{"id":743,"date":"2019-11-01T22:00:39","date_gmt":"2019-11-01T21:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=743"},"modified":"2020-05-05T13:04:53","modified_gmt":"2020-05-05T11:04:53","slug":"hoffe-ich-auf-ein-wunder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2019\/11\/01\/hoffe-ich-auf-ein-wunder\/","title":{"rendered":"Hoffe ich auf ein Wunder?"},"content":{"rendered":"<p><em>Beatrix Jessberger<\/em><br \/>\n<em>* 22.03.1952, \u2020 06.05.2019<\/em><\/p>\n<h2>Spiritueller Impuls von Beatrix Jessberger<\/h2>\n<p><strong>Beatrix Jessberger hielt den folgenden Beitrag als Spirituellen Impuls auf der Gemeinschaftsversammlung des Katharina-Werks, dessen Mitglied sie war, am 26. Januar 2019 in Rastatt. Sie reflektiert darin ihre Arbeit als reformierte Pfarrerin in der Schweiz und ihr Engagement in der Kirche in den letzten 30 Jahren. 2006 wurde sie von Pia Gyger zur Kontemplationslehrerin der via integralis ernannt. Angesichts der aktuellen Lage der christlichen Kirchen in Europa spricht die Autorin mit ihrer Fragen vielen von uns aus dem Herzen. Sie verstarb am 6. Mai 2019. Wir brachten im Newsletter 7\/2019 einen Nachruf auf ihr Engagement und ihr Wirken.<\/strong><\/p>\n<p>Drei\u00dfig Jahre habe ich als reformierte Pfarrerin in verschiedenen Kirchgemeinden in Berlin und im Appenzeller Land gearbeitet. Seit dem 1. November 2018 bin ich pensioniert. In diesen vergangenen drei\u00dfig Jahren ist unglaublich viel passiert. Ich habe die Kirche in ihren schlimmsten Auspr\u00e4gungen erlebt, aber ich habe sie auch von ihrer besten Seite her kennengelernt. Als ich in den 80-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts studiert habe, war ein Aufbruch in den Kirchen sp\u00fcrbar. Feministische Theologie, Befreiungstheologien, politische Theologie, Kirchenbesetzungen, der j\u00fcdisch-christliche Dialog, die Begeisterung f\u00fcr indische Gurus spielten eine gro\u00dfe Rolle. F\u00fcr mich war es ein unglaubliches Ereignis, als Frau ordiniert zu werden und eigenst\u00e4ndig die Tradition vermitteln und deuten zu k\u00f6nnen. Allerdings erlebte ich damals eine spirituelle Krise, weil meine mystische Seele in der reformierten Kirche nicht gen\u00fcgend Nahrung erhielt. Die Krise f\u00fchrte mich zur Zen-Meditation und ins Katharina-Werk. Pia Gyger spielte f\u00fcr mich eine wichtige Rolle als Zenmeisterin, aber auch als theologische Lehrerin. Neben Abraham Heschel war sie diejenige, die mein Herz f\u00fcr die Glaubensgeheimnisse \u00f6ffnete. Das Katharina-Werk unterst\u00fctzte mich darin, meine Pers\u00f6nlichkeit zu schulen und meine Schattenthemen zu bearbeiten. In der Ausbildungsgruppe, in der Basisgruppe und innerhalb von Exerzitien habe ich mich mit den Themen Macht, Sexualit\u00e4t, Besitz und Wesensgehorsam auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>In den 80-iger und 90-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war ich nicht die einzige in unserer Gemeinschaft, die glaubte, dass wir Kirche ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Wir waren viele. Die kathartische Spiritualit\u00e4t floss in meine T\u00e4tigkeit als Gemeindepfarrerin in Rehetobel ein. Dort lernte ich Kirche als den Ort kennen, der Menschen verbindet. Ich verstand meine Arbeit in erster Linie als Beziehungsarbeit. Es gab besondere Momente und Zeiten in meiner Pfarrt\u00e4tigkeit. Ich denke an den \u00f6kumenischen Appenzeller Kirchentag, den ich 2013 in Rehetobel ausrichten