erwachsenenbildungsdienstes der Seelsorgeeinheit Jura. Die Pr\u00e4sentation dieses Ansatzes weckte Neugier und Interesse. Die Kontemplationsgruppen in Neuch\u00e2tel und Del\u00e9mont wurden immer zahlreicher besucht. Von Anfang an liegt der Schwerpunkt auf dem stillen und ruhigen Sitzen, das von der Lehrer*in beaufsichtigt und begleitet wird. Die m\u00fcndliche Unterweisung erfolgt in Form von Kurzvortr\u00e4gen. Doch so wie Erkl\u00e4rungen dar\u00fcber, was es bedeutet, eine Tasse Tee zu trinken, niemals die Erfahrung des Teetrinkens ersetzen k\u00f6nnen, stand die Praxis schon immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Delemont_1024px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5519\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Delemont_1024px.jpg 1024w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Delemont_1024px-300x225.jpg 300w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Delemont_1024px-768x576.jpg 768w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Delemont_1024px-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Meditationsraum im Centre St-Francois, Del\u00e9mont<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit eine spirituelle Erfahrung integriert werden und Fr\u00fcchte tragen kann, muss sie als Gedanke, Bild und Wort Gestalt annehmen. Daher sind Momente des Austauschs und des Gespr\u00e4chs mit dem Lehrer von Anfang an Teil des Programms.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das t\u00e4gliche \u00dcben zu Hause ist anspruchsvoll. Durch die Bildung von Gruppen konnten wir gemeinsam \u00fcben und uns gegenseitig unterst\u00fctzen. Der Akt der Meditation in der Stille schafft Verbindungen zwischen den Meditierenden und entwickelt ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit, das eine Quelle der Best\u00e4ndigkeit und Entschlossenheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einem inneren Ruf oder einer Bitte folgend, erkl\u00e4rten sich einige Personen bereit, eine Gruppe zu leiten, und ergriffen die Initiative, in Zusammenarbeit mit mir eine Gruppe zu gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gruppe, die sich 2007 im Zentrum St-Fran\u00e7ois in Del\u00e9mont gebildet hatte, wurde zun\u00e4chst von Bruno Chapatte geleitet. Myriam Schaller trat seine Nachfolge an. Sp\u00e4ter wollte sie diese Aufgabe mit Sabine Eicher und Marie-Th\u00e9r\u00e8se Sangsue, die derzeit die Koordination \u00fcbernimmt, teilen. Die Gruppe trifft sich zweimal im Monat um 19.40 Uhr in einem kleinen Raum neben der Krypta des Zentrums, um gemeinsam Zazen zu praktizieren und widmet nach der Meditation einen Moment dem Erfahrungsaustausch. Die Gruppe ist offen und nimmt jederzeit interessierte Personen auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Porrentruy gr\u00fcndete Bruno Chapatte eine Gruppe nach dem Vorbild der Gruppe in Del\u00e9mont, sp\u00e4ter eine weitere in Le Noirmont, sowie eine am Coll\u00e8ge in Porrentruy, in dem er als Lehrer arbeitet. Die Gruppe in Porrentruy trifft sich alle zwei Wochen um 19.00 Uhr in einem Raum des Pfarrzentrums Les Sources. Die Gruppe in Noirmont, die von Fran\u00e7oise Pelletier und Michel Lachat geleitet wird, ebenfalls alle zwei Wochen um 19.00 Uhr in einem Pfarrsaal unter der Kirche von Noirmont.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Chappelle_1024px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5518\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Chappelle_1024px.jpg 1024w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Chappelle_1024px-300x225.jpg 300w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Chappelle_1024px-768x576.jpg 768w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Chappelle_1024px-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abtei Fontaine Andr\u00e9, die uns mehrere Jahre lang beherbergt hatte, musste ihre Pforten schliessen und