{"id":1008,"date":"2017-11-17T23:22:25","date_gmt":"2017-11-17T22:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=1008"},"modified":"2020-05-05T14:17:17","modified_gmt":"2020-05-05T12:17:17","slug":"auf-den-spuren-des-taoismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2017\/11\/17\/auf-den-spuren-des-taoismus\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren des Taoismus"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\">\n<h1 class=\"entry-title\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-zuki-fullwidth size-zuki-fullwidth wp-post-image\" style=\"font-size: 16px;\" src=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_helena-shan-meier_02.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 589px) 100vw, 589px\" srcset=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_helena-shan-meier_02.jpg 589w, http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_helena-shan-meier_02-300x169.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"589\" height=\"332\" \/><\/h1>\n<\/header>\n<div class=\"entry-thumbnail\">\n<div class=\"bildunterschrift\"><span class=\"bildtitel\">Helena Shang Meier<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<h2>Ein Bericht von Helena Shang Meier und Hans Meier \u00fcber ihre Reise in die Mongolei und nach China.<\/h2>\n<p>Die beiden Kontemplationslehrer Helena Shang und Hans Meier konnten in diesem Sommer an einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen 3-w\u00f6chigen Reise teilnehmen. Durch den Sprachvorteil von Helena als \u00dcbersee-Chinesin waren ihnen die einheimischen Informationen, auch Gespr\u00e4che mit chinesischen Gespr\u00e4chspartnern, voll zug\u00e4nglich. Sie geben hier eine Zusammenfassung ihrer Eindr\u00fccke von der Heimat dieser reichen spirituellen Tradition wieder, die ma\u00dfgeblich das Zen\/Chan in China beeinflusst hat.<\/p>\n<h3>Mongolei<\/h3>\n<p>Das mongolische Reich nach den Eroberungen durch Dschingis Khan und seiner direkten Nachfahren erstreckte sich von Korea \u00fcber einen Teil Russlands, Polens, Ungarn, T\u00fcrkei bis nach Bagdad, Iran, Pakistan, Nordindien, China und den L\u00e4ndern, die dazwischen liegen. Die Hauptstadt dieses damaligen Grossreiches, das von 1190 bis 1330 bestand, war Karakorum, das ca. 280 km westlich der heutigen Hauptstadt der \u00e4usseren Mongolei Ulan Bator liegt. Die kriegerischen F\u00e4higkeiten dieser st\u00fcrmenden nomadischen Reiter waren bekannt und seit der Zeit der Hunnen gef\u00fcrchtet\u2026<\/p>\n<p>Auf unserer Reise haben wir den Ort dieser ehemaligen Hauptstadt besucht. Vom damaligen Machtzentrum sind vor allem religi\u00f6se Geb\u00e4ude erhalten geblieben. Die Geschichte erz\u00e4hlt auch, dass Karakorum, benannt nach dem gleichnamigen Gebirge in Pakistan, der Knotenpunkt zwischen Ost und West war, wo auch komplette religi\u00f6se Toleranz herrschte.. Die Stadt wurde damals so angelegt, dass eine buddhistische Tempelanlage, ein taoistischen Tempel, eine islamische Moschee sowie eine christliche Kirche nah bei einander zu finden waren nebst Behausungen dieser Zeit. So bedeutsam war Karakorum, dass verschiedene Herrscher Europas sowie Pabst Innozenz der IV, Botschafter nach Karakorum geschickt haben\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-919\" src=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_mongolei-1024x768.