{"id":5408,"date":"2021-11-26T06:02:00","date_gmt":"2021-11-26T05:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=5408"},"modified":"2022-04-22T17:45:50","modified_gmt":"2022-04-22T15:45:50","slug":"interview-mit-sepp-seitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2021\/11\/26\/interview-mit-sepp-seitz\/","title":{"rendered":"Interview mit Sepp Seitz"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\"><strong>gef\u00fchrt von Adrian Zimmermann im August 2021<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein warmer, sonniger Nachmittag im August. Wir treffen uns bei Sepp zuhause&nbsp;in Burgdorf. Wir sitzen&nbsp;auf der Terrasse, vor uns ein \u00fcppiger Garten, rundherum weitere Mehrfamilienh\u00e4uschen aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.&nbsp;<br>Nach kurzer Zeit kommt ein junges M\u00e4dchen in den Garten und fragt Sepp neugierig, wer ich sei und was ich denn hier machen w\u00fcrde. Es ist Milkana aus Eritrea, die zusammen mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern seit viereinhalb Jahren im ersten Stock wohnt. Nach einigen Akrobatikkunstst\u00fccken und weiteren Fragen gibt sie sich schliesslich zufrieden und l\u00e4sst uns allein. Man merkt, sie ist hier zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Lieber Sepp, wir kennen uns schon l\u00e4nger, seit 2004, waren beide Zen-Sch\u00fcler von Niklaus Brantschen und haben gemeinsam den ersten Lehrgang der via integralis absolviert. Wie bist du eigentlich zum Zen gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Das war 1998, nachdem ich meine berufsbegleitende Ausbildung zum Sozialp\u00e4dagogen abgeschlossen hatte. Nach all dem vielen Stoff hatte ich pl\u00f6tzlich wieder Luft. Ein Hunger nach Spiritualit\u00e4t stellte sich ein, und nachdem mir jemand zwei B\u00fccher der amerikanischen Zen-Meisterin Joko Beck zu Lesen gegeben hatte, wusste ich: Jawohl \u2013 das ist es! Ich war selber \u00fcberrascht, wie klar das mir mit einem Mal war. So kam ich zum Zen bei Niklaus Brantschen im Lassalle-Haus und fand dann auch eine Meditationsgruppe in Bern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Das klingt nach einem klaren, m\u00fchelosen und leichten Entscheid.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Oh nein, da gab es viel Suchen und Zaudern. Das war ein weiter Weg bis dorthin: Weisst du, ich bin im Appenzell in ganz einfachen, \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen aufgewachsen. Wir lebten in einer kleinen Welt, gepr\u00e4gt vom katholischen Volksglauben. F\u00fcr uns war damals klar, dass die Reformierten ins Fegefeuer kommen werden\u2026<br>Als drittes von acht Geschwistern hatte ich das Gl\u00fcck, eine Lehre als Feinmechaniker machen zu d\u00fcrfen. So stand ich nach der Lehre auf eigenen Beinen, arbeitete in verschiedenen Stellen in der ganzen Schweiz und genoss das Leben.&nbsp;<br>Nach einigen Jahren sp\u00fcrte ich aber, dass das f\u00fcr mich so nicht mehr stimmte, und geriet in eine Krise. So beschloss ich mit 27, einfach mal aufzubrechen und in die Welt hinauszugehen. Heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ahnungslos und blau\u00e4ugig ich damals aufbrach \u2013 auch in der \u00dcberzeugung: Katholischer Christ sein ist das einzig Richtige!&nbsp;<br>Ich reiste auf dem Landweg bis nach Indien, und sp\u00e4ter auch nach S\u00fcdostasien und Australien. Ich besuchte viele heilige St\u00e4tten, sass oft in den Moscheen, hinduistischen und buddhistischen Tempeln und sah die unz\u00e4hligen Gl\u00e4ubigen, wie sie voller Hingabe beteten und niederknieten. Sollten diese Menschen denn nicht gut sein? Mehr und mehr begann mein katholisches Weltbild zu br\u00f6ckeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Dann hast du also deine interreligi\u00f6se \u00d6ffnung ganz durch eigene Anschauung gewonnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Ja, ich habe alles durch Zu-schauen und Wahr-nehmen aufgenommen. Und dass das m\u00f6glich ist, war f\u00fcr mich wohl eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Reise. Ich konnte das so erfahren und mitnehmen, ich musste nichts lesen.