{"id":6928,"date":"2022-11-25T00:10:00","date_gmt":"2022-11-24T23:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=6928"},"modified":"2023-05-04T18:06:04","modified_gmt":"2023-05-04T16:06:04","slug":"fuenf-fragen-an-unseren-referenten-jorge-koho-mello-am-ende-unserer-fortbildung-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2022\/11\/25\/fuenf-fragen-an-unseren-referenten-jorge-koho-mello-am-ende-unserer-fortbildung-2022\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Fragen an unseren Referenten Jorge Koho Mello am Ende unserer Fortbildung 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DW: Koho, du bist in Brasilien aufgewachsen, hast auch italienische Wurzeln, hast in England und USA wichtige Etappen deines Lebens verbracht und lebst heute in der Schweiz.&nbsp;Bei deiner Vorstellung sagtest du: \u201eIch bin \u00fcberall daheim.\u201c Was meinst du damit und was bedeutet dir deine \u201egeburtliche\u201c Heimat?<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KOHO: Die Bev\u00f6lkerung von Brasilien ist gemischt. Wir kommen aus vielen L\u00e4ndern. Wir leben eine universelle Identit\u00e4t, eine N\u00e4he mit allen. Als Jugendlicher habe ich erfahren, unser Ich ist nicht substantiell. Identit\u00e4t ist fl\u00fcssig. So ist ein Wechsel m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erfahrung von Gemeinschaft hat mir das gezeigt: in Findhorn\/Schottland und im Schumacher College\/Gro\u00dfbritannien. Dort geh\u00f6rte Gemeinschaftsleben als Teil der P\u00e4dagogik dazu: Alle haben gesp\u00fclt, geputzt, gekocht \u2026 es war so wie das Samu im Zen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinschaft ist \u00fcberall m\u00f6glich, also bist du \u00fcberall daheim. Im Zen haben wir den Grundsatz: sehen und darin erkennen, dass auch das Verschiedene gleichwertig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DW: Wir hatten dich angefragt, von den Zen-Peacemakern zu erz\u00e4hlen. Welche Etappen haben dich dahin gef\u00fchrt?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KOHO: Ich arbeitete 18 Jahre u.a. als Systemanalytiker in einer Bank.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte immer mehr das Bed\u00fcrfnis, etwas zu machen. Engagement ist der erste Schritt bei den Zen-Peacemakern. \u00dcber einen j\u00fcdischen und Zen-praktizierenden Freund, Ovidio, habe ich die Zen-Peacemaker kennengelernt. Er ist Psychiater und Koordinator des Family Institute in S\u00fcdbrasilien, an der die Sch\u00fcler mittels eines sozialen Engagements bis die H\u00e4lfte des Supervisiongeldes begleichen. So kam ich in die Schweiz und traf auch dort auf diese Form des Zen nach Bernard Glassman. Ihn lernte ich in Auschwitz kennen. Es folgten Stra\u00dfenretreats, an denen ich teilnahm.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DW: In der Schlussrunde unserer Fortbildung sagten einige: \u201eDas, wovon du gesprochen hast, war mir irgendwie vertraut.\u201c Du hast Mutter Teresa zitiert, Victor Frankl, Martin Buber \u2026 auf welche Quellen berufen sich die Zen-Peacemaker?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(Koho holt weit aus. Ich versuche, das Wichtigste festzuhalten. Anmerkung: Dorothea)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zen-Peacemaker sind eine moderne \u00dcbersetzung des traditionellen japanischen Zen-Buddhismus durch Bernard Glassman. Er hat die alten Texte lange studiert und sich dann der sozialen Arbeit mit Arbeitslosen, Drogen- und Alkoholabh\u00e4ngigen gewidmet. Die Idee vom neuen gro\u00dfen Mahl entstand: Alle Zutaten sind da \u2013 mache etwas daraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinem entschiedenen sozialen Engagement kam es zum Bruch mit seinem Lehrer Maezumi Roshi. Bernard Glassman lehnte die patriarchale Struktur der Zen-Tradition ab. Er legte seine Zen-Kleidung ab. Seine Vision, die er konsequent verfolgte, war die einer flachen Hierarchie. Maezumi Roshi konnte diesen Weg nicht mitgehen, aber nach Jahren respektierte er ihn.