{"id":2741,"date":"2020-11-27T00:17:00","date_gmt":"2020-11-26T23:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=2741"},"modified":"2020-11-23T08:46:50","modified_gmt":"2020-11-23T07:46:50","slug":"wozu-braucht-es-zen-lehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2020\/11\/27\/wozu-braucht-es-zen-lehrer\/","title":{"rendered":"Wozu braucht es Zen-Lehrer?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">von Niklaus Brantschen Roshi<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 21. November 2020 wird Niklaus Brantschen \u2013 er hat zusammen mit Pia Gyger vor bald zwanzig Jahren eine Zen-Linie und die Kontemplationsschule via integralis gegr\u00fcndet \u2013 J\u00fcrgen Lembke zum Zen-Lehrer ernennen. Im Folgenden erinnert er daran, was Zen ist, warum gute Zen-Lehrer n\u00f6tig sind und wie Zen als ein integrales Moment zur via integralis geh\u00f6rt.<span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zen ist einfach. Es hat mit dem Naheliegenden zu tun. Ein kurzer Blick auf die beiden grossen spirituellen Str\u00f6me Chinas, die das Zen mitgepr\u00e4gt haben, macht dies deutlich: F\u00fcr Konfuzius ist der WEG (goss geschrieben) das Innere Gesetz: \u00abDer WEG ist nahe, aber die Menschen suchen ihn in weiter Ferne. Nicht f\u00fcr einen Augenblick k\u00f6nnen wir von ihm getrennt sein. Das, wovon wir getrennt sein k\u00f6nnen, ist nicht der WEG.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der WEG ist in uns. Wir k\u00f6nnen nicht von ihm getrennt werden. Es empfiehlt sich, lange bei diesem Satz zu verweilen. Der Satz kann bereits einen gewissen Zugang zum Zen er\u00f6ffnen. Mehr noch als der Konfuzianismus hat der Taoismus den Zen-Weg und den Weg der japanischen K\u00fcnste beeinflusst. Das chinesische Schriftzeichen f\u00fcr das kosmische Prinzip TAO (WEG) wurde zum Do japanischer K\u00fcnste. Denken wir etwa an Sho-do, den Weg der Kalligraphie, Sa-do, den Weg der Teezeremonie, Ka-do, den Weg des Blumensteckens. Wenn wir diese K\u00fcnste praktizieren und vor allem, wenn wir Zen \u00fcben, finden wir den Weg. Wir finden ihn als das Umfassende, Absolute, das zugleich ganz konkret und allt\u00e4glich ist und \u2013 wie gesagt \u2013 einfach. Einfach und allt\u00e4glich wie das Trinken einer Tasse Tee.<span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Zen so einfach ist, wozu braucht es einen Lehrer? Ich kenne einen Kart\u00e4userm\u00f6nch, der nur mit Hilfe von B\u00fcchern Zen praktiziert hat und zu einer gewissen Einsicht gekommen ist. Doch das ist die Ausnahme. Im allgemeinen ist eine Begleitung n\u00f6tig, sei es aus Gr\u00fcnden der Motivation, sei es um Umwege oder gar Irrwege zu vermeiden, sei es, weil nur so die Reinhaltung des Zen, dieses traditionsreichen Weges, gew\u00e4hrleistet ist.<span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcrgen wird ein guter Begleiter sein. Er hat in einem jahrelangen Prozess seine tiefe Zen-Erfahrung ins Leben integriert und in ungez\u00e4hlten Eins\u00e4tzen als Assistent seine Zuverl\u00e4ssigkeit und seine Umsicht unter Beweis gestellt. Qualit\u00e4ten, die \u00fcbrigens im Namen, den Dieter Wartenweiler und ich f\u00fcr J\u00fcrgen ausgew\u00e4hlt haben, zum Ausdruck kommt.<a name=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[i]<\/a><span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u00dcbrigen gilt f\u00fcr das Zen, wie f\u00fcr alle ernstzunehmenden spirituellen Wege, das Verbot der Nachahmung des Meisters oder Lehrers. In den Erz\u00e4hlungen der Chassidim zum Beispiel \u00fcberliefert Martin Buber ein Wort des sterbenden Rabbi Sussja: \u00abIn der kommenden Welt wird man nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?\u00bb<span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ziel der Zen-Schulung ist also nicht, den Lehrer oder irgendeinen alten Meister zu kopieren. Das w\u00e4re ein schlechtes Zeugnis f\u00fcr einen Lehrer, denn ein guter Lehrer bringt Originale hervor und keine Kopien. J\u00fcrgen ist ein `Original`. <span style=\"letter-spacing: 0.3px;\">Zen und via integralis: Der 21. November 2020 wird auch ein wichtiges Datum f\u00fcr die via integralis sein. Als der Ort, wo Ost und West, Zen und christliche Mystik sich begegnen, steht es dieser Kontemplationsschule gut an, einen Zen-Lehrer zum Pr\u00e4sidenten zu haben. J\u00fcrgen wird daf\u00fcr besorgt sein, dass in der via integralis auch in Zukunft ernsthaft Zazen praktiziert wird. Die Verbindung von christlicher Mystik und jener des Zen ist keine theoretische, sondern will in der Praxis Gestalt gewinnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a name=\"_edn1\" style=\"letter-spacing: 0.3px;\" href=\"#_ednref1\">[i]<\/a><span style=\"letter-spacing: 0.3px;\"> Der Lehrer-Name f\u00fcr J\u00fcrgen wurde bei der Ernennungs-Feier am 21. November 2020 bekannt gemacht und lautet \u00abKENZAN\u00bb &#8211; Solider Berg. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. November 2020 wird Niklaus Brantschen \u2013 er hat zusammen mit Pia Gyger vor bald zwanzig Jahren eine Zen-Linie und die Kontemplationsschule via integralis gegr\u00fcndet \u2013 J\u00fcrgen Lembke zum Zen-Lehrer ernennen. 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