<br>Ich bin sowieso nicht der intellektuelle Typ. Wir hatten zuhause ja selten etwas gelesen und kaum B\u00fccher. Auch keine Bibel. Die war ja dem Pfarrer zur Auslegung vorbehalten. Ich kann mich gut erinnern, einmal brachte der Vater eine wunderbare, alte Lutherbibel heim. Da sagte die Mutter klipp und klar: \u00abMorgen ist die nicht mehr im Haus!\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: F\u00fcr mich als reformierten Stadtmenschen klingt das unglaublich!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Nach diesen ausgedehnten Reisen arbeitete ich schliesslich viereinhalb Jahre f\u00fcr Interteam in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika. In Lesotho betreute ich die technische Intrastruktur eines ganzen Spitals, was beruflich wohl eine meiner gr\u00f6ssten Herausforderungen war. Das ging \u00fcber Warten und Reparieren von medizinischen Ger\u00e4ten, Generatoren und Autos weit hinaus. Das hiess auch H\u00e4user in Stand halten; oder, ganz wichtig f\u00fcr ein Spital, fliessendes, sauberes Wasser bereitzustellen und je nach Jahreszeit zu rationieren oder zu speichern. Und die letzten eineinhalb Jahre ging es auch darum, das einheimische technische Personal so zu schulen und mit den n\u00f6tigen Pl\u00e4nen zu versorgen, dass sie nach meiner Abreise den Betrieb in Eigenregie weiterf\u00fchren konnten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Und wohin f\u00fchrte dich deine n\u00e4chste Etappe?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: 1989 kehrte ich dann, mit 39 Jahren, wieder in die Schweiz zur\u00fcck. Allerdings war es nach 12 Jahren im Ausland nicht einfach, hier wieder Fuss zu fassen. Dennoch wusste ich, dass nun die Wanderjahre vorbei sein w\u00fcrden, ich hier sesshaft werden wollte und der Weg nach Innen beginnen w\u00fcrde. Allerdings musste ich beruflich nochmals neu anfangen. Ich begann eine berufsbegleitende Ausbildung zum Sozialp\u00e4dagogen und kam so mit Psychologie und P\u00e4dagogik in Kontakt. Die neuen F\u00e4cher interessierten mich und f\u00fchrten dazu, dass ich erstmals in meinem Leben ein reflektierendes Bewusstsein entwickelte. Das sollte mich aber nicht davor bewahren, dass ich ein paar Jahre nach Abschluss der Ausbildung wieder in eine Sinnkrise geriet, bevor ich dann, wie eingangs erw\u00e4hnt, zum Zen fand.&nbsp;<br>Zu Beginn \u00fcbte ich intensiv und besuchte viele Sesshins. Dann kamen die Lehrg\u00e4nge \u00abKontemplationslehrer via integralis\u00bb und \u00abHoffnung braucht neue Wege\u00bb hinzu. Mir wurde bewusst: Mystiker aller Religionen machen letztlich dieselbe Erfahrung, es unterscheiden sich allenfalls die Sprache und der religi\u00f6se Kontext. Was ich auf meinen Reisen an Anschauung gewonnen hatte, best\u00e4tigte sich nun in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen mystischen Traditionen und f\u00fchlte sich stimmig an. Nun begann ich Mystiker-Texte zu lesen \u2026 und kaufte mir schliesslich auch eine Bibel.&nbsp;<br>Nach Abschluss der via integralis erlebte ich so etwas wie einen Quantensprung in der spirituellen Entwicklung, eine unglaubliche \u00d6ffnung und neue Freiheit. Die erste \u00d6ffnung war mein Aufbruch in die Welt gewesen; die zweite \u00d6ffnung war nun der Aufbruch in die Mystik aller Religionen. Weniger durch Studium und Anh\u00e4ufung von Wissen, sondern durch Anschauung und Erfahrung!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Und wie hat sich das ausgewirkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Meine Partnerin Kathrin und ich waren damals ja beide in Sozialberufen t\u00e4tig. Zugleich sp\u00fcrten wir, dass wir dem Sozialen auch in unserem privaten Alltag mehr Raum geben wollten. Als sie dann einen ansehnlichen Geldbetrag erben konnte und wir nach einem Haus Ausschau hielten, war f\u00fcr uns beide klar, dass so ein Projekt nicht nur uns zugutekommen sollte. Uns schwebte vor, damit auch einen Ort f\u00fcr Menschen in Krisensituationen zu schaffen, die einen Bedarf nach Auszeit hatten. Als wir dann 2008 auf dieses Haus stiessen und sahen, dass so ein Projekt hier realisierbar war, entschieden wir uns f\u00fcr den Kauf. Der Umbau war recht umfangreich, aber ich konnte bei vielen Arbeiten tatkr\u00e4ftig mithelfen. Seither haben wir in unserem Erdgeschoss eine Einzimmerwohnung integriert, die sich je nach Bedarf abtrennen l\u00e4sst. Gegenw\u00e4rtig wird sie allerdings von uns und unseren eritreischen \u00abEnkelkindern\u00bb als Musik- und Spielzimmer genutzt.