{"id":10889,"date":"2026-07-30T22:48:49","date_gmt":"2026-07-30T20:48:49","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=10889"},"modified":"2026-07-13T22:40:48","modified_gmt":"2026-07-13T20:40:48","slug":"ein-persoenlicher-einblick-in-den-lehrgang-spirituelle-theologie-im-interreligioesen-prozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2026\/07\/30\/ein-persoenlicher-einblick-in-den-lehrgang-spirituelle-theologie-im-interreligioesen-prozess\/","title":{"rendered":"Ein pers\u00f6nlicher Einblick in den \u00abLehrgang Spirituelle Theologie im interreligi\u00f6sen Prozess\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Religionen begegnen \u2013 Spiritualit\u00e4t vertiefen.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der dreij\u00e4hrige Universit\u00e4tslehrgang, der zum sechsten Mal von der Universit\u00e4t Salzburg und vormals dem Lassalle-Haus, jetzt mit dem Kloster Kappel, durchgef\u00fchrt wird, wirkt f\u00fcr mich wie ein geistig-intellektueller Jungbrunnen. Meine pers\u00f6nliche Motivation f\u00fcr diesen Lehrgang ist eine tiefe \u00dcberzeugung, die mich seit Jahren begleitet, dass Friedensarbeit und interreligi\u00f6ser Dialog eng miteinander verbunden und verkn\u00fcpft sind. Je mehr Menschen in Offenheit dem Andern, Andersartigen, Fremden begegnen k\u00f6nnen, desto fruchtbarer wird der Dialog. Mehr Wissen hilft, Fragen zu stellen, sich zu \u00f6ffnen und mit dem Herzen ganz Ohr zu sein. Wenn es dann gelingt, in den Raum des Nichtwissens einzutreten, kann Resonanz entstehen, in der sich nicht Religionen, sondern Menschen begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin sehe ich Parallelen zur via integralis. Der Hintergrund aus der Ausbildung zur Kontemplationslehrerin, in der christlichen Mystik und Zen-Buddhismus vertieft werden, bildet f\u00fcr mich in diesem Lehrgang eine wertvolle Basis, um den Blickwinkel und den Horizont auf andere Religionen und Traditionen auszuweiten und diese Vielfalt als Bereicherung zu erfahren. Dasselbe erlebe ich in der Kontemplation, in der mir oft eine Erfahrung von globaler Verbundenheit mit allen Menschen, aus allen Nationen, Religionen und Kulturen zuteilwird. So rezitieren wir es auch in unserer \u00abAusrichtung der Kr\u00e4fte\u00bb, konkret auch bei unserem w\u00f6chentlichen \u00abSchweigenden Gehen f\u00fcr den Frieden\u00bb in Thusis. Bei dieser Aktion kann ich mein Friedens-Anliegen in die Tat umsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Informationen zum Lehrgang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In j\u00e4hrlich sechs jeweils drei- bis vier-t\u00e4gigen Wochenend-Seminaren entdecken wir im Lehrgang \u00abSpirituelle Theologie\u00bb mit qualitativ hochstehenden Inhalten die Grundlagen der Spiritualit\u00e4t, von Religionstheologie, -philosophie, -soziologie, -psychologie, -wissenschaft, Befreiungstheologie. Mittlerweile im zweiten Studienjahr, sind wir in der Auseinandersetzung mit den drei abrahamitischen Religionen \u2013 dem Christentum, Judentum und Islam \u2013 sowie der christlichen Mystik und ostkirchlichen Spiritualit\u00e4t. Es folgen die Traditionen aus dem asiatischen Raum: Zen-Buddhismus, Hinduismus, Daoismus, Shintoismus, Konfuzianismus, sowie die indigenen und s\u00e4kularen Formen der Spiritualit\u00e4t. Im dritten Studienjahr stehen verschiedene Themen mit mehr Aktualit\u00e4tsbezug im Zusammenhang mit Spiritualit\u00e4t im Fokus: Esoterik, \u00d6kospiritualit\u00e4t, Gender, Sexualit\u00e4t, Dialog und Politik, Umgang mit Gewalt und Macht bzw. mit Machtmissbrauch. Innerhalb des Lehrgangs haben wir Gelegenheit, verschiedene Gebetsr\u00e4ume kennenzulernen: eine Synagoge, Moscheen, ein Benediktinerkloster, in