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch eine weitere Erg\u00e4nzung zur bestehenden Tradition nahm Glassman vor. Den f\u00fcnf \u201eBuddha-Familien\u201c \u2013 das sind die f\u00fcnf Weisheiten des Buddhismus: Grundlagen und Spiritualit\u00e4t (Buddha); Studium und Wissen (Vajra); Lebensunterhalt und Ressourcen (Ratna); Beziehung und Gemeinschaft (Padma) sowie Soziales Handeln (Karma) \u2013 f\u00fcgte er eine sechste hinzu: the order of disorder (die Ordnung der Unordnung).<br>Wie es dazu kam? In der Trauer \u00fcber den Tod seiner ersten Frau begegnete Glassman einem Clown. Seine Art, mit der eigenen Begrenztheit und gesetzten Grenzen umzugehen, hat Bernard Glassman ins Leben zur\u00fcckgebracht. Das war so bedeutsam f\u00fcr ihn, dass er immer eine Clownsnase bei sich hatte und damit &#8220;the order of disorder&#8221; praktizierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Glassmans Tod lag erst einmal alles zwei Jahre lang flach. Dann gab es einen Neuanfang durch seine zweite Frau Roshi Eve Myonen Marko. Heute sind wir mit dem Zen-Peacemaker-Orden wieder auf der Suche. Gemeinsam sind wir, Roshi Marko und ich, in der spirituellen Leitung. Es geht darum, dass jemand im Zentrum steht, der die Vision tr\u00e4gt, ohne dass daraus eine Pyramide (Hierarchie) entsteht. Die f\u00fcnf bzw. sechs Buddha-Familien sind gleichberechtigt. Frauen wie M\u00e4nner, Hetero und Homo sind in der Peacemaker-Community willkommen. Gemeinschaft ist Diversit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DW: Wir von der via integralis haben \u00fcber dich den Kontakt und Austausch zu den Peacemakern gesucht. Sind die Peacemaker mit anderen Bewegungen oder Verb\u00e4nden vernetzt?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KOHO: Alle k\u00f6nnen mitmachen, die nach den drei Grunds\u00e4tzen leben: Nicht-Wissen, Zeugnis-ablegen, soziales Engagement. Wir verbinden uns mit allen, die wie wir eine kontemplative Praxis pflegen und Gemeinschaft leben. Das findest du auf unserer Homepage. (<a href=\"https:\/\/zenpeacemakers.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/zenpeacemakers.org<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DW: Du hast mit uns drei Tage verbracht. Was m\u00f6chtest du der via integralis mitgeben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KOHO: Wo du bist, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass du ein Zentrum in dir hast.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bernie Tetsugen Glassman Roshi sagte einmal: &#8220;Unsere Aufgabe ist es, dem Leben zu dienen. Die Basis solchen Handelns liegt in der Erfahrung der Einheit und inneren Verbundenheit allen Lebens. Diese Erfahrung nennt man auch \u00abErleuchtung\u00bb. \u00abDienen\u00bb ist ihr zentrales Element.&#8221;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Interview f\u00fchrte Dorothea Welle.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DW: Koho, du bist in Brasilien aufgewachsen, hast auch italienische Wurzeln, hast in England und USA wichtige Etappen deines Lebens verbracht und lebst heute in der Schweiz.&nbsp;Bei deiner Vorstellung sagtest du: \u201eIch bin \u00fcberall daheim.\u201c Was meinst du damit und was bedeutet dir deine \u201egeburtliche\u201c Heimat? KOHO: Die Bev\u00f6lkerung von Brasilien ist gemischt. 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