{"id":6402,"date":"2022-06-03T13:00:00","date_gmt":"2022-06-03T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=6402"},"modified":"2022-06-01T22:03:51","modified_gmt":"2022-06-01T20:03:51","slug":"interview-mit-gabriele-geiger-stappel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2022\/06\/03\/interview-mit-gabriele-geiger-stappel\/","title":{"rendered":"Interview mit Gabriele Geiger-Stappel"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>gef\u00fchrt von Hella Sodies<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gabriele Geiger-Stappel ist seit 2006 Kontemplationslehrerin&nbsp;der via integralis. Seither gibt sie Kontemplationskurse \u2013 oft gemeinsam mit ihrem Mann, dem Theologen Bernhard Stappel, ebenfalls Kontemplationslehrer der via integralis \u2013 und begleitet Menschen auf ihrem spirituellen Weg. Die beiden haben zwei T\u00f6chter und vier Enkelkinder. Gemeinsam leiten sie das Zendo Offener Kreis in Freiburg i.Br. Dort realisieren sie ihre Vision \u00abTwo Wings\u00bb.<\/em> <br><em>Gleichzeitig ist die \u00c4rztin f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie seit vielen Jahren auf dem Zen-Weg. 2014 <em>wurde<\/em><\/em> sie <em>Zen-Sch\u00fclerin von Anna Gamma Roshi im Zen Zentrum Offener Kreis in Luzern. Vor wenigen Tagen, am Himmelfahrt-Sesshin Ende Mai, wurde sie offiziell von Anna Gamma als Zen-Lehrerin autorisiert.<\/em><br><em>Im Vorfeld der Ernennung durfte ich mit ihr im Zendo in Freiburg i.Br. \u00fcber <em>die Bedeutung dieses Schri<\/em>ttes und<\/em> <em>ihren bisherigen pers\u00f6nlichen Weg sprechen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Magst du ein wenig von Spuren der Sehnsucht in deiner Biografie erz\u00e4hlen, die in der Ernennung zur Zen-Lehrerin nun auch ihren \u00e4usseren Ausdruck finden?<\/strong> <strong>Wie verlief dein spiritueller Weg? Gab es spezielle Wegmarken auf deinem Entwicklungsweg?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Das ist eine lange Geschichte. Ich schaue auf einige Jahrzehnte zur\u00fcck und muss mit meiner Kindheit beginnen: Ich bin in einem sehr katholischen Umfeld aufgewachsen. Mein Vater war Lehrer, Organist und Chorleiter. Wir waren vier Kinder und wohnten im Schulhaus, auf der einen Seite die Kirche und der Friedhof, auf der anderen Seite ein grosses Frauenkloster. Das Kirchenjahr, die Feste und Rituale verwoben sich in unser Familienleben. Meine Mutter war die gestaltende Kraft, doch nicht ohne kritischen Blick. Es wurde heiss diskutiert bei uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war ein sehr offenes Kind, stand manchmal nachts am Fenster, habe die Sterne betrachtet und fr\u00fch die Frage gehabt, was das Leben \u00fcberhaupt ist. In der Vorbereitung zur Erstkommunion hat mich eine \u00fcberw\u00e4ltigende Gegenwartserfahrung ersch\u00fcttert, wo so \u2013 \u00abhuch!\u00bb \u2013 ein Ruck in meinem Kinderleben passiert ist und es ver\u00e4nderte. Sp\u00e4ter erkrankte einer meiner Br\u00fcder schwer. Sein anhaltendes Leiden erlebte ich schmerzlich; sein Leben hat mich sehr gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Buddhismus kam ich erstmals 1977 in Kontakt, auf einer Reise mit einer Studienfreundin nach Indien\/Nepal. Wir konnten die nepalesische Grenze zeitlich nicht wie geplant \u00fcberqueren. So kam es zu einem Tagestrip nach Lumbini, damals eine \u00f6de, einsame Gegend. Wir besuchten dort ein altes buddhistisches Kloster. Ein M\u00f6nch erkl\u00e4rte uns die Wandmalereien. Wir waren die einzigen Besucherinnen und verstanden kein Wort. Doch eines wurde klar: Wir befanden uns am Geburtsort Siddhartha Gautama Buddhas. Dieses Erlebnis habe ich nie vergessen. So ahnungslos bin ich zu Buddhas Geburtsort gef\u00fchrt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im fr\u00fchen Berufsleben als \u00c4rztin in der Psychiatrie erlebte ich eine ersch\u00fctternde transpersonale Erfahrung. Ich war danach sicher, dass das Kloster der Ort meiner Berufung sei. Doch meine Bem\u00fchungen fruchteten nicht und so fand eine lange Geschichte ihren Sinn: Bernhard und ich beschlossen zusammen zu bleiben, gerade weil uns die spirituelle Sehnsucht tief verband. Wir reisten nach S\u00fcdamerika und begegneten ganz pers\u00f6nlich Dom Helder Camara, diesem Mystiker der Befreiungstheologie. Er gab uns Orientierung. In der fr\u00fchen Familienphase kamen wir dann mit dem Katharinawerk in Kontakt. 