{"id":1052,"date":"2019-02-18T13:21:52","date_gmt":"2019-02-18T12:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=1052"},"modified":"2020-05-05T09:43:49","modified_gmt":"2020-05-05T07:43:49","slug":"kultur-der-stille-in-einer-friedlosen-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2019\/02\/18\/kultur-der-stille-in-einer-friedlosen-welt\/","title":{"rendered":"Kultur der Stille in einer friedlosen Welt"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\">\n<h1 class=\"entry-title\"><span style=\"font-size: 16px;\">Margrit Schlegel-Wenk<\/span><\/h1>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<h2>Impuls zum Thema der vi Jahresversammlung 2019 am 19. Januar 2019 in Wislikofen<\/h2>\n<p>Was bedeutet der Begriff: friedlose Welt? Was brauchen wir als Menschheit, um wirklich in Frieden leben zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>In unserem Einsatz in Entwicklungszusammenarbeit in Kolumbien in den Jahren (1980-1984) hat es ein sehr engagierter kolumbianischer Freund aus einem Bergdorf unserer Pfarrei auf den Punkt gebracht mit einer einfachen Zeichnung:<\/p>\n<p>Er hat \u201aPAZ\u2018 (Frieden) geschrieben und hat dann auf dieses \u201aZ\u2018 eine Friedenstaube gesetzt und das Z beginnt zu kippen, daraus gibt es \u201aPAN\u2018(Brot). Also: es gibt keinen Frieden, solange Ungerechtigkeit da ist, solange noch Menschen hungrig schlafen gehen und die Eltern ihren Kindern nicht das geben k\u00f6nnen, was sie brauchen. Die Erde gibt uns mehr als genug. Ich bin \u00fcberzeugt, der Wunsch, dem Frieden zu dienen, f\u00fchrt ins Engagement f\u00fcr Gerechtigkeit. Nicht in einen Aktivismus \u2013 aber in den Wunsch: m\u00f6ge es allen Wesen gut gehen. M\u00f6gen alle Wesen gl\u00fccklich sein und in Sicherheit und Frieden leben k\u00f6nnen. Aus dieser Haltung heraus w\u00e4chst unsere Bereitschaft, uns zu engagieren und zu teilen.<\/p>\n<p>Kontemplation \u2013 der Weg nach Innen \u2013 macht uns hellh\u00f6rig und sensibel gegen\u00fcber dem, was in der Welt l\u00e4uft. Meditieren f\u00fcr eine friedliche Welt bringt uns \u201ein Bewegung\u201c<br \/>\nund fragt nach den Konsequenzen:<\/p>\n<p>No hay paz sin pan (es gibt keinen Frieden ohne Brot). Jeder Mensch, der hungert ist ein Schrei nach Gerechtigkeit, den wir h\u00f6ren m\u00fcssen um alles dran zu setzen, dass sich seine Situation verbessert. Ein Lied aus Kolumbien besingt:<\/p>\n<p><em><strong>\u201aNo, no basta rezar\u2026\u2018 \u2013\u00a0<\/strong>\u201anein, nein, es reicht nicht zu beten.<br \/>\nEs fehlt noch so viel um wirklich Frieden zu verwirklichen\u2018.<\/em><\/p>\n<p>Wenn wir uns auseinandersetzen mit der Frage des Hungers in der Welt, ist es wichtig, dass wir die Fakten genau studieren. Das Buch Factfullness von Hans Roseling beschreibt zwar, dass der Anteil der Hungernden in der Welt zur\u00fcckgegangen ist, erw\u00e4hnt aber nicht, dass die Messemethoden der FAO sich ver\u00e4ndert haben und daher das Bild positiver zeichnen als es in Realit\u00e4t ist. Die traurige Wahrheit ist, dass heute mehr Menschen auf der Welt Hunger leiden als vor 20 Jahren. Es bleibt noch viel zu tun f\u00fcr eine gerechtere Welt in der Leben in F\u00fclle und W\u00fcrde f\u00fcr Alle m\u00f6glich ist. Zum Handeln in diese Richtung will uns die Meditation auch sensibilisieren. `No basta rezar!