{"id":8149,"date":"2023-12-01T00:40:00","date_gmt":"2023-11-30T23:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=8149"},"modified":"2023-12-05T11:48:43","modified_gmt":"2023-12-05T10:48:43","slug":"vi-lehrgangsabsolventinnen-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2023\/12\/01\/vi-lehrgangsabsolventinnen-im-interview\/","title":{"rendered":"vi Lehrgangsabsolvent:innen im Interview"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Vor wenigen Tagen wurde der f\u00fcnfte Lehrgang \u00abKontemplationslehrerin \/ Kontemplationslehrer via integralis\u00bb in Wislikofen feierlich abgeschlossen. W\u00e4hrend ihrem letzten Ausbildungswochenende Ende September wurden Teilnehmende des Lehrgangs von J\u00fcrgen Lembke zu einem Interview eingeladen. Am Gespr\u00e4ch waren beteiligt (in Reihenfolge der 1. Wortmeldung): Roland Frick (Liechtenstein), Stephanie Hahn (Deutschland), Ursula Klumpp (Schweiz), Urs Zangger (Schweiz). Die Reihenfolge im Beitragsbild entspricht von rechts nach links.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcrgen Lembke (JL): Der Lehrgang \u00abvia integralis Kontemplationslehrerin \/ Kontemplationslehrer\u00bb wird im November 2023 abgeschlossen. Wie habt ihr diesen Lehrgang erlebt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Roland Frick (RF): Von meiner Seite kann ich sagen, das Wesentliche an dem Lehrgang waren die einzelnen Begegnungen mit euch, also mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, und auch r\u00fcckblickend, wie wir vor drei Jahren miteinander unterwegs waren, wie wir miteinander gesprochen haben, das ist jetzt ganz anders. Jetzt ist es irgendwie durchl\u00e4ssig, das ist das Pr\u00e4gende f\u00fcr mich. Nicht einmal das neue Wissen, das wir mitbekommen haben, das ist gar nicht so wichtig, aber die Resonanz, die \u00dcbereinstimmung. Zu sp\u00fcren, wir sind Menschen, wir interagieren, und da ist kein Unterschied. Die Unterschiede haben sich vom Empfinden her aufgel\u00f6st. Ich glaube, das ist das Wesentliche f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stephanie Hahn (SH): F\u00fcr mich war es die grosse Ber\u00fchrbarkeit, die bei allen sp\u00fcrbar war, und die ich von Beginn an als das Besondere dieser Gemeinschaft erachtete. Das zeigte sich im Laufe der Zeit durch die Art, wie wir miteinander umgegangen sind, aber auch wie wir miteinander gesprochen haben. In den Kleingruppen ist so viel m\u00f6glich gewesen, wie ich es noch nie erlebt habe in Gruppen. Ich glaube auch, dass das eine Vision f\u00fcr ein Miteinander sein kann, wenn man es wagt, wirklich von sich zu erz\u00e4hlen und dabei ber\u00fchrbar ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ursula Klumpp (UK): F\u00fcr mich waren die Vortr\u00e4ge zu den Themen christliche Mystik und Zen Meditation essenziell. Ebenso das Verh\u00e4ltnis oder die Beziehung zwischen Lehrer:innen und Sch\u00fcler:innen und wie diese gestaltet werden kann. Es waren nicht nur die Vortr\u00e4ge, sondern auch, wie wir in diese Themen eingebunden wurden und sie teilweise zusammen erarbeitet haben oder in den Lerngruppen vertiefen konnten. Das fand ich f\u00fcr mich ungeheuer bereichernd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urs Zangger (UZ): In Erg\u00e4nzung zu dem, was bereits gesagt worden ist &#8211; Wir sind noch durch Corona gepr\u00e4gt mit Zoom-Zuschaltungen gestartet. Ich habe euch \u00fcber diese kleinen Fensterchen kennengelernt. Es hat sich dann so viel entwickelt, gerade dadurch, dass diese verschiedenen Termin-Inseln Begegnungsinseln waren und die Einstiegsrunde jeweils mit Fragen: \u00abWo stehe ich? Was habe ich erlebt?