konnte. Unvergesslich sind auch die Gottesdienste mit Tibeterinnen und Tibetern, interreligi\u00f6se Veranstaltungen, Konfirmationsreisen nach Berlin, Familiengottesdienste mit Tieren oder Abdankungen, bei denen die spirituelle Kraft einer Gemeinschaft erfahrbar waren und die vielen Konzerte in der Kirche. \u00d6kumene war selbstverst\u00e4ndlich, auch im Bereich des Religionsunterrichts. \u00dcber die Jahre wuchs ein stabiles Vertrauensverh\u00e4ltnis im Dorf. Die positive Erfahrung, die die Menschen im Dorf mit \u201eihrer Pfarrerin\u201c machten, hatte allerdings keinen Einfluss auf ihre Haltung der Institution Kirche gegen\u00fcber. Dieses Ph\u00e4nomen teilten wir Pfarrerinnen und Pfarrer im ganzen Appenzeller Land. Egal wie positiv unsere interreligi\u00f6sen Veranstaltungen, unser lebendiges Kulturangebot, unsere Zusammenarbeit, unsere Seelsorge, unsere sorgf\u00e4ltigen Predigten, unsere engagierte Konfirmationsarbeit aufgenommen wurden, die Kirche als Institution fristete unver\u00e4ndert ein Nischendasein in den D\u00f6rfern. Ich w\u00fcrde sogar noch weitergehen und sagen, dass ich als Vertreterin der Institution auch dem\u00fctigende Momente erlebt habe, bis hin zu Mobbing. Im Pfarrkonvent war das Thema der Marginalisierung tabu, weil es ja die Daseinsberechtigung von uns Pfarrerinnen und Pfarrern betraf. Eine Kollegin schrieb sogar einen Artikel dar\u00fcber, wie sch\u00f6n die Leere in den Gottesdiensten sei. Obwohl in Rehetobel relativ wenige Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, verglichen mit anderen Appenzeller Kirchgemeinden, fragte ich mich, bin ich vor allem Sterbebegleiterin der Kirche?<\/p>\n<h3>Zur Situation der Kirchen heute<\/h3>\n<p>Niemandem von euch muss ich erz\u00e4hlen, welch unverzeihliche Schuld die Kirchen auf sich geladen haben, der sexuelle Missbrauch von Kindern, die Diskriminierung von Frauen, offener oder versteckter Antisemitismus, Langeweile und Verkn\u00f6cherung. Wenn Glaube durch Bekenntnisformeln ersetzt wird, ritueller Vollzug an die Stelle von Anbetung tritt und Gewohnheit an die Stelle von Liebe, dann hat die Botschaft allen Sinn verloren (Abraham Heschel). Aber die Schw\u00e4che der Kirchen hat auch mit uns zu tun. Je liberaler wir wurden, umso r\u00fcckst\u00e4ndiger erschien und erscheint uns die Kirche. Das hat etwas mit dem Zeitgeist zu tun, in dem wir leben, mit dem Geist der Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Dan Diner, ein Historiker und politischer Schriftsteller, macht deutlich, dass es in Europa zwei Formern der Aufkl\u00e4rung gab, uns aber nur die eine bewusst ist:<\/p>\n<p>1. Auf der einen Seite die franz\u00f6sische Aufkl\u00e4rung, in deren Einflussbereich wir in der Schweiz und in Deutschland stehen. Sie war von Anfang an antiklerikal und antimonarchistisch.<\/p>\n<p>2. Die schottische, in deren Einflussbereich England und die USA stehen. Sie hat Kirche, Religion und Monarchie nicht bek\u00e4mpft, sondern sie als notwendig erachtet f\u00fcr eine ethisch verantwortete Politik im Staat.<\/p>\n<p>Wer genauer hinschaut, dem ist allerdings auch bewusst, dass der heutige Niedergang der Kirchen einhergeht mit der Krise der Geisteswissenschaften, des Journalismus, der politischen Kultur und vielem mehr. Mathematik und Physik sind heute dominierende Wissenschaften. Der Neoliberalismus dominiert als Ideologie unser Wirtschaftsdenken. Unsere Kultur leidet an einer Form von Autoimmunerkrankung. Wir brauchen keinen Feind im Au\u00dfen, kein Verbot von Religionen wie im Kommunismus. Wir zerst\u00f6ren unsere Kultur von innen her. Doch was sind genau die selbstzerst\u00f6rerischen Elemente in der Kirche wie in der Gesellschaft? K\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt noch heilsame Strategien entwickeln oder ist es bereits zu sp\u00e4t? Wo verorten wir uns selbst in dieser krisenhaften Situation?