`, es braucht unser Engagement auch auf der politischen Ebene. Sowohl als auch!<\/p>\n<h3>Thema Krieg und Frieden:<\/h3>\n<p>Kultur der Stille in einer friedlosen Welt: In den Nachrichten h\u00f6ren wir t\u00e4glich von Kriegen und bewaffneten Konflikten. Dazu eine Frage:<\/p>\n<p>In welchen Dekaden gab es Deiner Meinung nach am meisten Kriegstote?<br \/>\na) 1910 \u2013 1920<br \/>\nb) 1940 \u2013 1950<br \/>\nc) 2005 \u2013 2015<\/p>\n<p>Das Schaubild spricht eine klare Sprache:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1454\" src=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/vi_newsletter-07_04-002-300x226.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" srcset=\"http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/vi_newsletter-07_04-002-300x226.jpg 300w, http:\/\/meditieren-fuer-eine-friedliche-welt.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/vi_newsletter-07_04-002.jpg 762w\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"226\" \/><\/p>\n<p>In den Vierzigerjahren gab es pro 100\u2019000 Menschen durchschnittlich 201 Kriegstote pro Jahr. In den letzten Jahren seit 2000 gab es ca. 1 Kriegstoten pro 100\u2019000 Menschen! Unsere Welt ist also zweifelsfrei \u2013 nimmt man die Statistiken der UNO als Grundlage \u2013 friedlicher geworden. Das gilt auch dann, wenn verschiedene Mechanismen in uns selbst und in der \u00f6ffentlichen Berichterstattung uns anderes vorgaukeln.<\/p>\n<p><strong>Hans Rosling<\/strong>\u00a0(ein Arzt, Wissenschaftler und Schwertschlucker) nennt diese Mechanismen \u201eInstinkte\u201c und beschreibt sie anschaulich in seinem Buch \u201eFactfullness \u2013 wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist\u201c\u00a0<strong>\u00b9<\/strong>. Es geht darin nicht darum, den Horror, den es zweifelsohne in unserer Welt noch gibt, zu bagatellisieren. Auch nicht darum, die Bedeutung herunterzuspielen, die der Beendigung aktueller Konflikte zukommt. Wir sollten nicht vergessen, es gibt Dinge, die schlecht laufen und besser werden (m\u00fcssen). Dinge, die sich zwar verbessert haben aber trotzdem noch schlecht sind\u2026<\/p>\n<p><em>\u201aes ist nicht so, dass wir es schon erreicht h\u00e4tten, aber wir sind auf dem Weg\u2018.\u00a0<\/em>Schreibt Paulus im Philipper-Brief 3.12.<\/p>\n<p>Bleiben wir auf dem Weg als friedensbewegte Menschen in unseren Gedanken, in unseren Beziehungen, in einem sorgf\u00e4ltigen Umgang mit der Sch\u00f6pfung, in einer achtsamen Verwendung der Resourcen dieser Welt und in einem bewussten Konsumverhalten. Im Wissen, dass das, was wir zu viel brauchen, andern zum Leben fehlt.<\/p>\n<h3>Ausrichtung der Kr\u00e4fte<\/h3>\n<p>Im unserem Text der \u201aAusrichtung der Kr\u00e4fte\u2018 sprechen wir zu Beginn eines jeden Kontemplationstages die S\u00e4tze:<\/p>\n<p><em>Mit liebendem Herzen setze ich mich ein<\/em><br \/>\n<em>f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden in mir,<\/em><br \/>\n<em>in meinen Beziehungen und in der Welt,<\/em><br \/>\n<em>sowie f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung.<\/em><\/p>\n<p>Dann setzen wir uns mit dieser Deklaration (in einer fr\u00fcheren Fassung des Textes sprachen von \u201eSelbstverpflichtung\u201c!) in die Stille, lassen in der Schweigemeditation aber alle unsere Vorstellungen los \u00fcber das, was m\u00f6glich oder unm\u00f6glich scheint. Es z\u00e4hlt allein das Bewusstsein, dass wir auch im Zustand des Nicht-Denkens Teil dieser zerbrechlichen und nach Frieden und Gerechtigkeit hungernden Welt sind.<\/p>\n<p>Ist Stille-Sitzen also eine Art von Friedensarbeit?<\/p>\n<p>Wir alle wissen es: dieses Sitzen ist nicht immer Honiglecken. In der Stille begegnen wir auch unseren eigenen Schattenanteilen. Wir begegnen Aspekten von uns selbst, die nicht gl\u00e4nzen und deren wir uns sch\u00e4men. Gedanken k\u00f6nnen auftauchen, von denen wir froh sind, wenn andere sie nicht sehen. Gef\u00fchle, die ums egozentrische Ich kreisen usw. \u2026 Auch in solchen Erfahrungen hei\u00dft es: hinschauen, wahrnehmen, f\u00fcr \u201awahr\u2018 nehmen und lassen. Ja, auch das geh\u00f6rt zu mir. Ich habe alles Potential in mir, das Potential der ganzen Menschheit.<\/p>\n<p>Die Samen von allem sind in uns angelegt. Die Frage ist einfach: was n\u00e4hre ich in meinem Leben, in meinem Alltag? N\u00e4hre ich die Samen des Hasses, des \u00c4rgers \u2013 oder n\u00e4hre ich die Samen des Annehmens, des Vertrauens in die Wandlung? N\u00e4hre ich die Samen der<br \/>\nFreude, des Friedens\u2026 oder verliere ich mich in Gedanken wie:\u00a0<em>\u201awarum hat der das so<br \/>\ngesagt\u2026 der hat doch sicher etwas gegen mich\u2026\u2018<\/em>\u00a0Wir alle kennen dieses Karussell. Die Frage ist doch: Was mache ich damit? In welche Haltung gebe ich meine Kraft \u2013 und \u201erichte ich mich aus\u201c?<\/p>\n<h3>Stille ver\u00e4ndert uns<\/h3>\n<p>Dazu passt folgender Text von Jack Kornfield aus seinem Buch \u201aFrag den Buddha \u2013 und geh den Weg des Herzens\u2018\u00a0<strong>\u00b2<\/strong>:<\/p>\n<p><em>Zweck spiritueller \u00dcbung ist, mit dem Krieg-F\u00fchren aufzuh\u00f6ren \u2013 nicht durch die Kraft des Willens sondern ganz organisch durch ein besseres Verstehen und durch regel-m\u00e4ssiges Training. Wenn wir aufh\u00f6ren zu k\u00e4mpfen, sehen wir alles ganz neu\u2026 Wenn wir aufh\u00f6ren zu k\u00e4mpfen und unser Herz \u00f6ffnen f\u00fcr die Dinge, wie sie sind, werden wir in die Lage versetzt, uns innerlich im gegenw\u00e4rtigen Moment niederzulassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist spirituelle Praxis. Nur in diesem Augenblick k\u00f6nnen wir das entdecken, was zeitlos ist. Nur hier k\u00f6nnen wir Liebe finden, die wir suchen. In der Wirklichkeit des gegenw\u00e4rtigen Augenblicks wachen wir auf und finden wir Frieden.<\/em><\/p>\n<p>Ja, das ist unsere Erfahrung: Die Stille ver\u00e4ndert in erster Linie uns selbst!