{"id":2753,"date":"2020-11-27T00:08:52","date_gmt":"2020-11-26T23:08:52","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=2753"},"modified":"2020-11-16T14:11:50","modified_gmt":"2020-11-16T13:11:50","slug":"was-muss-ich-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2020\/11\/27\/was-muss-ich-tun\/","title":{"rendered":"Was muss ich tun?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">von Regula Tanner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00abWas muss ich tun<\/em>\u2026\u00bb Diese Frage stellt sich im Alltag zurzeit fast t\u00e4glich. Vielleicht in Varianten wie: \u00ab<em>Was soll ich tun\u00bb<\/em>, \u00ab<em>Was darf ich tun?\u00bb<\/em>, oder auch \u00ab<em>Was soll ich gerade nicht tun?\u00bb.<\/em> Es sind Fragen, die dort gestellt werden, wo die eingeschliffenen Muster nicht mehr tragen oder durch neue Entwicklungen durchbrochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Bibel wird die Frage \u00ab<em>Was soll ich tun?\u00bb<\/em> zweimal mit einer Fortsetzung gestellt: <em>\u00abWas muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?\u00bb <\/em>Einmal ist es der reiche J\u00fcngling (Lukas 18,18-27), einmal ein Gesetzeslehrer (Lk 10,25). Beide stellen die Frage aus dem Wunsch heraus, lebendiger zu werden und \u00fcber den Tod hinaus lebendig zu bleiben. \u00abEwiges Leben\u00bb steht f\u00fcr sie f\u00fcr die Sehnsucht, das Leben in F\u00fclle zu haben &#8211; im Jenseits, aber auch im Diesseits, denn dieses Leben hat keinen Anfang, kein Ende und wird durch keinen Tod beschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Gespr\u00e4che zwischen Jesus und den Fragern entwickeln sich jeweils unterschiedlich: Der reiche J\u00fcngling wird aufgefordert, seinen ganzen Reichtum wegzugeben. Der Gesetzeslehrer wird zuerst an die Gebote erinnert und dann erz\u00e4hlt ihm Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage bekommt also bereits in der Bibel unterschiedliche Antworten. Beiden Antworten ist aber gemeinsam, dass sie sich erstaunlicherweise nicht auf der Ebene von S\u00fcnde und Vergebung bewegen. Die Beziehung zwischen Gott und den Fragern ist nicht unterbrochen. Da l\u00e4uft nichts falsch. Sie sind in Gott und mit ihm. Trotzdem ist da aber mehr Sehnsucht nach Lebendigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antworten bewegen sich auf der Ebene der Sorge um die Armen, Schwachen, Kranken und Verletzten: Die Hingabe an die Not der Mitmenschen macht lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der reiche J\u00fcngling ist mit der Antwort erst mal \u00fcberfordert und wird traurig und geht weg. Was er dann am Ende tut, wissen wir aber nicht. Jesus h\u00e4lt offen, dass alles m\u00f6glich ist. Ebenfalls beim Gesetzeslehrer: Was er von der Geschichte in sein Handeln umsetzt, wird nicht erz\u00e4hlt. Und das ist gut so. Diese weise Offenheit der Bibel erinnert daran, dass diese Frage eine individuelle Antwort finden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00ab<strong>Was muss ich tun, damit ich durch und durch lebendig werde?<\/strong>\u00bb<\/em> F\u00fcr die Einen heisst es vielleicht, die Stille zu pflegen und die ganze Not der Welt im Herzen zu vereinen, zu wandeln und stellvertretend zu hoffen. F\u00fcr andere heisst es, im nahen Umfeld f\u00fcr andere da zu sein. In Familie, Beruf und freiwilligen Engagements gibt es unz\u00e4hlige M\u00f6glichkeiten, aus dieser inneren Haltung der Hingabe zu handeln. Wer Einfluss, Macht und Geld hat, findet seine Lebendigkeit im Einsetzen dieser Mittel zum Wohle der Menschheit. Die eigene Lebendigkeit w\u00e4chst in dem Mass, in dem die Lebendigkeit der Umgebung w\u00e4chst. Eine individuelle Antwort auf diese Frage heisst also gerade nicht, dass es bei einer Nabelschau bleibt, sondern dass aus der Verbundenheit mit jedem Menschen, jedem Lebewesen und der ganzen Sch\u00f6pfung und dem g\u00f6ttlichen Urgrund die gelebte Antwort eine Liebeserkl\u00e4rung an die Krisengeplagten, Kranken, Schwachen und Verarmten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann, wird ein solcher Anspruch formuliert, leicht in Stress geraten oder einem Moralismus verfallen. Das ist vielleicht dem reichen J\u00fcngling passiert, als er h\u00f6rte, wie sein Weg zur Lebendigkeit aussehen w\u00fcrde. Doch auch das gilt es loszulassen, denn das eigene Handeln ist das, was an Antworten auf die N\u00f6te dieser Welt in mir selbst geboren wird. Der kontemplative Weg hilft zuzulassen, dass die eigene Lebendigkeit aus Gott, das heisst aus der eigenen unendlichen Tiefe, ersteht, oder wie Meister Eckehart es sagt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott und ich, wir sind eins<br>Er wirkt, und ich werde<br>Dieses Werden ist unendlich weit, unendlich lange und unendlich gross:<br>Im Innersten und H\u00f6chsten der Seele<br>Erschafft Gott diese ganze Welt.<br>Alles, was vergangen ist, und alles, was gegenw\u00e4rtig ist, und alles was zuk\u00fcnftig ist, das schafft Gott im Innersten der Seele.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abWas muss ich tun\u2026\u00bb Diese Frage stellt sich im Alltag zurzeit fast t\u00e4glich. Vielleicht in Varianten wie: \u00abWas soll ich tun\u00bb, \u00abWas darf ich tun?\u00bb, oder auch \u00abWas soll ich gerade nicht tun?\u00bb. Es sind Fragen, die dort gestellt werden, wo die eingeschliffenen Muster nicht mehr tragen oder durch neue Entwicklungen durchbrochen werden. 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