<br>Beruflich arbeitete ich 14 Jahre in der Stiftung R\u00fcttihubelbad in einer anthroposophisch ausgerichteten sozialtherapeutischen Gemeinschaft und begleitete Menschen mit einer psychischen oder geistigen Beeintr\u00e4chtigung. Nach sechs Jahren in Leitungsfunktion&nbsp;ging ich&nbsp;2014&nbsp;ein Jahr vorzeitig in Pension. Ich plante einen behutsamen \u00dcbergang in den neuen Lebensabschnitt mit einer Auszeit im Lassalle-Haus und im Fernblick. Doch dann meldete sich pl\u00f6tzlich mein K\u00f6rper und forderte vehement seine \u00abRevision und Neuausrichtung\u00bb. Binnen eines halben Jahres hatte ich drei Operationen, darunter eine Herzoperation, zu \u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Wie war das f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: So eine Operation am offenen Herzen geht schon sehr ans Lebendige. Auf der einen Seite war die Gesundung mit der ganzen Reha nat\u00fcrlich langwierig und beschwerlich. Andererseits muss ich auch sagen: Das war wohl der wunderbarste Fr\u00fchling und Sommer meines Lebens. Ich musste \u00fcberhaupt nichts und konnte einfach sein; ich hatte Zeit und konnte mit offenen Augen alles neu wahrnehmen. Ich erinnere mich noch gut an die erste gr\u00f6ssere Wanderung nach der Operation, vom Brienzer Rothorn an den Lungernsee: Dankbar f\u00fcr all die kleinen Fortschritte, war ich schlicht \u00fcberw\u00e4ltigt ob der Pracht des Bergfr\u00fchlings!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Dann hast du also diese Zeit des Nicht-M\u00fcssens, auch wenn du sie dir nicht ausgesucht hattest, als Geschenk erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Ja, durchaus!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Und wie hast du dir diese Haltung im heutigen Alltag bewahren k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Nicht so sehr, wie ich m\u00f6chte! Wie du ja weisst, engagiere ich mich in der freiwilligen Fl\u00fcchtlingsarbeit. Der Verein \u00abBurgdorf integriert\u00bb unterh\u00e4lt in unserer Kirchgemeinde einen offenen Treffpunkt f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge aus dem nahe gelegenen Durchgangszentrum. Die meisten kommen aus Eritrea, \u00c4thiopien, und nat\u00fcrlich auch aus Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan. Anfangs waren es meist junge M\u00e4nner mit oft traumatischen Erfahrungen, die auf einen beh\u00f6rdlichen Asylentscheid warten und sich irgendwie im Alltag zurechtfinden m\u00fcssen. In den letzten Jahren kamen auch Frauen und Kinder, vereinzelt durch&nbsp;Familiennachzug, und jetzt nat\u00fcrlich junge Afghanen. Heute Morgen, zum Beispiel, waren wir im \u00abMama Afrika\u00bb \u2013 so nennen die Asylsuchenden diesen Treffpunkt im Kirchgemeindehaus liebevoll \u2013 sechs Schweizer, die 15 Fl\u00fcchtlinge jeweils in Kleingruppen in Deutsch unterrichtet haben. Der Unterricht&nbsp;orientiert sich&nbsp;ganz konkret an ihren allt\u00e4glichen Problemen und schliesst gelegentlich auch den Umgang mit Beh\u00f6rden ein. Das kann bisweilen ganz sch\u00f6n aufwendig werden. Ich habe mal mit einem Asylsuchenden 30 Wohnungen besichtigt, da sie sonst ohne einheimische Begleitung kaum eine Chance gehabt h\u00e4tten eine Wohnung zu finden.&nbsp;Aber mir gef\u00e4llt diese Arbeit mit den Asylsuchenden, da sie in aller Regel sehr dankbar sind f\u00fcr jegliche Art von Austausch und Unterst\u00fctzung, und nat\u00fcrlich auch, weil ich viele ihrer Heimatl\u00e4nder bereisen durfte und selbst aus einfachen Verh\u00e4ltnissen stamme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Aber du engagierst dich ja noch \u00fcber diese Deutschkurse hinaus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Ja, ich arbeite auch mit im HEKS-Garten, wo wir mit den Fl\u00fcchtlingen Gem\u00fcse anbauen. Da geht es nat\u00fcrlich nicht nur um g\u00e4rtnerisches Wissen und Hilfe zur Selbstversorgung, sondern auch um&nbsp;Begegnung&nbsp;und Austausch, um Integration und um ein wenig Auszeit \u2013 Paradiesgarten \u2013 im oft belastenden Alltag. Letztes Jahr war sogar Fernsehen SRF da und hat f\u00fcr die Reihe \u00abHinter den Hecken\u00bb