<\/p>\n<p><u>Dazu eine kleine Erfahrung:<\/u>\u00a0Als wir von Kolumbien zur\u00fcckkamen fanden wir eine Wohnung in einer Genossenschaftssiedlung. Ganz oben im Haus wohnte eine alte Frau, nennen wir sie Frau Fisch, vor deren Bosheit uns viele Menschen gewarnt hatten. Wir versuchten unser<\/p>\n<p>Bestes\u2026 und doch kam es vor, dass sie bei uns vorbei kam und mich b\u00f6sartig beschuldigte f\u00fcr kleine oder scheinbar grosse Vergehen. Ich zitterte jeweils am ganzen K\u00f6rper nach solchen Begegnungen und ich wusste: \u201aich muss ihr auf einer anderen Ebene begegnen\u2018.<\/p>\n<p>So begannen wir, t\u00e4glich f\u00fcr sie zu beten und sie in die Lichtmeditation zu nehmen. Es vergingen Monate, Weihnachten war nahe und Herr Fisch starb. Dadurch verlor sie den noch einzigen Menschen in ihrem Leben. In einer Meditation hatte ich den Impuls, Frau Fisch einzuladen, um mit uns den Heilig-Abend zu verbringen. Sie kam, sichtlich ber\u00fchrt und brachte unseren kleinen Kindern Mandarinen und wir genossen das friedvolle Zusammensein. Wir erlebten wirklich Weihnachten! Als wir dann nach einigen Monaten auszogen, weinte sie und wir haben sie bis zu ihrem Tod hie und da besucht.<\/p>\n<p>Das Gebet, die Meditation ver\u00e4ndert uns. Es befreit uns von der Umklammerung des kleinen, egozentrischen Ich und bringt uns in eine tiefere Verbindung mit uns selbst, mit andern Menschen, mit dem Leben \u00fcberhaupt. Wenn wir uns verbunden, ja sogar eins f\u00fchlen mit andern, dann k\u00f6nnen wir einander gar nicht mehr Leid antun wollen, denn wir wissen, das Leid der Andern ist mein eigenes.<\/p>\n<p>\u201eDer Friede in der Welt beginnt in deinem Herzen\u201c sagt Thich Nath Han. Ein f\u00fcr mich sehr wirkungsvolles Heilmittel gegen inneren \u00c4rger oder Un-zu-friedenheit ist ein kurzes Innehalten mit einer Meditation von Thich Nath Han. Er schl\u00e4gt vor, folgende Worte in den Atem zu nehmen:<\/p>\n<p>Einatmen \u2013 Ausatmen<br \/>\nRuhe \u2013 L\u00e4cheln (und wirklich auch physisch l\u00e4cheln!)<br \/>\njetziger Moment \u2013 wunderbarer Moment<\/p>\n<p>In meiner therapeutischen Arbeit mit Paaren mache ich folgende Erfahrung: Wenn die<br \/>\nSituation konfliktbeladen ist, die ausgesprochenen und versteckten Vorw\u00fcrfe aktiv sind, wenn eine geh\u00e4ssige Atmosph\u00e4re herrscht, dann lade ich die Partner ein, einen Moment<br \/>\nzur Ruhe zu kommen, den eigenen Atem zu sp\u00fcren\u2026 nichts anderes als das. Der n\u00e4chste Schritt ist dann meist, dass sie sich aus dieser Zentriertheit heraus anschauen, den Kontakt zu sich selber behalten und gleichzeitig den Partner, die Partnerin wahrnehmen.<\/p>\n<p>Sehr oft mache ich die Erfahrung, dass die \u00c4u\u00dferungen, die aus dieser einfachen \u00dcbung<br \/>\nentstehen, mit viel gr\u00f6\u00dferer Offenheit angeh\u00f6rt werden k\u00f6nnen und das Gespr\u00e4ch einen friedvolleren Verlauf nimmt.