1989 wurden wir zu Familienexerzitien eingeladen, die Pia Gyger gehalten hat. Das Thema war \u00abHerz Jesu und universaler Christus\u00bb. Ich dachte, ich gehe da mal hin und gucke mir das mal an. Und dann war ich vom ersten Moment an von Pia und ihrer weiten evolutiven Spiritualit\u00e4t fasziniert. Sie hat in mir eine tiefe Resonanz ausgel\u00f6st. Mir war klar, das ist es!<br>Im Jahr darauf begannen Bernhard und ich zu meditieren. Ich wurde Kontemplationssch\u00fclerin von Pia und sp\u00e4ter ihre Zen-Sch\u00fclerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Wie kam es, dass du von der Kontemplation zum Zen gewechselt bist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Das hatte mit Pia zu tun. Sie hat, nachdem Yamada Koun Roshi verstorben war, bei Robert Aitken Roshi auf Hawaii ihre Zen-Schulung abgeschlossen und nach ihrer Ernennung Zen-Kurse angeboten. Sie ging meines Erachtens einen ganz eigenen intra- und interreligi\u00f6sen Weg und hat uns Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler daran teilhaben lassen. Sie sprach in allen Kursen von ihrer grossen Liebe zu Christus und von ihrer Dankbarkeit gegen\u00fcber dem Zen. Ich erlebte, wie sie mit sich gerungen hat, ob sie Buddhistin werden soll, und wie sie schliesslich mit R\u00fccksicht auf ihre christliche Gemeinschaft darauf verzichtete. Sie suchte den Dialog, auch mit ihren Zen-Meistern, und scheute sich nicht, sich mit Vertretern beider spiritueller Traditionen ernsthaft auseinanderzusetzen. Sie war tief mit beidem verbunden. Ich bin ihren Weg innerlich mitgegangen und das hat meinen eigenen Weg schliesslich gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Was bedeutet die via integralis f\u00fcr dich auf diesem Weg, und in welcher Weise hat sie deinen Weg als Christin und nun auch Buddhistin gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Wie gesagt war dieser \u00abVerbindungsweg\u00bb von Pia Gyger schon vorgelebt, ihr Herzensanliegen, so dass sie gemeinsam mit Niklaus Brantschen die Kontemplationsschule via integralis ins Leben rief. Die ersten Lehrerinnen und Lehrer der via integralis, so auch Bernhard und ich, waren ausnahmslos Zen-Sch\u00fclerinnen und -Sch\u00fcler von Pia und Niklaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir pers\u00f6nlich hat die via integralis den Weg er\u00f6ffnet, tiefer in die christliche Mystik einzutauchen und mich umfassender darin zu verwurzeln. Die schlichte \u00dcbung des Zazen \u00f6ffnete das innere Auge zu neuem Verstehen.<br>Und nat\u00fcrlich sind der Austausch in der Lehrer:innen-Gruppe und die Zusammenarbeit mit Bernhard in diesem Zusammenhang wirklich ein Geschenk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schliesslich sp\u00fcrte ich in der via integralis, dass ich meine Wurzeln im Zen weiter vertiefen muss. Es dr\u00e4ngte mich von innen her einfach dazu. So wurde ich 2014, nach dem Tod von Pia, Zen-Sch\u00fclerin von Anna Gamma Roshi. Sie hat mich im Rohatsu-Sesshin 2016 zur Zen-Assistenzlehrerin ernannt und bis heute mit grosser Entschiedenheit, Klarheit und der notwendigen Geduld gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Was bedeutet dir die Ernennung als Zen-Lehrerin? Was bringt sie mit sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Die Ernennung ist ein Auftrag, ganz bereit zu sein und zu antworten, also Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Im Zen sagen wir, dass \u00abdas Lichtseil \u00fcbertragen\u00bb wird, dass ich bereit bin, mich in die Ahnenreihe hineinzustellen und mit ihr eins zu werden. Es bedeutet, dass ich die mir geschenkten Begabungen zur Verf\u00fcgung stelle; dass ich meinen Herzens-Raum f\u00fcr Menschen auf der Suche nach ihrem wahren Wesen \u00f6ffne und Zen in seiner unverf\u00e4lschten Ernsthaftigkeit weitergebe.