\u00bb begannen. Da ist so viel Pers\u00f6nliches mitgekommen. Da haben Krankheiten, Verluste, Abschiede, Lebensumbr\u00fcche hineingespielt und andere, bei denen es ganz rund lief. Auch das darf dazugeh\u00f6ren und zu sp\u00fcren, das ist das Leben, mit dem sind wir da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(SH): Weiter erg\u00e4nzend &#8211; Es tr\u00e4gt ja das Ritual, und mal tragen wir es so, und ich habe die Gruppe genauso empfunden. Wir waren Teil der Gruppe und haben den Rahmen so gebildet, und gleichzeitig hat die Gruppe uns in dem Moment, wo wir im inneren Prozess waren oder etwas erlebt haben, getragen auf die Reise. Grossartig! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(RF): Noch ein Aspekt von meiner Seite \u2013 Ich habe aus meiner Zen-Perspektive viele Irritationen gesetzt, wor\u00fcber ich mir sehr bewusst bin. Aber ich glaube, dass durch diese Reibung vieles m\u00f6glich wurde, das sonst nicht hervorgekommen w\u00e4re. Dadurch habe ich die Menschen anders, viel direkter, tiefer kennenlernen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UZ): Das finde ich eben gerade spannend, und es ist als Thema heute wieder aufgeflackert &#8211; in welchem Verh\u00e4ltnis steht Zen zu Mystik und Mystik zu Zen. Das finde ich enorm spannend, und da sp\u00fcre ich die via integralis suchend, interessiert, offen. Ich bin sehr froh gewesen, und habe mir das auch versprochen, im Lehrgang auf Personen zu treffen, die vom Zen herkommen, weil mich diese Seite sehr interessiert. Meine Seite kenne ich zu guten Teilen ja schon. Dass die Begegnung in Bewegung sein kann, aber bewusst diese Begegnung gesucht wird, das ist etwas, was ich als St\u00e4rke erlebt habe in diesen Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UK): Ich m\u00f6chte noch etwas anf\u00fcgen zu den Themen oder zu den beiden Seiten Zen und christliche Mystik &#8211; Das immer wieder Meditieren und hineingehen in die Stille, das war bedeutungsvoll, um etwas sich setzen zu lassen oder Fragen aufkommen zu lassen. Diese Mischung finde ich unwahrscheinlich wertvoll. Nicht nur Kopf, sondern auch der K\u00f6rper, der sitzt, oder der Geist. Keine Abspaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(JL): <strong>Welcher Mystiker, welche Mystikerin ist dir wichtig geworden in diesen drei Jahren?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(RF): F\u00fcr mich ganz klar Meister Eckhart, der ist, soweit ich das mitbekommen habe, den letzten Schritt auch gegangen, also \u00abGott hinter Gott\u00bb, und damit Loslassen von Gott. Loslassen von den Begrifflichkeiten, wirklich in die Leere zu gehen und alles hinter sich zu lassen. Vermutlich hat er daf\u00fcr mit seinem Leben bezahlt. Bei den anderen Mystiker:innen habe ich den letzten Schritt vermisst, aber ich kann es verstehen im Kontext der damaligen Zeit, mit den \u00c4ngsten um das eigne Leben (vor der Inquisition).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UK): Ich habe in diesem Kurs begonnen, mich vertieft mit Theresa von Avila auseinanderzusetzen, weil sie mich als Frau anspricht und einfach eine Sprache spricht, die mich anders erreicht. Ich bewundere sie, da sie als Kirchenlehrerin anerkannt wurde und als Heilige. Ich finde essenziell, dass sie in einem immensen Pensum die Gr\u00fcndung verschiedener Kl\u00f6ster, die Neuausrichtung des Karmel und die Zusammenarbeit mit Johannes vom Kreuz bew\u00e4ltigt hat. Das ist eine enorme Leistung, ein wertvoller Beitrag f\u00fcr