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" srcset=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_mongolei-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_mongolei-300x225.jpg 300w, http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_mongolei-768x576.jpg 768w, http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/via-integralis_newsletter-04_mongolei.jpg 1386w\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"630\" \/><\/p>\n<p>Im sp\u00e4ten 13. Jahrhundert setze sich der tibetische Buddhismus als Staatsreligion durch, obwohl heute noch viele Mongolen an ihren Schamanismus glauben. Zwischen 1937 und 1939 wurden in der Mongolei unter sowjetischen Herrschaft ca. sechs Tausend Kl\u00f6ster und Kultureinrichtungen zerst\u00f6rt. Nach dem zweiten Weltkrieg und mit der Unabh\u00e4ngigkeit der Mongolei erhielt der Buddhismus wieder gr\u00f6ssere Freiheit und ist heute wieder deutlich sichtbar im Land. In Ulan Bator besuchten wir das Gandan Kloster und nahmen teil an einer Zeremonie mit ca. 500 weiteren Gl\u00e4ubigen und vielen M\u00f6nchen. Im benachbarten Tempel bestaunten wir eine riesige Statue (26,5 Meter hoch) der G\u00f6ttin Janraisig (oder Bodhisattva des universalen Mitgef\u00fchls Avalokiteshvara), die 1996 mit Spendengeldern erneut aufgebaut wurde, wobei ca. 25 kg Gold mitverwendet wurde.<\/p>\n<p>Unterwegs mit unserem mongolischen Reisebegleiter, ein Anthropologe und zudem Weltmeister in Ringen f\u00fcr die Gewichtsklasse 63 kg, staunten wir als er ganz begeistert von einem seit \u00fcber 75 Jahren \u201everstorbenem\u201c M\u00f6nch zu erz\u00e4hlen begann, der als Heiliger im s\u00fcdlichem Siberien (nahe der mongolischen Grenze), verehrt wird. Er berichtete den K\u00f6rper dieses in Meditationshaltung sitzenden M\u00f6nchs gesehen zu haben, der noch weich sei, und unerkl\u00e4rliche Zeichen einer gewissen Lebendigkeit noch von sich gebe. Zur\u00fcck in der Schweiz fanden wir auf YouTube verschiedene Berichte dar\u00fcber (\u201eBuddhismus in Siberien: Hambo Lama Daschi Dorscho Itigelow\u201c oder \u201eZDFInfo: das Ph\u00e4nomen zwischen Leben und Tod\u201c).<\/p>\n<p>Auch im kleinen Chojin-Lama Kloster in Ulan Bator, das seit 1942 als Museum ge\u00f6ffnet ist, hat es eine Kollektion von feinsten Thankas und Skulpturen, die die Zerst\u00f6rungswut der 1930 Jahre \u00fcberlebt hatte. Auch in kleineren mongolischen Ortschaften waren wir beeindruckt von gut erhaltenen und besuchten buddhistischen Tempeln mit ihren Gebetsm\u00fchlen.<\/p>\n<h3>China und der Taoismus<\/h3>\n<p>Als wir in Tianshui, Gansu Provinz, in Nordwesten von China ankamen, wo wir mit unserem chinesischen Taiji und QiGong Meister zum Training waren, hatten wir die M\u00f6glichkeit den FuXi Tempel zu besichtigen. Inmitten der hektischen Stadt, geniesst man die Klarheit und reine Luft der Tempelanlage mit \u00fcber tausendj\u00e4hrige B\u00e4umen, einem lieblichen Gartenanlage und weiten Pl\u00e4tzen. Auf einem markt\u00e4hnlichen Vorplatz, \u00fcbten Frauen und M\u00e4nner in Gruppen Taiji, Tanz oder Gesang. FuXi ist einer der chinesischen Urkaiser, der die acht Trigramme des I-Ging (Buch der Wandlung) durch seine Meditation \u00fcber Himmel und Erde vor 8000 Jahre begr\u00fcndet haben soll. Das Orakelbuch \u201eI Ging\u201c, dessen Anf\u00e4nge zur\u00fcck ins mythische Altertum reichen und deren Orakelspr\u00fcche fester Bestandteil in den Regierungsgesch\u00e4ften der chinesischen Kaiser waren, ist ein Zeugnis der reifen Weisheit, die vor Jahrtausenden verarbeitet wurde.<\/p>\n<p>Neben dem \u201eI Ging\u201c gilt das \u201eDaodejing\u201c (Tao-te-ching), als der bekannteste und popul\u00e4rste Klassiker, der dem chinesischen Weisen Laotse (Lao-tze) zugeschrieben wird. Dieser Text wurde verfasst in einer Zeit des politischen Verfalls der alten sozialen Ordnung. So sind viele Teile des Daodejing in Form von Ratschl\u00e4gen an den Herrscher abgefasst. Ein weiterer \u00e4usserst bekannter Text des Taoismus ist das Zhuangzi (Chuang-tzu), benannt nach seinem Verfasser Chuang-tzu, und ebenfalls in dieser Zeitperiode geschrieben, wo die Macht der Armee st\u00e4ndig anwuchs und nackte Gewalt die Oberhand \u00fcber die soziale Ordnung gewann. Der Stil des Zhuangzi ist humorvoll, ungezwungen, satirisch und anarchisch. Diese Schrift des geistigen H\u00f6henflugs, gilt vielen Kennern als eines der gr\u00f6ssten Meisterwerke der Weltliteratur.