<br>Weiterhin gilt f\u00fcr mich, nicht nachzulassen in der \u00dcbung im Alltag, und Leben aus der Kraft der Stille zu gestalten, im Anf\u00e4ngergeist und mit mitf\u00fchlendem Gewahrsein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe Respekt vor diesem Weg, habe Achtung \u2013 auch vor mir selber. Ich sage mir: Ich gebe alles und das gen\u00fcgt. Ich kenne meine Grenzen, erfahre sie auch immer wieder. Gerade deshalb: Ich lasse durch mich geschehen, was durch mich geschehen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Auf welche Art geht das konkret? Was hast du geplant?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Im Herbst darf ich in Kooperation mit dem Zen Zentrum Offener Kreis Luzern&nbsp;ein Sesshin im Kientaler Hof, Kiental CH anbieten; ein wunderbarer Ort. In Luzern geh\u00f6re ich zur Sangha der Lehrenden. In diesem Jahr werde ich dort im Zendo, das durch seine klare, schlichte Sch\u00f6nheit besticht und ausrichtet, Zazenkais und im Oktober den Kurs \u00abZen und Frauen\u00bb durchf\u00fchren. Zudem suche ich in S\u00fcddeutschland noch ein Haus, wo ich Sesshins anbieten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Du wirst ausserdem nach einem Jahr Vorbereitung Jukai ablegen, also auch formell Buddhistin werden. <\/strong><strong>Warum hast du dich dazu entschieden? Wie wird man bzw. frau Buddhistin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Ich muss dazu zun\u00e4chst noch erg\u00e4nzen, dass ich w\u00e4hrend meiner Ausbildung zur Achtsamkeitslehrerin mehrere Retreats im Vipassana bei Akincano Weber besucht habe. Dabei bin ich mit dem Pali-Kanon <em>(Sammlung von Lehrreden Buddhas)<\/em> in Ber\u00fchrung und dem Buddhismus auch auf diese Weise n\u00e4her gekommen. Das hat mich ebenfalls sehr bereichert. Ich verdanke der buddhistischen Geistesstr\u00f6mung sehr viel und diesem Dank m\u00f6chte ich auch formell Ausdruck geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorbereitung dazu mache ich gemeinsam mit anderen in einer Gruppe bei Anna Gamma. Sie hat von Vanja Palmers die Erm\u00e4chtigung dazu bekommen. Wir haben die buddhistischen Gebote f\u00fcr uns formuliert, die Ahnenreihe geschrieben \u2013 als weibliche und als m\u00e4nnliche Ahnenreihe \u2013 und von Hand ein Rakusu <em>(traditionelles Kleidungsst\u00fcck im japanischen&nbsp;Zen-Buddhismus, eine Art Brustlatz)<\/em> gen\u00e4ht. Dies geschah alles w\u00e4hrend einer Praxiswoche oder eines Sesshins. Das Tun selbst wurde zur Meditation; eine empfehlenswerte, sch\u00f6ne Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. Juni werden wir Jukai ablegen, da wird Vanja Palmers dabei sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Denkst du, dass dieser Schritt dein Christin-Sein ver\u00e4ndern wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Das hat es schon, wenn du mit \u00abver\u00e4ndern\u00bb bereichern meinst. Das Sich-gegenseitig-ber\u00fchren-und-inspirieren ist ein lebendiger und lebenslanger Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Du schreibst auf deiner <\/strong><strong>Webseite: \u00abF\u00fcr mich bleibt es eine existentielle Herausforderung, als Christin und Buddhistin den intra- und interreligi\u00f6sen Dialog zu verk\u00f6rpern.