<\/p>\n<h3>Die Menschheit \u2013 Ein Organismus<\/h3>\n<p>Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels sind zwei friedensbewegte Menschen. Sie haben<br \/>\nzusammen mit Anderen das Heil- und Friedensbiotop Tamera in Portugal gegr\u00fcndet. Dort bieten sie eine drei- j\u00e4hrige Ausbildung f\u00fcr Friedensarbeit an. Eine gelebte M\u00f6glichkeit in einer Gemeinschaft, der Erde Sorge zu tragen und der Energie des Friedens Raum zu geben. Diese Ausbildung gibt den Menschen Instrumente in die Hand, Konflikte anzugehen und zu l\u00f6sen und dem Frieden Raum zu geben. Kriegsakademien gibt es schon lange. Friedensuniversit\u00e4ten, sind am Aufkeimen. Dieter Duhm schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201cKrieg ist eine tiefe Erkrankung des Homo Sapiens. Eine echte Geisteskrankheit. Wenn<\/em><br \/>\n<em>offiziell Dinge produziert werden f\u00fcr die T\u00f6tung von Menschen, dann befindet sich diese Gesellschaft in einer unfasslichen Erkrankung ihres Bewusstseins.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie hei\u00dft diese Krankheit? Der Name der Krankheit ist: Vergessen. Wir haben vergessen, dass wir als Menschheit ein Leib sind. Ein Heilmittel gegen diese Krankheit hei\u00dft Stille. Das Loslassen von allen Einengungen und das Heimkommen ins Einheitsbewusstsein l\u00e4sst uns erfahren: wir sind als Menschheit ein Leib, ja mehr noch, die ganze Erde, der ganze Kosmos sind das EINE \u2013 christlich ausgedr\u00fcckt: die ganze Sch\u00f6pfung ist Leib Christi. Alles ist aus dem gleichen \u201eStoff \u201cgewirkt.<\/p>\n<p>Durch diese Weitung unseres Geistes erfahren wir, dass wir uns selbst ausbeuten, wenn wir die Erde r\u00fccksichtslos ausbeuten. Dass wir uns selbst erniedrigen, wenn wir andere aus-n\u00fctzen. Dass die Waffen, die wir in unseren L\u00e4ndern herstellen uns selbst verletzen.<\/p>\n<p>Wir erfahren aber auch, dass wir selber gl\u00fccklich werden, wenn andere durch uns gl\u00fccklich sind. Gl\u00fcck, kommt aus dem alten Wort\u00a0<em>Ge-l\u00fccke<\/em>\u2026 von der L\u00fccke. Immer wieder eine L\u00fccke in unserem betriebsamen Alltag, die uns einsinken l\u00e4sst in das Geheimnis der Einheit. Wenn wir uns immer tiefer darauf einlassen und unser Leben aus dieser Weisheit gestalten, dann begl\u00fcckt und gl\u00fcckt uns das Leben. So erfahren wir: Friede und Gerechtigkeit sind Geschwister und was in mir selbst geschieht, hat Auswirkungen auf die Welt.<\/p>\n<p>Das Bild kennen wir: Wenn das Wasser auf einem See ruhig wird, kannst du immer mehr<br \/>\nauf den Grund sehen. Es wird ganz still und du siehst du die Spiegelung des Himmels, der B\u00e4ume, der Sonne, der Wolken. Wenn du dann einen kleinen Kieselstein einwirfst, zieht er gro\u00dfe Kreise.<\/p>\n<p>In der \u00dcbertragung auf die Meditation: wenn unser Geist ruhig wird, wenn die Wellen sich legen, das tr\u00fcbe Wasser sinkt, wir immer tiefer schauen k\u00f6nnen, verbunden sind mit dem ganzen Leben, dann k\u00f6nnen wir eine Qualit\u00e4t einwerfen, wie einen Kieselstein \u2013 und er zieht gro\u00dfe Kreise. Wir k\u00f6nnen die Qualit\u00e4t des Friedens einwerfen, sie zieht gro\u00dfe Kreise. Ganz anders, als wenn der Geist unruhig ist.<\/p>\n<h3>Hat Stille einen Einfluss auf die Politik?