<\/p>\n<h3>Eine Institution mit vielen Gesichtern<\/h3>\n<p>Es gibt eine Geschichte vom Baal Schem Tow, dem Begr\u00fcnder des Chassidismus, die ein Schlaglicht auf jede Form von Institution wirft. Sie l\u00e4sst sich wunderbar auch auf Kirche und das Katharina\u00ad Werk \u00fcbertragen. Der j\u00fcdische Mystiker Friedrich Weinreb erz\u00e4hlt sie:<\/p>\n<p><em>Durch seine gro\u00dfe Sehnsucht und Hingabe kam der Baal Schem Gott immer n\u00e4her. Da wuchs beim Satan eine aufw\u00fchlende Unruhe. Als Herr der Trennungen f\u00fchlte er Angst, seine Existenz sei in Gefahr.<br \/>\nEr sann dar\u00fcber nach, wie er diesen einsam im Walde lebenden, schlichten, Gott inbr\u00fcnstig liebenden Menschen von seinem Weg abbringen k\u00f6nnte. Aber der Baal Schem Tow liebte Gott mit einer solchen Hingabe, mit ganzem Herzen und all seinem Verm\u00f6gen, so dass das Reich der Trennung zu Ende ging.<br \/>\nSatan ist voller Angst. Er begibt sich zu Gott und fordert von ihm sein Recht, die Welt der Trennungen behaupten und den Kampf mit dem Baal Schem Tow aufnehmen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nGott in seiner unendlichen G\u00fcte erlaubt dem Satan, auf Erden den Kampf mit dem Baal Schem Tow aufzu\u00adnehmen, der im Wald, im Verborgenen lebt.<br \/>\nDer Satan sucht also den Einen und stellt sich ihm als Legion entgegen.<br \/>\nDer Kampf ist z\u00e4h.<br \/>\nDie Engel im Himmel sehen, wie die Gedanken des Baal Schem Tow Verbreitung finden.<br \/>\nSeine Sch\u00fcler und Anh\u00e4nger werden immer zahlreicher. Menschen ziehen durch die Lande und erz\u00e4hlen von ihrem wunderbaren Meister. Es entstehen viele Lehrh\u00e4user, man \u00fcbt den Weg, so wie der Meister ihn seine Sch\u00fclerinnen lehrte.<br \/>\nSatans Absicht scheint gescheitert. Eine neue Bewegung greift weiter um sich. Widersacher, welche der Be\u00adwegung Einhalt gebieten wollen, welche sie als Abfall, ja, als G\u00f6tzendienst anprangern, werden von der Bewegung hinweggeschwemmt.<br \/>\nDas Innige, das Gef\u00fchlsbetonte besiegt die trockenen Rationalisten. Jedermann kann sich an dieser Begeisterung selbst entz\u00fcnden.<br \/>\nDie Anh\u00e4nger z\u00e4hlen Tausende, Zehntausende, Hunderttausende und mehr.<br \/>\nGro\u00dfe M\u00e4nner und Frauen werden erweckt. Ihre Namen tragen den Klang wie Helden aus alten Sagen. Man erkennt sie als gro\u00dfe Meisterinnen und Meister.<br \/>\nUm sie entwickeln sich wiederum Schulen, es entstehen Dynastien.<br \/>\nNur wenige Jahrzehnte hatte es gebraucht.<br \/>\nDer Baal Schem hatte gesiegt, trotz Satans Eingreifen. Die Bewegung erhielt den Namen Chassidismus, das hei\u00dft, die G\u00fctigen, die Sanften, die Frommen, die Gottergebenen.<br \/>\nAlles scheint klar.<br \/>\nDoch da steigt der Satan wieder in den Himmel hinauf, und er tr\u00e4gt ganz und gar nicht die Miene eines Geschlagenen zur Schau. Im Gegenteil. Er l\u00e4chelt vergn\u00fcgt, zufrieden reibt er sich die H\u00e4nde. Man ist erstaunt und ver\u00e4rgert zugleich.