\u00bb <\/strong><strong>Wie w\u00fcrdest du diese Herausforderung beschreiben? Hast du ein Beispiel, wie oder wo du diesen Dialog verk\u00f6rperst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Als Medizinerin liebe ich den Ausdruck \u00abverk\u00f6rpern\u00bb. Alles verwirklicht sich, indem es in \u00abFleisch und Blut\u00bb \u00fcbergeht, in den Alltag, in das konkrete Leben. So wie auch die k\u00f6rperliche Haltung den \u00abmind\u00bb pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Christin ist die Kontemplation f\u00fcr mich Weg, \u00dcbung und Gebet. Ich praktiziere auch das f\u00fcrbittende Gebet, z.B. das Vater-Mutter-unser, den Hymnus an die Geistkraft Gottes; und ich spreche die letzte Wirklichkeit als \u00abDU mein Gott\u00bb an, diese Wirklichkeit, die selbst Mensch geworden ist, sich verk\u00f6rpert hat und die in mir die Liebe wachruft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben in unserem Zendo eine Statue der Mutter Gottes mit Kind, Ausdruck der Christusgeburt im Menschen. Ich stelle mich t\u00e4glich f\u00fcrbittend unter den sch\u00fctzenden Mantel Mariens und z\u00fcnde ihr bei Gelegenheit im Freiburger M\u00fcnster oder auf dem Maria Lindenberg eine Kerze an.<br>Als Zen-Buddhistin \u00fcbe ich die Pr\u00e4senz im Alltag, das mitf\u00fchlende Gewahrsein und den Anf\u00e4ngergeist, der nicht vergleicht. Ich rezitiere die kraftvollen Sutren und vollziehe die formenden Rituale. Sie geben mir Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides vollzieht sich in meiner Leiblichkeit, ungetrennt und doch unvermischt.<br>Es ist ein Abenteuer!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Wird sich f\u00fcr deine bisherigen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclerinnen etwas ver\u00e4ndern, dadurch, dass du nun auch Zen-Lehrerin und Buddhistin wirst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: <em>(Lachend)<\/em> Auch das wird sich wie so vieles noch zeigen. Neu ist, dass Sch\u00fcler:innen mich jetzt auch f\u00fcr den Zen-Weg anfragen k\u00f6nnen. Ich werde sehen, wer kommt. Ich bin auf jeden Fall parat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Wie siehst du dein weiteres Wirken in der via integralis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Ich habe mit Margrit Wenk dar\u00fcber gesprochen. Ich werde weiter Kontemplationskurse geben und dabei versuchen, den christlichen Kontext und Reichtum in Texten, Vortr\u00e4gen und den Agapefeiern dankbar zum Leuchten zu bringen; das heisst auch, den Ernst der \u00dcbung des Zazen anzuerkennen, so dass tiefe Sammlung und Erfahrung m\u00f6glich wird. Und ich werde mich in der Lehrer:innen-Gemeinschaft weiterhin einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Du bist gemeinsam mit deinem Mann Bernhard einen spirituellen Weg gegangen, ihr seid beide Kontemplationslehrer bzw. -lehrerin, habt gemeinsam in Freiburg das Zendo aufgebaut unter der Vision der \u00abTwo Wings\u00bb.<\/strong> <strong>Was ver\u00e4ndert deine Ernennung zur Zen-Lehrerin jetzt, wo ihr k\u00fcnftig gewissermassen auch unter \u00abunterschiedlichen Flaggen segelt\u00bb?<\/strong> <strong>Wie siehst du die Zukunft eurer Vision der \u00abTwo Wings<strong>\u00bb<\/strong>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Unterschiedliche Flaggen oder eben \u00abTwo Wings\u00bb, Mann und Frau, Ost und West, Alltag und Meditation, Zen und christliche Mystik \u2013 zwei Fl\u00fcgel und der EINE K\u00f6rper, in dem vermeintliche Gegens\u00e4tze aufgehoben sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erlebe Bernhard als sehr authentisch und ich glaube, von daher kann er mich auch meinen Weg sehr authentisch gehen lassen. Unsere Vision wird entscheidend mitgetragen von Menschen wie Gabi Schr\u00f6der und Matthias Kirchg\u00e4ssner, beide Lehrende der via integralis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"660\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/vi-N-L-013_ZendoFreiburgiBr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6513\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/vi-N-L-013_ZendoFreiburgiBr.jpg 960w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/vi-N-L-013_ZendoFreiburgiBr-300x206.jpg 300w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/vi-N-L-013_ZendoFreiburgiBr-768x528.jpg 768w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/vi-N-L-013_ZendoFreiburgiBr-600x413.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption>Two Wings \u2013 Zendo Offener Kreis Freiburg i.Br.