{"id":748,"date":"2019-11-01T22:32:52","date_gmt":"2019-11-01T21:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=748"},"modified":"2020-05-17T02:31:06","modified_gmt":"2020-05-17T00:31:06","slug":"hugo-e-lassalle-mein-weg-zum-zen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2019\/11\/01\/hugo-e-lassalle-mein-weg-zum-zen\/","title":{"rendered":"Hugo E. Lassalle, Mein Weg zum Zen."},"content":{"rendered":"<p>Lassalle (1898-1990) wurde in Deutschland in eine franz\u00f6sisch-protestantische Familie hineingeboren und trat mit 20 Jahren den Jesuiten bei. Er studierte Philosophie und Theologie, wurde zum Priester geweiht und hatte den Wunsch, im Rahmen der Afrikamission seines Ordens, auf einer Leprastation zu arbeiten. Die Oberen sandten ihn jedoch 1929 nach Japan. Aufgenommen wurde er an der Hochschule der Jesuiten in Tokio \u2013\u00a0<em>Universitas Sedis Sapientiae<\/em>\u00a0\u2013 sp\u00e4ter Sophia-University genannt. Diese katholische Universit\u00e4t (<em>Joshi Daigaku<\/em>) war 1913 gegr\u00fcndet worden und z\u00e4hlt heute ca. 1`500 Dozenten und 12`000 Studenten f\u00fcr Bachelor, Master und Ph.D. Lassalle unterrichtete Deutsch, sp\u00e4ter an der Universit\u00e4t von Hiroshima auch Religionswissenschaften.<\/p>\n<p>Buddhismus und Shintoismus hatten in dieser Zeit schon an Durchsetzungskraft und Glaubw\u00fcrdigkeit verloren und die Kriegsjahre sowie Erdbeben, Armut und allgemeine Orientierungslosigkeit den Boden f\u00fcr die christliche Missionst\u00e4tigkeit bereitet.<\/p>\n<p>Lassalle wollte in den Slums von Tokio wohnen und begann den Aufbau einer sozialen Einrichtung mit einem Kinderheim, einer Bibliothek, einem kleinen Operationssaal, einem Krankenzimmer und Unterrichtszimmern. Und er hatte die Idee, den Studenten der Sophia Universit\u00e4t in dem nach amerikanischem Muster genannten \u201e<em>Settlement<\/em>\u201c (hier\u00a0<em>Joshi Settlement<\/em>) \u201e<em>die M\u00f6glichkeit zu sozial-karitativer Bet\u00e4tigung\u201c\u00a0<\/em>zu geben. Es wurden Filme organisiert und Ausfl\u00fcge f\u00fcr Kinder, und selbstverst\u00e4ndlich fanden dort sonntags Gottesdienste statt. Der Katechismus galt als Grundlagenbuch und dessen Verst\u00e4ndnis war Voraussetzung, um die Taufe empfangen zu k\u00f6nnen. Es gab damals schon einige katholische Familien, die aber wegen Priestermangels kaum Gelegenheit hatten, eine Messe zu besuchen. \u2013 Alles hat also mit Sozialarbeit im engeren Sinn begonnen, gespiesen aus dem Geist christlicher N\u00e4chstenliebe!<\/p>\n<p>Lassalle zeigte sich schon hier als guter Networker, spannte mit einer japanischen Schwesternkongregation zusammen und veranlasste Coiffeure zum Gratisdienst an den Kindern. Eine Forschungsabteilung f\u00fcr das Studium der Gesellschaft, insbesondere der Situation der Armen, lag ihm am Herzen. Dort empfingen Benachteiligte auch unentgeltliche Rechtsberatung. Um die Mentalit\u00e4t der Japaner besser kennenzulernen begann sich Lassalle intensiv mit Zen zu befassen, gem\u00e4ss ihm\u00a0<em>\u201eeine wesentliche Vorbedingung f\u00fcr eine fruchtbare T\u00e4tigkeit\u201c<\/em>. Ein Professor an der Universit\u00e4t von Hiroshima soll ihm gesagt haben:\u00a0<em>\u201ePater, wenn Sie wissen wollen, was Zen ist, dann m\u00fcssen Sie in den Zen-Tempel gehen und m\u00fcssen dort Zen \u00fcben, sonst k\u00f6nnen Sie das nie wissen.