{"id":9082,"date":"2024-07-25T05:50:00","date_gmt":"2024-07-25T03:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=9082"},"modified":"2024-11-26T08:30:53","modified_gmt":"2024-11-26T07:30:53","slug":"im-herz-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/en\/2024\/07\/25\/im-herz-der-liebe\/","title":{"rendered":"Im Herz der Liebe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geschrieben habe ich, was ich vermisste zu lesen: Ein Buch, das die katholische Messe als einen erprobten Wandlungsweg \u2013 ein kostbares Gratis-Ritual &#8211;&nbsp;&nbsp;f\u00fcr die Menschheit beschreibt. So entstand \u00abIm Herz der Liebe \u2013 Wandlungsweg Messe\u00bb in einem l\u00e4ngeren sch\u00f6pferischen Prozess.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Blick ist vieldimensional: Ich schreibe als zutiefst religi\u00f6ser Mensch, als katholischer Gemeindeleiter und Kontemplationslehrer via integralis, als jemand, der als Kind, Jugendlicher und Erwachsener, als Teilnehmender und Vorsteher, die einzelnen Elemente der Messe durchlebt (hat). Das Buch gibt Einblick, was in mir vorgeht, wenn ich heute Gottesdienst feiere und warum ihr Ablauf Sinn macht. So habe ich meine sowohl pers\u00f6nliche als auch theologisch und spirituell fundierte Liebesgeschichte mit der heiligen Messe aufgeschrieben. F\u00fcr mich ist die Messe ein bew\u00e4hrter kollektiver Pfad, der Erneuerung erm\u00f6glicht und das Beste im Menschen freilegt. In der Sprache des Buches:&nbsp;<em>\u00abWir werden in das verwandelt, was wir lieben, Leib Christi, Leben f\u00fcr die Welt.\u00bb<\/em>&nbsp;Zu guter Letzt gebe ich Zeugnis \u00fcber meine Berufung \u00abChristuspriester sein\u00bb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiter Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, so es ist: Seit ich mich erinnern kann, nehme ich regelm\u00e4ssig an der Messe teil. In mir leben kindliche \u00abEinheitserfahrungen\u00bb, die sich mit diesem Ritual verbinden. Die Messe, entstanden aus der fr\u00fchchristlichen Tradition des Mahlhaltens, physische und seelisch-spirituelle S\u00e4ttigung waren damals eins, hat sich w\u00e4hrend des Zweiten Vatikanischen Konzils ver\u00e4ndert und wird seit der Herausgabe des Messbuches 1969 in der heutigen Form gefeiert. Kollektive, autobiografische Geschichte und Geschichten aus verschiedenen Pfarreien und Gemeinden der sechs Jahrzehnte meines Lebens werden \u00abim Herz der Liebe\u00bb verarbeitet. So erschliesst das Buch die Messe vom Kreuzzeichen am Anfang bis zum Schlusssegen in ihrer geistlichen und pers\u00f6nlichen Tiefe. \u00ab<em>Seit bald 2000 Jahren machen Menschen in der Messe Erfahrungen. Unsichtbare Seelenr\u00e4ume \u00f6ffnen sich f\u00fcreinander. Im Mysterium der Messe ber\u00fchren sich Menschen, Seelenr\u00e4ume und das g\u00f6ttliche Mysterium in ihrer Unsichtbarkeit. Im Ineinanderfliessen der Erfahrungen geschieht Begegnung. Es bildet sich ein gemeinsamer, weiter Seelenraum. Anwesende, Apostolinnen und Zeugen des Glaubens aller Zeiten, finden sich im Herz der Liebe.<\/em><strong>\u00bb&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stilles Gratisgeschenk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort \u00abgratis\u00bb geht zur\u00fcck auf&nbsp;<em>gratia<\/em>, Gnade. Die Messe ist f\u00fcr mich jedoch kein Schn\u00e4ppchen, sondern ein Geschenk. Auch keine Unterhaltung, nichts soll die Teilnehmenden \u00abunten-halten\u00bb. Nein, die Messe vermag zu verwandeln in das ewige Ineinander der Liebe:&nbsp;&nbsp;<em>\u00abDie katholische Messe ist ein ritueller Raum, in dem Menschen die Begegnung mit Gott angeboten wird, in dem sie seelisch, geistig und k\u00f6rperlich angesprochen werden. Die Messe ist eine Zeit der Begegnung mit Gott, sinnlich gestaltet und konkret erfahrbar. Wer sie besucht, riskiert etwas. Denn das Ritual kann wirken\u00bb.