<\/h3>\n<p>Vorweg die Antwort: Ja, Stille kann die Politik ver\u00e4ndern oder Menschen, die die Stille pflegen, k\u00f6nnen aus ihr heraus politisch menschlicher handeln, mehr ausgerichtet auf das Wohl und die Menschenw\u00fcrde und Rechte aller. Dieses Ziel hat sich auch die Integrale Partei IP Schweiz auf die Fahne geschrieben.<\/p>\n<p>In einem Treffen der IP sammelten wir Gedanken zum Thema Stille als Chance f\u00fcr die Politik: Stille verst\u00e4rkt die Lust am Zuh\u00f6ren, sie hilft, inne zu halten, schafft Zwischenraum, bietet mehr Chance f\u00fcr Konsens, weil das Mitgef\u00fchl gest\u00e4rkt wird. Namhafte politische Menschen haben gezeigt, dass Stille und Meditation Aktion, Denken und Emotionalit\u00e4t in der Politik ver\u00e4ndert: Mahatma Ghandi, die Frauen f\u00fcr den Frieden in Kolumbien, Dag Hammerskj\u00f6ld, Nelson Mandela\u2026<\/p>\n<p>Zu den Auswirkungen der Meditation gab es schon verschiedene Experimente. Ein ganz<br \/>\ngro\u00df angelegtes Experiment war in Nordamerika 1992, in dem untersucht wurde, welche Auswirkungen die Friedensmeditation hat. Unter der Anleitung von Maharishi Mahesh Yogi wurde in vierundzwanzig gro\u00dfen St\u00e4dten meditiert. Man untersuchte, was geschieht, wenn 1 Prozent der Menschen (100) in einer Stadt mit \u00fcber 10\u2018000 Einwohnern meditiert. In verschiedenen St\u00e4dten wurden die Meditierenden still und tauchten ein in die Erfahrung des inneren Friedens.<\/p>\n<p>Die Frage der Untersuchung war: hat die Meditation Auswirkungen auf die Umwelt? Die<br \/>\nErgebnisse waren beeindruckend. Obwohl an dieser Studie nur ein Prozent der Bev\u00f6lkerung teilnahm, war die Ver\u00e4nderung deutlich messbar in allen 24 St\u00e4dten. Solange die Meditation anhielt, gingen die Straftaten nachweislich zur\u00fcck, es gab weniger Einbr\u00fcche, weniger Diebst\u00e4hle, weniger Gewalt und sogar weniger Unf\u00e4lle. Die Notfallaufnahmen der Krankenh\u00e4user hatten viel weniger zu tun w\u00e4hrend der Meditationszeit. Und zwar nicht nur in einer Stadt, sondern in allen 24 St\u00e4dten. N\u00fctzt es, wenn wir f\u00fcr den Frieden sitzen? JA.<\/p>\n<p>In verschiedenen Experimenten wurde dieses Resultat best\u00e4tigt. Eine Gruppe f\u00fcr internationale Friedensprojekte im mittleren Osten hat 1988 ein \u00e4hnliches Projekt durchgef\u00fchrt. Auch bei diesem Versuch bat man Personen, sich mit dem inneren Frieden zu verbinden. Allerdings waren die Bedingungen in diesem Experiment sehr viel schwieriger. Es fand statt inmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Libanon und Israel, die gerade damals ihren H\u00f6hepunkt hatten \u2013 und die Teilnehmer mussten ins Kriegsgebiet kommen. Man brachte also die Meditierenden in Kriegsgebiete in denen die Spannung am gr\u00f6\u00dften war. Und tats\u00e4chlich, das Ergebnis war wieder verbl\u00fcffend. W\u00e4hrend der Meditation, in der die Menschen mit dem inneren Frieden verbunden waren, reduzierte sich der Anzahl der Verbrechen und Terroranschl\u00e4ge, auch die Verkehrsunf\u00e4lle nahmen ab \u2013 und wieder hatten die Krankenh\u00e4user weniger zu tun. Dieser Versuch wurde ziemlich breit angelegt; man hat auch die verschiedenen Tage, wie Feiertage, Werktage ber\u00fccksichtigt, sogar den Mondzyklus hat man