\u201c<\/em>\u00a0Und das war f\u00fcr den intellektuellen Jesuiten eine grosse psycho-physische Herausforderung!<\/p>\n<p>Es folgten Jahre langen Uebens bei verschiedenen Zen-Meistern, immer auf der Suche nach mehr Verst\u00e4ndnis, immer im Dialog und Ringen um das Wesen des Zen \u2013 und immer, gem\u00e4ss seinen Notizen und den Angaben Aussenstehender \u2013 in grossem gegenseitigem Respekt zwischen Sch\u00fcler und Meister. Er selber begann, noch bevor er offiziell als Zenlehrer anerkannt worden war, Sesshins durchzuf\u00fchren, \u00fcber mehrere Tage dauernde\u00a0<em>\u201eZen-Exerzitien\u201c<\/em>\u00a0\u2013 das der Ausdruck, den er daf\u00fcr w\u00e4hlte. Die t\u00e4gliche Eucharistiefeier fr\u00fch morgens geh\u00f6rte dazu \u2013 als freiwilliges Angebot. Wer es vorzog, durfte sich in dieser Zeit auch in der Zen-Halle aufhalten.<\/p>\n<p>Seine Karriere liess ihn Superior der Jesuiten-Mission in Japan werden und Novizenmeister des Ordens. Am 6. August 1945 geschah, was Lassalle \u201esein schreckliches Erlebnis\u201c nennt: Er erlebte um 08.15 Uhr aus n\u00e4chster N\u00e4he den Abwurf der Atombombe \u2013 in seinen Aufzeichnungen schildert er die Lage plastisch und detailliert und seinem Charakter entsprechend \u00e4usserst n\u00fcchtern, \u2013 und er wurde verletzt beim Einsturz seines Hauses. An Stelle der zerst\u00f6rten Kapelle beschloss er schon bald, eine Kirche zu bauen. 1950 erfolgte die Grundsteinlegung f\u00fcr die Weltfriedenskirche in Hiroshima \u2013 ein architektonisches und spirituelles Mahnmal gegen Krieg und Atomwaffen \u2013 einem von vielen europ\u00e4ischen Kirchen finanziell mitgetragenem Projekt nach dem zweiten Weltkrieg, das vorab Lassalles Vortrags- und Werbereisen zu verdanken ist. 1948 erwarb er die japanische Staatsb\u00fcrgerschaft und nahm die Zusatzbezeichnungen\u00a0<em>\u201eMakibi\u201c<\/em>\u00a0und\u00a0<em>\u201eEnomya\u201c<\/em>\u00a0an \u2013 zwei f\u00fcr Japaner bedeutungsvolle Namen, die er zwischen seinen eigenen Vornamen Hugo und seinen Nachnamen Lassalle setzte. 1969 weihte der Erzbischof von Tokio das Zenzentrum\u00a0<em>Shinmeikutsu<\/em>\u00a0<em>\u201eH\u00f6hle des g\u00f6ttlichen Dunkels<\/em>\u201c ein. Es ist das erste christliche Zen-Meditationszentrum in Japan. Gelegen in der bewaldeten Umgebung Tokios, fernab der Grossstadt, gelangt man auf einem steinig abw\u00e4rtsf\u00fchrenden Pfad an den Ort etwas oberhalb des Gebirgsflusses Akikawa. 1978 erfolgte die offizielle Anerkennung als Zen-Lehrer durch Yamada Koun Roshi in Kamakura. Von 1981 -1988 f\u00fchrte Lassalle j\u00e4hrlich regelm\u00e4ssig zwischen 28 und 33 Zen-Sesshins in Europa und Asien durch, neben Vortragsreisen und der Teilnahme an Konferenzen. Dem rationalen Jesuitengeist entsprechend hatte er schon genaue Aufzeichnungen dar\u00fcber gef\u00fchrt, wie viele Kinder und Familien im\u00a0<em>Settlement<\/em>\u00a0betreut oder Menschen getauft worden waren und beschrieb auch sp\u00e4ter im Detail, wie viele Sesshins mit wieviel Teilnehmern welcher L\u00e4nder, Religions- und Berufszugeh\u00f6rigkeiten stattgefunden hatten.