unsere Tradition. Da habe ich einen grossen Respekt daf\u00fcr, und ich m\u00f6chte mich weiterhin mit ihr besch\u00e4ftigen und das Wissen oder die Erfahrung vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(SH): Ich hatte mich besonders mit Edith Stein besch\u00e4ftigt. Das hat mich eigentlich zuerst \u00fcberrascht. Sp\u00e4ter habe ich gemerkt, dass ich damit an alte Sachen aus meiner Jugendzeit angeschlossen habe, dass sie mir damals schon mal wichtig war, und dadurch ist ein ganz grosser Bogen entstanden, auf eine Weise, die mich sehr ber\u00fchrt hat, inklusive dass, als ich sie ausgew\u00e4hlt habe, das grosse Hochwasser an der Aar geschah, wo ich damals bei meiner Grosstante Edith Stein gelesen hatte. So traf ganz viel Inneres, Pers\u00f6nliches und Familiengeschichtliches, auch in der deutschen Geschichte, sich pl\u00f6tzlich in Edith Stein wieder und in dem, was ich erfahren hatte. Ich kannte damals Mystik nicht. Als Jugendliche hatte ich mich eher gerieben daran, am fast kindlich wirkenden Glauben. Und nun entdecke ich solche tiefen, mystischen Gedanken, die zwar kindlich fast wirken, aber gleichzeitig mit grossen Verstand ge\u00e4ussert. Von einer Frau, die ihren Weg konsequent ging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UZ): Ich bin nicht bei einem Mystiker, bei einer Mystikerin stehen geblieben, das m\u00f6chte ich auch nicht. Bei den Lieblingsmystikern habe ich Gerhard Tersteegen vorgestellt. Das war f\u00fcr mich so einer der ersten Mystiker. Ich komme aus dem reformiert gepr\u00e4gten Umfeld, und das ist dann so eine M\u00f6glichkeit, mit Gerhard Tersteegen ins Thema zu kommen. Der Mystiker, den ich gerne h\u00e4tte vorstellen wollen, war schon besetzt durch einen Kollegen, n\u00e4mlich Dag Hammarskj\u00f6ld. Hammarskj\u00f6ld ist f\u00fcr mich jemand, der mich beeindruckt wegen der Verbindung von sozialem und politischem Engagement vor dem Hintergrund eines Weges der Mystik &#8220;Hoffnungszeichen am Weg&#8221;. Ja, das ist das eine. Aber was ich toll finde, ist, es sind da verschiedene Gestalten auferstanden, der Strauss ist bunter geworden. Was mich sehr interessiert hat, ist ebenso auf der Zen Seite. Da sprechen wir dann nicht mehr von Mystiker. Bernie Glassman, eine Person, die ich gerne h\u00e4tte pers\u00f6nlich kennenlernen wollen, und die mich fasziniert und mir auch jetzt in der Lekt\u00fcre Impulse gegeben worden sind, die ich mitnehme auf meinen Weg, im Zusammenhang mit Zuflucht nehmen und Zeugnis Geben auch in einem mystischen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(JL): Danke auch f\u00fcr diese Blitzlichter. Bevor ich euch in die verdiente Abendbrot Pause entlasse, die abschliessende Frage: <strong>Was macht ihr mit dem Abschluss, mit diesem Ausbildungs-Lehrgang?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UZ): Weitergehen, ganz einfach mal weitergehen. Ich kann f\u00fcr mich sagen, dass ich jetzt, wenn ich zur\u00fcckblicke in den letzten Jahren Heimat gefunden habe in diesem Netzwerk via integralis, da m\u00f6chte ich dranbleiben. Das erlaubt mir auch, dass ich \u00fcber die Grenzen von Institutionen hinausblicken kann. Das ist mir schon immer wichtig gewesen. Das ist ein Weg, der mich weiter begleiten wird, \u00fcber die Pensionsgrenze in vier Jahren hinaus, und auf dem ich auch lebendig bleiben m\u00f6chte und im Austausch vernetzt. Aktuell gibt es Leute, die merken, dass ich anders auftrete, auch in Gottesdiensten. Die Art, wie ich Leuten in meiner herk\u00f6mmlichen Rolle als reformierter Pfarrer anders begegne. Da ist offenbar