dem ein Teil der M\u00f6nche im orthodoxen Ritus lebt oder das Haus der Religionen in Bern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wesentlicher Teil der Ausbildung betrifft die pers\u00f6nliche Auseinandersetzung aufgrund von biografischen Ankn\u00fcpfungen, ob innerhalb der Seminareinheiten oder in den schriftlichen, pers\u00f6nlichen Reflexionen nach jeder Seminareinheit. So k\u00f6nnen Fragen zur eigenen spirituellen Entwicklung in einem weiteren Bedeutungszusammenhang verstanden werden. Dies wird unterst\u00fctzt durch die bunte Vielfalt an Teilnehmenden verschiedenen Alters und aus unterschiedlichen Berufskontexten, auch in selbst zu bildenden Lerngruppen. Der Austausch untereinander ist f\u00fcr mich inspirierend in seiner Vielfalt. Es geht in jedem Lernprozess darum, Sprache zu finden f\u00fcr das eigene spirituelle Fragen und Erleben, was wiederum identit\u00e4tsstiftend wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Begegnung mit dem Islam<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erging es mir in der Auseinandersetzung mit dem Islam, von dem ich bis anhin wenig wusste. Mouhanad Khorchide, einer von drei Dozierenden zur Einf\u00fchrung in den Islam, erl\u00e4uterte uns das monologische und dialogische Modell. Ersteres steht f\u00fcr eine wortgetreue Lesart und Auslegung des Korans, in der es vor allem darum geht, Gott anzubeten, der weiss, was er will, wer in den Himmel und wer in die H\u00f6lle kommt, und dass dies seit jeher so war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dialogischen Modell wird Gott als Sch\u00f6pfer des Menschen angesehen, dem es um Liebe und Barmherzigkeit geht, der auf unsere H\u00e4nde angewiesen ist, um seine Liebe zu verwirklichen, um eine friedliche Welt zu erschaffen, in der Frauen und M\u00e4nner gleich sind, jedes Lebewesen seine Lebensberechtigung hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die verschiedenen Sichtweisen der Dozierenden erkannte ich einmal mehr, wie verbindend, aber auch wie trennend die Inhalte der einzelnen Religionen sein k\u00f6nnen, und wie stark der geschichtliche und kulturelle Hintergrund das spirituelle Leben jedes Einzelnen pr\u00e4gt, aber auch ganzer Gesellschaftsgruppen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, dies ist in allen Religionen \u00e4hnlich, so wie diese auch viele Gemeinsamkeiten in ethischen Fragen aufweisen. Letztlich ist immer die Ursehnsucht des Menschen angesprochen, sich nach etwas Gr\u00f6sserem als wir es sind, auszurichten, die Suche nach Sinn und Erkl\u00e4rungen unseres Daseins, unseres Lebens und Sterbens. Diese Suche nach dem \u00abHeiligen\u00bb in jedem und jeder von uns. Vor allem in den mystischen Erfahrungen der einzelnen Religionen und Traditionen begegnet uns das alles Verbindende zwischen uns Menschen und Gott, Buddha, Allah, Brahma, wie auch immer wir es \/ sie \/ ihn nennen m\u00f6gen. Und irgendwie f\u00fchle ich mich da zu Hause, bin ich tief angesprochen in meinem Herzen, das bei allen Menschen, \u00fcberall auf der Welt, auf die gleiche Weise schl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lese ich beispielsweise im Buch \u00abSieben verlorene Perlen\u00bb von Mouhanad Khorchide wie der Islam in einer erz\u00e4hlerischen Form dargelegt wird, die das Lernen leicht macht. Er schreibt: \u00ab\u2026 die Bejahung von Vielfalt setzt allerdings selbstsichere Identit\u00e4ten voraus, die im Anderen nicht das verunsichernde Fremde sehen, sondern das Neue, das uns neugierig macht. \u2026 Wer \u2018Ich\u2019 sagt, hat damit \u2018Du\u2019 gesagt. Und wer meint, von \u2018Ich\u2019 ohne \u2018Du\u2019 reden zu wollen, der entfremdet sich von sich selbst. Die Haltung der Annahme von Vielfalt ist letztlich eine Haltung der Freiheit. Denn der Mensch kann nur frei sein, wenn er die Freiheit des anderen bejaht und sich dem anderen \u00f6ffnet. \u2026 Der Koran lehrt (aber), dass es zum muslimischen Wahrheitsanspruch geh\u00f6rt, dass Gott Vielfalt will und diese auch sch\u00fctzen will.