beachtet. Und bei jedem Experiment war das Resultat ganz klar: die Gewaltakte gingen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zuerst glaubte man noch, es braucht 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung, um diese Wirkung hervorzubringen. Mit der Zeit hat man gesehen, dass es sehr viel weniger Meditierende braucht um die beruhigende, friedensf\u00f6rdernde Wirkung hervorzubringen. Umgerechnet f\u00fcr die gesamte Weltbev\u00f6lkerung br\u00e4uchte es etwa 7-8000 Menschen die rund um die Uhr am Meditieren sind um das Energiefeld des Friedens aufrecht zu erhalten. Solche Untersuchungen und Experimente sind eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass Stille, auch wenn sie nicht nach au\u00dfen sichtbar wird, Auswirkungen hat.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 2016 im Heft \u201aSpuren\u2018, habe ich noch die Beschreibung eines \u00e4hnlichen Experiments entdeckt. Ein S\u00e4nger hat Menschen zusammen gerufen w\u00e4hrend der gro\u00dfen kriegerischen Auseinandersetzungen in Pal\u00e4stina. Sie haben Friedensmeditation praktiziert auf einem H\u00fcgel, rundherum war Gefecht. Sie sa\u00dfen und sangen eine Stunde \u2013 und es wurde still.<br \/>\nEs wurde absolut still, kein Gewehrschuss. Die Menschen h\u00f6rten auf zu meditieren, die<br \/>\nW\u00f6lfe begannen zu heulen und der Krieg ging weiter.<\/p>\n<p>Subtiler Aktivismus wird das genannt. Auch wir k\u00f6nnen subtilen Aktivismus leben \u2013<br \/>\njeder und jede von uns!<\/p>\n<p>Solche Ph\u00e4nomene erforscht auch die Quantenphysik unter dem Begriff der\u00a0<em>morphogenetischen Felder<\/em>. Das, was wir geistig produzieren, hat Auswirkungen auf das Ganze. Wir erschaffen unsere Realit\u00e4ten \u2013 und damit die Zukunft unserer Welt. Dadurch, dass wir uns mit dem Frieden verbinden, entsteht ein Kraftfeld, das \u00fcber uns selbst hinausgeht.<\/p>\n<p>Der Gru\u00df und Wunsch des auferstandenen Christus f\u00fcr seine Freundinnen und Freunde: \u201aDer Friede sei mit euch!\u2018 Da liegt doch unsere tiefe Sehnsucht!<\/p>\n<p><strong>\u201eSchweige und h\u00f6re, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Margrit Schlegel-Wenk, Juni 2019<\/strong><\/p>\n<p>\u2013<br \/>\n<strong>\u00b9<\/strong>\u00a0<em>Hans Rosling u.a., Factfullness \u2013 wie lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Ullsteinverlag 2018. Die Illustrationen und Charts dieses Buches basieren auf frei zug\u00e4nglichem Material der Gapminder Foundation, entworfen von Ola Rosling und Anna Rosling-R\u00f6nnlund.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00b2<\/strong>\u00a0<em>J. Kornfield, Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens. Was uns bei unserer spirituellen Suche unterst\u00fctzt. K\u00f6selverlag 1995<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Margrit Schlegel-Wenk Impuls zum Thema der vi Jahresversammlung 2019 am 19. Januar 2019 in Wislikofen Was bedeutet der Begriff: friedlose Welt? Was brauchen wir als Menschheit, um wirklich in Frieden leben zu k\u00f6nnen? 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