etwas geschehen, das auch weiter etwas mit mir machen wird. Ich m\u00f6chte gerne auf dem Weg weitergehen und Menschen begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(RF): Bei mir schliesst sich irgendwie der Kreis zur ersten Frage, wo die Begegnungen mit euch als Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie der Kursleitung entscheidend waren f\u00fcr die Ver\u00e4nderungen, die da m\u00f6glich waren. Ich beabsichtige in Liechtenstein ein Zendo zu er\u00f6ffnen. Da werden sicher Menschen kommen, die christlich gepr\u00e4gt sind, und ich m\u00f6chte die Erfahrungen, die ich jetzt mit euch gehabt habe, da weitertragen in dieser Offenheit. Was ich sicher nicht machen kann, ist in einem Setting von via integralis einen Kurs anzubieten. Das w\u00e4re f\u00fcr mich innerlich zu weit weg. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen in einer Co-Leitung, wo ich den ZEN-Teil authentisch vermittle, ein Angebot zu machen, damit da auch eine Klarheit ist. Was ist Zen ? Was ist christliche Mystik ? Wo gibt es ggfs. \u00dcberschneidungen? Klarheit ist in meinen Augen in diesem Kontext sehr wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(UK): Das Stichwort Begegnung \u00abWo Zen und christliche Mystik sich begegnen\u00bb &#8211; das ist der Untertitel des Buches, das die via integralis beschreibt &#8211; ist auch das, was in mir geschieht, immer st\u00e4rker, immer tiefer. Ich leite seit drei Jahren eine Meditationsgruppe. Ich nenne sie so, weil ich mit einem Lehrer arbeite, der mir diese Erlaubnis gab oder mich ermutigt hat, das zu tun. Der Lehrer kommt nicht von der via integralis. Sein Name ist Bernard Senegal, er ist franz\u00f6sischsprachig und stammt aus Qu\u00e9bec. Als Jesuit und Zen-Meister lebt er in S\u00fcdkorea. Er ist etwas weit weg, aber ich glaube, er ist \u00e4hnlich unterwegs wie die via integralis. Insofern passt es gut. Ich werde diese Meditationsgruppe weiter unter diesem Namen f\u00fchren, im Stile seiner Zen-Tradition. Ich bin als Lehrerin der via integralis einfach tiefer und weiter geworden und offener, und es ist f\u00fcr mich eine grosse Freude das zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(SH): Ich glaube, es wird sich f\u00fcr mich gar nicht so viel \u00e4ndern, weil ich schon l\u00e4nger als Assistentin von Winfried Semmler-Koddenbrock in einer Gruppe mit dabei bin, und das zuvor bereits als Aushilfe gemacht habe. Vielleicht werden sich die Sequenzen ein wenig erweitern, aber letztendlich ist es ein Schritt auf etwas mehr hinauszugehen. Dadurch, dass ich selber so gl\u00fccklich war, Begleitung gefunden zu haben, nach langem Suchen, freue ich mich, das weitergeben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(JL): Ich w\u00fcrde mich noch gerne weiter mit euch unterhalten. Ich danke euch sehr f\u00fcr euer Engagement und eure Antworten und w\u00fcnsche euch f\u00fcr euren Weg viel Inspiration und Vertrauen, das Mysterium des So-Seins weiter zu durchdringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor wenigen Tagen wurde der f\u00fcnfte Lehrgang \u00abKontemplationslehrerin \/ Kontemplationslehrer via integralis\u00bb in Wislikofen feierlich abgeschlossen. W\u00e4hrend ihrem letzten Ausbildungswochenende Ende September wurden Teilnehmende des Lehrgangs von J\u00fcrgen Lembke zu einem Interview eingeladen. Am Gespr\u00e4ch waren beteiligt (in Reihenfolge der 1. Wortmeldung): Roland Frick (Liechtenstein), Stephanie Hahn (Deutschland), Ursula Klumpp (Schweiz), Urs Zangger (Schweiz). 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