<\/p>\n<p>Der nachstehende Spruch aus dem \u201eDaodejing\u201c mit entsprechenden Kommentaren m\u00f6gen uns einen Eindruck des Taoismus und seiner Philosophie geben!<\/p>\n<blockquote><p><em>Spruch 1 (aus \u201eI Ging\u201c \u00dcbersetzung von Richard Wilhelm)<br \/>\nDas Tao, das sich aussprechen l\u00e4sst, ist nicht das ewige Tao.<br \/>\nDer Name, der sich nennen l\u00e4sst, ist nicht der ewige Name.<br \/>\nNichtsein nenne ich den Anfang von Himmel und Erde.<br \/>\nSein nenne ich die Mutter der Einzelwesen.<br \/>\nDarum f\u00fchrt die Richtung auf das Nichtsein zum Schauen des wunderbaren Wesens,<br \/>\ndie Richtung auf das Sein zum Schauen der r\u00e4umlichen Begrenztheit.<br \/>\nBeides ist eins dem Ursprung nach und nur verschieden durch den Namen.<br \/>\nIn seiner Einheit heisst es das Geheimnis.<br \/>\nDes Geheimnisses noch tieferes Geheimnis ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Chuang-tzu l\u00e4sst erfundene Gestalten namens \u00c4ther, Unendlich, Tatenlos und Anfangslos \u00fcber das Tao diskutieren:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00c4ther fragte Unendlich: \u201eKennt Ihr das Tao?\u201c \u201eIch weiss nicht\u201c erwiderte Unendlich.<br \/>\nEr fragte Tatenlos das gleiche, und Tatenlos erwiderte: \u201eich kenne das Tao\u201c<br \/>\n\u201eAlso kennt Ihr das Tao. K\u00f6nnt Ihr es n\u00e4her bestimmen?\u201c<br \/>\n\u201eGewiss, ich weiss, dass das Tao hoch, niedrig, zusammengefasst oder zerstreut sein kann. Das sind einige Einzelheiten, die ich weiss.\u201c<br \/>\n\u00c4ther berichtete Anfangslos von Tatenlos Worten und fragte: \u201eSo sagt also Unendlich, dass er nichts wisse, und Tatenlos sagt, dass er wisse. Wer hat recht?\u201c<br \/>\n\u201eWer meint, er wisse nicht, ist tief. Wer meint, er wisse, ist seicht. Jener hat es mit der inneren Wirklichkeit zu tun, dieser mit der \u00e4usseren Erscheinung.\u201c<br \/>\n\u00c4ther hob das Haupt und seufzte: \u201eDann weiss einer, der nicht weiss, in Wirklichkeit doch, und einer der weiss, in Wirklichkeit nicht. Wer kennt dieses Wissen ohne zu wissen?\u201c<br \/>\n\u201eDas Tao kann nicht geh\u00f6rt werden\u201c, sagt Anfangslos, \u201e was geh\u00f6rt werden kann ist nicht das Tao. Das Tao kann nicht gesehen werden, was gesehen werden kann ist nicht das Tao. Vom Tao kann nichts gesagt werden, was gesagt werden kann, ist nicht das Tao. Begreift Ihr das, was in allen sichtbaren Dingen unsichtbar ist? Das Tao sollte nicht genannt werden.\u201c<br \/>\nUnd Anfangslos sagte: \u201eWenn einer auf eine Frage \u00fcber das Tao antwortet, kennt er das Tao nicht. Sogar wer \u00fcber das Tao fragt, hat das Tao nicht geh\u00f6rt. \u00dcber das Tao kann nichts gefragt werden, und auf diese Frage gibt es keine Antwort. \u00dcber das zu fragen, \u00fcber das nicht gefragt werden sollte, heisst zu weit gehen. Eine Frage beantworten, die nicht beantwortet werden sollte, heisst die innere Wirklichkeit nicht erkennen. Wenn also diejenigen, welche die innere Wirklichkeit nicht erkennen, versuchen Fragen zu beantworten, haben solche Leute weder das Wirken des Alls beobachtet, noch begreifen sie die letzte Quelle. Darum k\u00f6nnen sie das Kunlun Gebirge nicht \u00fcbersteigen und wandern im Reich der grossen Leere.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Helena Shang Meier und Hans Meier, November 2017<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helena Shang Meier Ein Bericht von Helena Shang Meier und Hans Meier \u00fcber ihre Reise in die Mongolei und nach China. Die beiden Kontemplationslehrer Helena Shang und Hans Meier konnten in diesem Sommer an einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen 3-w\u00f6chigen Reise teilnehmen. 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