<\/p>\n<p>Er bem\u00fchte sich, die Parallelen zwischen den Erfahrungen der Zen-Meditation und der mystischen Seite der christlichen Tradition aufzuzeigen:\u00a0<em>\u201eDas Wesen, das Tiefste im Glauben, ist nicht der Kopf. Das ist der Grund, der Seelengrund wie die Mystiker sagen. Und da ist Zen ein Weg, da hinzuf\u00fchren in diesen letzten Grund.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das vorliegende Buch ist in der Ich-Form geschrieben, was seinen Tagebuchcharakter unterstreicht. Erg\u00e4nzt werden die Aufzeichnungen durch Dokumente und viele Schwarz-Weiss-Bilder, die anschauliche Zeugen der Zeit, des Ortes und der damit verbundenen Geschichte sind.<\/p>\n<p>Der anfangs weitgehend missionarische Charakter seines Einsatzes wird mehr und mehr durchtr\u00e4nkt von Kreativit\u00e4t und vernetzendem Tun, und ohne seine eigentliche Sendung je zu verleugnen \u2013 er findet den Begriff\u00a0<em>\u201eZen-Seelsorge\u201c<\/em>\u00a0\u2013 und weiterhin auch aufbauend auf dem weltweit bestehenden Netz des Jesuiten-Ordens \u2013 l\u00e4sst er sich belehren, \u00f6ffnet sich f\u00fcr die praktischen Erfahrungen des stundenlangen Sitzens \u2013 und tr\u00e4gt die Fr\u00fcchte seiner Auseinandersetzung mit der japanischen Kultur und der Zen-Schulung nach Europa. Lassalle ist einer unter mehreren, die Zen im Westen bekannt gemacht und gef\u00f6rdert haben.<\/p>\n<p>Am Schluss kommen einige Weggef\u00e4hrten Lassalles zu Wort, in ihrer eigenen Funktion und in der Bedeutung, die Pater Lassalle f\u00fcr sie hatte, so auch Niklaus Brantschen , der seine abschliessende spirituelle Ausbildung eines Jesuiten bei Lassalle im \u201eshinmeikutsu\u201c absolvierte und von diesem aber f\u00fcr eine intensive Zen-Schulung an Yamada Roshi verwiesen wurde. Bei Yamada Roshi \u00fcbten beide, Niklaus Brantschen und Pia Gyger, die Gr\u00fcnder der via integralis, insgesamt \u00fcber Monate.<\/p>\n<p><em>\u201eZitate\u201c<\/em>\u00a0sind dem vorliegenden Buch entnommen oder der Radiosendung auf SWR2: Glauben, Ringen um ein neues Bewusstsein. Der Jesuit und Zen-Meister Hugo Makibi Enomiya-Lassalle von Corinna M\u00fchlstedt, Sendung 10.02.2019.<\/p>\n<p>ISBN 978-3-466-37220-1 2018 K\u00f6sel-Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Regina Gr\u00fcnholz, November 2019<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lassalle (1898-1990) wurde in Deutschland in eine franz\u00f6sisch-protestantische Familie hineingeboren und trat mit 20 Jahren den Jesuiten bei. Er studierte Philosophie und Theologie, wurde zum Priester geweiht und hatte den Wunsch, im Rahmen der Afrikamission seines Ordens, auf einer Leprastation zu arbeiten. Die Oberen sandten ihn jedoch 1929 nach Japan. Aufgenommen wurde er an der&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2019\/11\/01\/hugo-e-lassalle-mein-weg-zum-zen\/\" rel=\"bookmark\">Read More &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Hugo E. 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