<\/em>&nbsp;Eben das vermisste ich zu lesen: Was in der Seele der Feiernden und im Raum passiert, wie sich Gottesdienst und Alltag erg\u00e4nzen. So schrieb ich in Tagen der Besinnung \u00fcber einige Jahre das Buch, nach dem ich mich sehnte. Das Buch entstand in Stille. Und mit einem Kapitel \u00fcber die Stille, ihre unterschiedlichen Qualit\u00e4ten, damit beginnt es. Denn&nbsp;<em>\u00abAngelpunkt jeder Messe ist f\u00fcr mich die Stille. Meine Erfahrung ist, dass alles Leben aus der Stille kommt, Stille ist und zur Stille f\u00fchrt. Stille h\u00fctet das Leben. Stille ist wie ein Schutzmantel, der alles umgibt, alles Vergangene, Gegenw\u00e4rtige und alles Zuk\u00fcnftige. Stille besch\u00fctzt Verborgenes, Ersehntes oder Erhofftes, das Beste in uns. Stille ist in Gott\u2026 und so geh\u00f6rt das \u00dcben der Stille zu meinem Tag, Ich beginne den Tag mit stiller Meditation und Gebet. Ich \u00fcbe christliche Kontemplation\u2026 Ich liebe die Stille im Gottesdienst. Ebenso halte ich immer wieder inne w\u00e4hrend der Arbeit, um ganz wach da zu sein als Seelsorger und Gemeindeleiter\u2026 Stille muss und kann ich nicht machen. Sie ereignet sich, wenn ich mich widerstandslos auf die Wirklichkeit einlasse. Wenn ich mich mit h\u00f6chster Neutralit\u00e4t und mit all meiner Kraft der Wirklichkeit hingebe\u00bb.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ebenen der Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIm Herz der Liebe\u00bb spricht kirchlich beheimatete und spirituell suchende Menschen an. Es sind drei Ebenen, die sich verweben: Der Ablauf der Messe, meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen aus Biografie und Seelsorge und drittens Zitate und Erl\u00e4uterungen aus Mystik und Poesie verschiedener Traditionen und Zeiten. Dabei wechsle ich immer wieder die Perspektive: Ich schreibe als gl\u00e4ubiger Mensch, als Seelsorger, als Suchender, in dessen praktischen Gebetsleben neben christlichen auch j\u00fcdische, buddhistische und hinduistische Elemente Platz haben, als \u00dcbender der den Ruf Eckharts \u00abgeh in deinen eigenen Grund\u00bb ernst nimmt, schliesslich als priesterlicher Mensch, f\u00fcr den sich in der Messe Himmel und Erde immer wieder neu verbinden. Das Leben der Menschen, Geburt und Tod, Flucht und Daheimsein, Krieg, Liebe und Sinnsuche spiegeln sich. So feiere ich in meiner Heimatpfarrei St. Johannes Zug das uralte Ritual der Messe als \u00dcbung der Wandlung in eine liebe-, sinn- und verantwortungsvolle Existenz.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Notwendige Messe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb leide ich daran, dass viele Menschen keinen Zugang mehr zur Messe haben. F\u00fcr mich ist sie kein \u00abHokuspokus\u00bb, sondern eine in unserer \u00fcberkomplexen Welt zug\u00e4ngliche Weise, am Faden von Zeit und Ewigkeit je und je neu Mensch zu werden. In der Kombination von Ritualprozess, geistlicher Vertiefung und Erfahrungen l\u00e4sst sich das Buch alleine lesen. Es regt Gespr\u00e4che zur Sprachfindung und Entwicklung eigener spiritueller Bed\u00fcrfnisse und Heimaten an. Viele heutige Menschen wachsen zunehmend ohne gottesdienstliche Praxis auf. Menschen, die Kontemplation \u00fcben, geht es vermutlich ebenso. Diese begegnen im \u00abWandlungsweg Messe\u00bb &#8211; im Buch lesend &#8211; den vieldimensionalen Qualit\u00e4ten des gottesdienstlichen Transformationsweges. Entstanden in stillen Zeiten und im Gottesdienst kann es in einer leeren Kirche oder in der Messe selber zum Begleiter werden: Ich stelle mir vor, dass man oder frau mit diesem Buch in einem Kirchenraum sitzt, liest und so \u2013 in der eigenen Resonanz \u2013 sich das Leben ordnet und neu gr\u00fcndet<em>.<\/em>&nbsp;Die Messe ist und bleibt unverf\u00fcgbares Geschenk Gottes,&nbsp;<em>\u00absich selber und der Welt f\u00fcrsorglich\u00bb<\/em>&nbsp;zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Paradoxe Produktivit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als verheirateter katholischer Theologe, mit zwei erwachsenen S\u00f6hnen, seit bald 22 Jahren Gemeindeleiter, sp\u00fcre ich den Schmerz der katholischen Tradition: Solange Frauen aufgrund ihres Geschlechts nicht zu Diakoninnen und Priesterinnen geweiht werden, werde auch ich mich nicht zum Diakon weihen lassen. Das Amt des Priesters ist ja ohnehin nicht vorgesehen f\u00fcr sie und mich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der priesterliche Ruf hat mich allerdings bereits in meiner Kindheit erreicht. Und, in aller Demut, bin ich mir schon lange bewusst und spreche dies auch \u00f6ffentlich aus:&nbsp;<em>\u00abIch bin zum Priester berufen.