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pers\u00f6nliche Erfahrungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nochmals zum Lehrgang: Diesen kann man als akademische Expertin oder mit einem Master abschliessen. Entsprechend gibt es mehr oder wenig zu erarbeiten: Pflichtlekt\u00fcre, schriftliche pers\u00f6nliche Reflexionen, Modulpr\u00fcfungen, Erarbeitung eines Portfolios \u00fcber die Dauer des Lehrgangs oder eben die Masterarbeit. Es ist auch m\u00f6glich, lediglich an den Kurseinheiten teilzunehmen, ohne jegliche Arbeiten zu schreiben. Pers\u00f6nlich empfinde ich es als tief begl\u00fcckend, f\u00fcr die Modulpr\u00fcfungen ein selbst gew\u00e4hltes Thema zu vertiefen, B\u00fccher aus meinem Fundus hervorzuholen und neu zu lesen und mit neu entdeckten Texten zu verweben. Ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und einen Essay dar\u00fcber zu verfassen, erlebe ich als sehr kreativen Akt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mir M\u00fche bereitet, ist eine m\u00e4nnerdominierte Sichtweise, die uns mehrheitlich vermittelt wird, und wie marginal Frauenstimmen immer noch sind \u2013 sei\u2019s im religions-wissenschaftlichen Bereich oder in der Aus\u00fcbung \/ Auslegung der heiligen Schriften der verschiedenen Traditionen. Da k\u00f6nnen wir Frauen und M\u00e4nner uns lediglich immer neu auf den Weg machen, um den vorhandenen Frauenstimmen Raum zu geben, sie einzufordern, sie zu h\u00f6ren, zu sehen und zu w\u00fcrdigen. Frauen nicht nur nebenbei oder als Verzierung wahrzunehmen, sondern als gleichberechtigte Partnerinnen, erm\u00f6glicht eine Begegnung auf Augenh\u00f6he. Ich m\u00f6chte mich nicht entmutigen lassen: Mit einigen Mitstudierenden werden wir die Frage nach den Frauen, den Frauenstimmen, immer wieder benennen und einbringen \u2013 und wir werden von der Lehrgangsleitung sehr wohl geh\u00f6rt. Doch \u2013 was wir alle l\u00e4ngst wissen: Ver\u00e4nderungen brauchen Zeit. Wir sagen uns:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">\u00abNicht m\u00fcde werden,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">sondern dem Wunder leise,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">wie einem Vogel,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">die Hand hinhalten.\u00bb (Hilde Domin)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr allf\u00e4llige R\u00fcckfragen oder bei Interesse stehe ich gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ursula Klumpp<\/strong><br>Kontemplationslehrerin via integralis<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10895\" style=\"aspect-ratio:1.4992706158290667;width:313px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-300x200.jpg 300w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-768x512.jpg 768w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/viaintegralis.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1V3A7546-930x620.jpg 930w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.plus.ac.at\/ztkr\/studium-mehr\/ulg-spirituelle-theologie-im-interreligioesen-prozess\/\">Lehrgangsinformationen Uni Salzburg<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beitragsbild: Ein interreligi\u00f6ser Ort &#8211; die Flughafenkirche Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Religionen begegnen \u2013 Spiritualit\u00e4t vertiefen. 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