<br \/>\n\u201eEs gibt doch f\u00fcr dich nichts zu lachen, Satan. Du hast doch eine unmissverst\u00e4ndliche Niederlage errungen!\u201c<br \/>\n,.Aber nein. Ganz und gar nicht\u201c, erwidert Satan: \u201eschaut, solange dieser Mensch allein war, bestand f\u00fcr die Welt eine gro\u00dfe Gefahr. Meine Art, dieser Gefahr zu wehren, besteht darin, ihre Einsamkeit zu brechen, ihnen Anh\u00e4nger zu verschaffen, neue Meister; ganze Orden von Meistem und Sch\u00fclern, Gemeinschaften und Gruppen, unter denen die Eifersucht w\u00e4chst, \u00fcble Nachrede gedeiht, Stolz mitbestimmt, einer mehr sein will als der andere, kurz, wo eine Hierarchie erw\u00e4chst. Und nun schaut: Habe ich das nicht erreicht? Seht nur, wie es wimmelt, wie es tost, seht das Gedr\u00e4nge nach Ehre. Jetzt ist meine Arbeit zu Ende. Ich habe die Saat der Vielheit gestreut. Sie geht jetzt auf. Nur der Einsame tr\u00e4gt Gottes Antlitz, die Vielen aber; sehen sie mir nicht ganz \u00e4hnlich?<br \/>\nSo sprach der Satan und die Bewohner des Himmels schwiegen besch\u00e4mt.<\/em><\/p>\n<p>Jede Institution muss sich ihrem Schatten stellen. Auch die Kirche. Sie hat dies jahrelang vers\u00e4umt. Nur der Satan hat keinen Schatten, hei\u00dft es.<br \/>\nSowohl individuell als auch als Mitglied im Katharina-Werk wissen wir, wie schwer Schattenarbeit ist. Aktuell beobachten wir in den Kirchen, dass die vers\u00e4umte Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt, Patriarchat und der Vertrauensmissbrauch wie ein Bumerang zur\u00fcckschlagen. Das betrifft nicht nur die katholische, sondern genauso die evangelische Kirche. Ich habe dazu einschl\u00e4gige Erfahrungen in Berlin gesammelt.<\/p>\n<p>Vers\u00e4umnis \u00fcber Vers\u00e4umnis t\u00fcrmten sich \u00fcber den Kirchen auf. Frauen und verheiratete M\u00e4nner k\u00f6nnen immer noch nicht ihre priesterliche Berufung in der katholischen Kirche leben. Muss diese Kirche erst sterben, damit etwas Neues geboren werden kann? Ehrlich gesagt, f\u00fchle ich mich innerlich zerrissen. Auf der einen Seite wei\u00df ich um all die Vers\u00e4umnisse, all die M\u00e4ngel, all die Defizite der Kirche. Auf der anderen Seite f\u00fchle ich mich von \u201eKirche\u201c so reich beschenkt.<\/p>\n<p>Wer w\u00e4re ich, wenn mir Menschen nicht geholfen h\u00e4tten, einen Weg der Selbstfindung zu beschreiten? Selbstfindung ist Gottesfindung. Und wer w\u00e4re ich, wenn ich Abraham Heschel nicht kennengelernt h\u00e4tte, der sagt:<\/p>\n<p><em>Die Welt w\u00e4re die H\u00f6lle ohne einen Gott, dem an ihr liegt. In der Welt gibt es kein Echo f\u00fcr die Qual und den Aufschrei der Menschheit. Nur Gott h\u00f6rt. Man bedenke das Missverh\u00e4ltnis von Elend und Mitleid Der Mensch versagt in besonderer Weise durch seine Gef\u00fchllosigkeit \u2026 Wenn nicht die Gewissheit w\u00e4re, dass Gott unser Schreien h\u00f6rt, wer k\u00f6nnte so viel Elend, so viel Gef\u00fchlsk\u00e4lte ertragen?<\/em><\/p>\n<p>Wer w\u00e4re ich ohne die Bildsprache der Biblischen B\u00fccher? Wie k\u00f6nnte ich mich in unserer Kultur zurechtfinden? W\u00fcrde ich die Sprachbilder von Martin Luther King verstehen, die er der Exodusgeschichte entlehnt hat und mit denen er die B\u00fcrgerrechtsbewegung in den USA angef\u00fchrt hat? Seit meiner Kindheit sind Kirchen Schutz- und Gebetsr\u00e4ume f\u00fcr mich. Schon die Architektur einer Kirche erz\u00e4hlt mir von der Verbindung von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Sind nicht die Kathedralen von Chartres oder