\u00bb<\/em>&nbsp;Mit dem Vertrauen und der Sendung des Bischofs von Basel hat sich f\u00fcr mich ein paradoxer Freiraum er\u00f6ffnet. Gerade weil ich kein Amtspriester bin, durfte ich dieses alte Ritual neu verstehen, erschliessen und gr\u00fcnden. Ein Lehrmeister dabei war Teilhard de Chardin, seine \u00abMesse \u00fcber die Welt\u00bb. Und Menschen k\u00f6nnen es anerkennen:&nbsp;<em>\u00abViele Leute sagen spontan Pfarrer zu mir. Ein Dorforiginal bringt es in der ersten Begegnung auf den paradoxen Punkt: So, Sie sind also der Herr&nbsp;Nichtpfarrer: Herzlich willkommen! Die Leute bedanken sich am Sonntag \u2018f\u00fcr die sch\u00f6ne Messe\u2019. Sie sind sich durchaus bewusst, dass sie an einer Kommunion- und nicht Eucharistiefeier teilgenommen haben. Sie anerkennen und erfahren, dass in der sch\u00f6nen Messe Gottes Wandlungskraft wirkt\u00bb.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abThere\u2019s a crack\u2026, that\u2019s how the light gets in\u00bb (Leonard Cohen)&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Frauen und M\u00e4nner, deren priesterliche Berufung von der r\u00f6misch-katholischen Kirche ignoriert wird, erleben wie ich einen Riss und lebensgeschichtliche Blockaden. Doch diese k\u00f6nnen heilen. Im Tun. Im priesterlichen Wirken. Pia Gyger, meine Zen- und Kontemplationslehrerin, sie hat mich immer wieder drauf hingewiesen. Da wo Verletzungen sind, vermag Licht hereinzufallen. In ihrem (und Anna Gammas) bew\u00e4hrten Weg und Worten: Kernschatten \u2013 Kernverletzung \u2013 Kernkompetenz. Oder mit dem alten Bild: Die bl\u00fchende Lotusblume wurzelt im dunklen Morast. Pias Vision \u00abWerdet Priesterinnen und Priester der kosmischen Wandlung\u00bb hat mich bereits vor dem Erscheinen ihres Buches mit gleichnamigen Titel inspiriert. So kann ich sagen: Die (amtskirchlich verursachten) Blockaden&nbsp;<em>\u00abhaben sich durch die gemeindliche Praxis als Seelsorger und pers\u00f6nliche Integrationsarbeit an der eigenen Berufung in den letzten Jahren aufgel\u00f6st\u00bb<\/em>. Christuspriester und Christuspriesterinnen \u2013 berufene M\u00e4nner und Frauen, die in ihren Gemeinden \u00fcberall auf der Welt priesterlich wirken, bereit zur Ordination zum sakramentalen Dienst \u2013 widme ich somit das letzte Kapitel des Buches. Ja, sie wirken, Frauen und M\u00e4nner, die Christus in allem den Vorrang geben und in ihrem t\u00e4glichen seelsorglichen Tun Himmel und Erde verbinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist das Buch, neben Dank an meine Ehefrau Regula, auch ein Gassho vor Pia Gyger! Und ich freue mich, wenn es Lesende findet. Solche, die je auf ihre eigene Weise bereit sind \u00abin Verantwortung f\u00fcr kommende Generationen\u00bb sich als Teil dieser kosmischen Wandlung zu verstehen und verf\u00fcgbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bernhard Lenfers Gr\u00fcnenfelder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Kursive<\/em>\u00a0<em>Zitate<\/em>\u00a0aus: Lenfers Gr\u00fcnenfelder, Bernhard (2024): Im Herz der Liebe \u2013 Wandlungsweg Messe. W\u00fcrzburg: Echter Verlag.   ISBN 978-3-429-05899-9<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"578\" height=\"896\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/cover-im-herz-der-liebe.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9083\" style=\"width:358px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/cover-im-herz-der-liebe.png 578w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/cover-im-herz-der-liebe-194x300.png 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 578px) 100vw, 578px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschrieben habe ich, was ich vermisste zu lesen: Ein Buch, das die katholische Messe als einen erprobten Wandlungsweg \u2013 ein kostbares Gratis-Ritual &#8211;&nbsp;&nbsp;f\u00fcr die Menschheit beschreibt. 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