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zentral in unserem Zendo h\u00e4ngt der Ens\u014d, der Kreis, ein wichtiges buddhistisches Symbol; die Mitte ist leer, da ist reine Potentialit\u00e4t. Dort wurzelt die Antwort auf unsere Frage: Was ist jetzt unsere Aufgabe? Der Kreis ist offen f\u00fcr die Welt, f\u00fcr das soziale Engagement, f\u00fcr den Austausch mit den Menschen, die zu unseren Meditationsabenden kommen, pers\u00f6nlich oder \u2013 ein Geschenk der Pandemie \u2013 online von nah und fern, \u00fcber Landesgrenzen hinweg. Da begegnen sich Menschen, die bei uns das \u00abChristliche\u00bb suchen, Menschen, die an Zen interessiert sind und Menschen, die keine religi\u00f6se Bindung haben. Der Austausch f\u00fchrt zu wesentlichen Gespr\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden nach meiner Ernennung auch mit unserer Two Wings-Gruppe in Freiburg feiern und verdeutlichen, wie die Gewichtung zwischen christlichen Kontemplationsangeboten und Zen-Kursen sein wird, unbenommen der bleibenden gemeinsamen \u00dcbung. Es ist und bleibt spannend, wo sich christliche Mystik und Zen begegnen. Letztlich geht es um die Erfahrung, und die h\u00f6rt nie auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Wie bereitest du dich konkret auf den Tag deiner Ernennung vor?<\/strong> <strong>Wie wird der Tag ablaufen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Das Wichtigste ist, mich in der Stille vorzubereiten, mich wirklich darauf einzulassen, ganz JA zu sagen und mich uneingeschr\u00e4nkt f\u00fchren zu lassen.<br>Ich werde gemeinsam mit Karl-Heinz Scholz die Transmission erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Feier ist eingebettet in den Rahmen eines Sesshins. Es beginnt am Himmelfahrtstag. Am Samstagabend findet die sogenannte \u00abDenbo Zeremonie\u00bb, die geheime Feier, statt. Anna Gamma, Niklaus Brantschen und Vanja Palmers werden dabei sein; auch Bernhard, die Frau von Karl-Heinz und zwei Assistenten. Die Zeremonie, ein uraltes Ritual des Vertrauens und der Erm\u00e4chtigung, dauert etwa eine Stunde. Am n\u00e4chsten Tag um die Mittagszeit geht das Sesshin zu Ende. Anschliessend findet die Feier mit den geladenen G\u00e4sten statt. Ich freue mich, dass Margrit Wenk und J\u00fcrgen Lembke dabei sein k\u00f6nnen und einige aus unserer Two Wings-Gruppe Freiburg sowie Freunde von der via integralis Lettland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Und du bekommst einen Namen?!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Ja, ich kenne ihn schon, da Anna ihren Vorschlag mit mir besprochen hat, und ich freue mich dar\u00fcber: Shinmyo, das heisst HerzLicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Gibt es etwas, was du den Leserinnen und Lesern unseres Newsletters <strong>aus der Erfahrung deines eigenen Weges<\/strong><\/strong> <strong>mitgeben m\u00f6chtest ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GGS: Vertrauen auf die innere F\u00fchrung und auf die Kraft der Stille, was auch kommen mag. Entschlossenheit in der \u00dcbung, im Anerkennen der Ernsthaftigkeit des Weges. Und immer die liebevolle G\u00fcte mit sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HS: Liebe Gabriele, ich danke dir f\u00fcr die Begegnung und das offene Gespr\u00e4ch und gratuliere dir von Herzen zu deiner Ernennung als Zen-Lehrerin. Ich bin sicher, dass du durch deine neue Aufgabe und den damit verbundenen Auftrag dein HerzLicht noch mehr in der Welt wirst leuchten lassen.<br><br><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gef\u00fchrt von Hella Sodies Gabriele Geiger-Stappel ist seit 2006 Kontemplationslehrerin&nbsp;der via integralis. Seither gibt sie Kontemplationskurse \u2013 oft gemeinsam mit ihrem Mann, dem Theologen Bernhard Stappel, ebenfalls Kontemplationslehrer der via integralis \u2013 und begleitet Menschen auf ihrem spirituellen Weg. Die beiden haben zwei T\u00f6chter und vier Enkelkinder. 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