einen halbst\u00fcndigen <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/redirect\/detail\/32b9afa9-afa8-414b-9875-9e739fc836c6\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/redirect\/detail\/32b9afa9-afa8-414b-9875-9e739fc836c6\">Beitrag \u00fcber unseren Integrationsgarten in Burgdorf<\/a>&nbsp;gedreht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/hinter-den-hecken\/video\/integrationsgarten-in-burgdorf-be-staffel-3-folge-7?urn=urn:srf:video:32b9afa9-afa8-414b-9875-9e739fc836c6\"><\/video><figcaption>Beitrag in &#8220;Hinter den Hecken&#8221; des SRF<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann wurde ich im \u00abMama Afrika\u00bb nat\u00fcrlich auch \u00f6fters nach einer Wohnung gefragt. So haben wir die beiden Wohnungen im ersten und zweiten Stock unseres Hauses, als sie dann frei wurden, an Asylsuchende vermietet. Im zweiten Stock wohnen drei junge Afghanen, die mit 16 Jahren in die Schweiz gefl\u00fcchtet sind und bald ihre Ausbildung fertig machen. Da hilft Kathrin ab und zu bei beh\u00f6rdlichen Fragen, ich eher bei schulischen Problemen. Im ersten Stock wohnt seit viereinhalb Jahren eine eritreische Familie. Milkana, die zweit\u00e4lteste, hast du ja zu Beginn kennengelernt. Das heisst, eigentlich sind es nur die Mutter und die vier Kinder. Der Vater reiste erst sp\u00e4ter nach, aber aus Angst er werde in der Schweiz abgewiesen, versuchte er es in Luxemburg und hat dort Asyl bekommen. Da k\u00e4mpfen wir schon geraume Zeit daf\u00fcr, dass die beiden j\u00fcngeren Kinder, die in der Schweiz geboren sind, eine beh\u00f6rdliche Anerkennung des Vaters und der Nationalit\u00e4t erhalten. Das ist sehr schwierig, weil offizielle, in der Schweiz anerkannte Papiere fehlen. Aber wir hoffen jetzt, dass das indirekt \u00fcber die Anerkennung in Luxemburg m\u00f6glich sein wird. Und wir hoffen auch, dass mittelfristig ebenfalls eine Zusammenf\u00fchrung der Familie m\u00f6glich sein wird. Die Kinder sehen ihren Vater nur sporadisch, haben aber eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig gute Beziehung zu ihm. Daf\u00fcr sind sie fast t\u00e4glich bei uns und kommen mit ihren Schulaufgaben und allerlei anderen Dingen. Kathrin und ich nehmen da eine Grosselternfunktion wahr, und selbst ihre Mutter sagt, die \u00e4lteren beiden seien eigentlich unsere Kinder. Die Eltern wollen und k\u00f6nnen wir nicht ersetzen. Aber f\u00fcr uns als kinderloses Paar ist diese Gemeinschaft ein grosses Gl\u00fcck, und f\u00fcr alle Beteiligten ein gegenseitiges Geben und Nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ: Das scheint mir auch so und freut mich sehr f\u00fcr euch. Aber da seid ihr ja mit allem ganz sch\u00f6n ausgelastet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SS: Ja, das kann man wohl sagen. Und da musste ich auch Sorge tragen. Seit gut einem Jahr stehe ich morgens fr\u00fch auf und g\u00f6nne mir t\u00e4glich meine \u00abInselzeit\u00bb, in der ich ungest\u00f6rt meditieren, spazieren, Musik h\u00f6ren und schreiben kann. Da bin ich ganz bei mir, und das tut mir gut. Nat\u00fcrlich sitze ich auch mit der Meditationsgruppe im aki der Uni Bern, aber eigentlich \u00e4ussert sich die spirituelle Praxis mehr und mehr im t\u00e4glichen Tun und Sein. Ich stelle auch fest, dass ich mich mehr und mehr von Medien und B\u00fcchern distanziere. Das Sein in der Natur, das direkte, ungebrochene Schauen und Erleben wird mir immer wichtiger. Und das erlebe ich so auch ganz konkret mit den Kindern im Haus. Ich muss nicht viel machen, einfach ganz da sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich so auf mein Leben und die bescheidenen Anf\u00e4nge im Appenzell zur\u00fcckblicke, so staune ich selber \u00fcber den weiten Weg und die F\u00fclle des Lebens, die ich erleben durfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ.: Lieber Sepp, ich danke dir f\u00fcr dieses ausf\u00fchrliche und offene Gespr\u00e4ch \u2013 und ganz besonders danke ich dir f\u00fcr dein Engagement.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gef\u00fchrt von Adrian Zimmermann im August 2021 Es ist ein warmer, sonniger Nachmittag im August. Wir treffen uns bei Sepp zuhause&nbsp;in Burgdorf. 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