unsere Aktivit\u00e4ten in dieser Einrichtung wurden eingestellt. Die franz\u00f6sischsprachige Gemeinschaft der Jesuiten, die das Ausbildungszentrum Notre-Dame de la Route in Villars-sur-Gl\u00e2ne betreibt, unterst\u00fctzt uns und stellt uns einen Raum des Zentrums als Meditationsraum zur Verf\u00fcgung, in dem jedes Jahr mehrere Einkehrtage stattfinden. Es gibt keine dem Zentrum zugeordnete Gruppe im eigentlichen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im C\u00e9nacle in Genf leite ich vier Tage pro Jahr. Interessierte Personen k\u00f6nnen mich kontaktieren, wenn sie sich f\u00fcr eines dieser Angebote anmelden m\u00f6chten. Wir pflegen eine freundschaftliche Beziehung zu Pierre Palli, der eine andere Meditationsgruppe im C\u00e9nacle leitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Gang-Delemont_1024px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5524\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Gang-Delemont_1024px.jpg 1024w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Gang-Delemont_1024px-300x225.jpg 300w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Gang-Delemont_1024px-768x576.jpg 768w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/vi-NL12_GruppenimFokus_Gang-Delemont_1024px-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maryline Darbellay, Mitglied der Kongregation der Schwestern vom Kreuz von Chavanod, die f\u00fcr die franz\u00f6sische Provinz zust\u00e4ndig ist, erz\u00e4hlte mir von ihrem Interesse an dem von der via integralis vermittelten Weg. In Chavanod (Frankreich) waren sie und ihre Schwestern dabei, in einem Fl\u00fcgel des alten Klosters ein spirituelles und kulturelles Zentrum &#8211; das Maison du Grand Pr\u00e9 &#8211; zu gr\u00fcnden, in dem sie Meditationskurse in der Tradition der via integralis anbieten wollten. Seitdem hat sich unsere Zusammenarbeit intensiviert. Seit 2014 organisiert Schwester Maryline an diesem Ort Kontemplationsabende und -tage. Ich biete jeweils eine Vertiefungswoche w\u00e4hrend der Sommermonate in diesem Zentrum an. Maryline wurde im September 2021 als via integralis Kontemplationslehrerin ernannt. Interessierte Personen werden gebeten, das Sekretariat der Maison du Grand Pr\u00e9 in Chavanod in Frankreich zu kontaktieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bern gibt es dank der Initiative von Pascale Sch\u00fctz eine Gruppe, die sie leitet und die ich unterst\u00fctze, die regelm\u00e4ssig das Sitzen \u00fcbt. Die Dreifaltigkeitsgemeinde stellt einen Raum f\u00fcr Meditation zur Verf\u00fcgung. Derzeit legt die Gruppe nur kurzfristig Termine f\u00fcr Begegnungen fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Jahresprogramm sieht mehrere ein- bis mehrt\u00e4gige Angebote vor, d.h. einzelne Tage, Wochenenden, zwei- oder f\u00fcnft\u00e4gige Kurse im Zentrum St-Fran\u00e7ois in Del\u00e9mont, in der Domaine de Notre-Dame de la Route in Villars-sur-Gl\u00e2ne, im Cenacle in Genf und in der Maison du Grand Pr\u00e9 in Chavanod.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich betreue diese Angebote und nehme pers\u00f6nlich an zwei oder drei Abenden pro Jahr und Gruppe teil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der franz\u00f6sischsprachige Zweig der via integralis erweist sich als lebendig und ist dank des Engagements seiner Mitglieder dabei, in unseren franz\u00f6sischsprachigen Regionen Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neuer spiritueller Weg. Von Yves Saillen, Kontemplationslehrer Stufe 2 Vorbemerkung der Redaktion: Mit dem via integralis Newsletter Nummer 12 erscheint unter der Rubrik \u00abKontemplationsgruppen im Fokus\u00bb diesmal ein Beitrag aus dem franz\u00f6sischsprachigen Raum. Vom Schweizer Jura bis ins franz\u00f6sische Annecy finden sich diverse M\u00f6glichkeiten, um Kontemplation zu \u00fcben. 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