von St. Gallen, sind die kleinen, schlichten B\u00fcndner Kirchen oder die romanischen Kirchen in Burgund nicht steinerne Zeugen eines tiefen Glaubens? Sind unsere Kirchen nicht Seelenr\u00e4ume, die unsere Vorfahren geschaffen haben, um uns \u00c4sthetik, Gemeinschaft, Ausrichtung, Dankbarkeit und Heilung zu schenken? Gebet und Meditation verdichten meine Seele. Ich liebe es, in den schweigsamen Kirchen zu sitzen. Und wenn sich in Gottesdiensten und Abdankungen ein spirituelles Feld unter den vielen Menschen aufbaut, dann ruhen meine Seele und mein wacher Verstand stille in Gott. In meiner Untr\u00f6stlichkeit \u00fcber den Verlust unserer Kultur f\u00fchle ich mich manchmal wie Kassandra, die schreit:<\/p>\n<p><em>Seht ihr nicht hin, erkennt ihr nicht, dass nicht nur Pflanzen aussterben und Tierarten bedroht sind, sondern auch unsere christliche Tradition hier in Europa?<\/em><\/p>\n<p>Braucht Gottes Geist nicht einen K\u00f6rper? Um Wein trinken zu k\u00f6nnen, brauchen wir einen Kelch. Um zu leben, braucht unsere Seele einen Leib. Immer ist das Gef\u00e4\u00df zu klein f\u00fcr den Inhalt. Immer ist das Gef\u00e4\u00df zu eng, um das Licht fassen zu k\u00f6nnen. Immer ist das Gef\u00e4\u00df zu fragil, um den St\u00fcrmen der Zeit stand zuhalten. Und dennoch, um den Glauben zu leben, so meine ich, brauchen wir Kirchen. Sie haben die Aufgabe, die Gesellschaft zu beseelen.<\/p>\n<p>Wo gibt es Orte, an denen wir die Zeit heiligen? Kirchen und Synagogen haben Heimatorte der Zeit geschaffen, herausgehobene Zeiten, den Shabbat, den Sonntag. Was machen Fl\u00fcchtlinge als erstes, wenn sie den Raum, die Heimat verloren haben? Sie bauen Gottesdienstr\u00e4ume, um ihre Kultur zu bewahren, um Gemeinschaft zu pflegen und um eine Heimat in der Zeit zu finden. Zu welchen Schrecken, welcher Trostlosigkeit, welcher Leere haben alle Versuche gef\u00fchrt, die Macht der Riten und Feste zu leugnen, sie zu unterdr\u00fccken und auszul\u00f6schen? Wenn die biblischen Geschichten nicht mehr erz\u00e4hlt werden, dann sterben das Judentum und das Christentum. Ich bin so reich beschenkt worden, gerne m\u00f6chte ich das mir Geschenkte an die n\u00e4chsten Generationen weitergeben. Aber was, wenn sich niemand mehr daf\u00fcr interessiert? Und dann h\u00f6re ich in mir die Arie Nr. 26 aus dem Oratorium von Felix Mendelssohn:<\/p>\n<p><em>Es ist genug! So nimm nun, Herr, meine Seele!<br \/>\nIch bin nicht besser denn meine V\u00e4ter. Ich begehre nicht mehr zu leben, denn meine Tage sind vergeblich gewesen.<br \/>\nIch habe geeifert um den Herrn, um den Gott Zebaoth\u2026<\/em><\/p>\n<p>Ich wei\u00df, mein kausales Denken hilft mir nicht weiter. Hoffe ich auf ein Wunder? Jedenfalls hoffe ich auf unseren Austausch an diesem Wochenende.<\/p>\n<p><strong>Beatrix Je\u00dfberger, Rastatt\/D, 26. Januar 2019<\/strong><\/p>\n<p>\u2013<br \/>\n<strong>\u00b9<\/strong>\u00a0<em>Der folgende Beitrag beruht auf dem Manuskript eines Vortrags, den Beatrix Jessbeatrix auf der Gemeinschaftsversammlung des Katharina-Werks am 26. Januar 2019 in Rastatt gehalten hat.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beatrix Jessberger * 22.03.1952, \u2020 06.05.2019 Spiritueller Impuls von Beatrix Jessberger Beatrix Jessberger hielt den folgenden Beitrag als Spirituellen Impuls auf der Gemeinschaftsversammlung des Katharina-Werks, dessen Mitglied sie war, am 26. Januar 2019 in Rastatt. 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