{"id":734,"date":"2019-11-08T14:38:37","date_gmt":"2019-11-08T13:38:37","guid":{"rendered":"http:\/\/s774323011.online.de\/?p=734"},"modified":"2022-05-06T01:01:28","modified_gmt":"2022-05-05T23:01:28","slug":"es-ist-ein-privileg-den-weg-nach-innen-gehen-zu-duerfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2019\/11\/08\/es-ist-ein-privileg-den-weg-nach-innen-gehen-zu-duerfen\/","title":{"rendered":"Es ist ein Privileg, den Weg nach Innen gehen zu d\u00fcrfen"},"content":{"rendered":"<h2>Das aktuelle Interview mit Hildegard Schmittfull von Claudia Nothelfer, November 2019<\/h2>\n<p><strong><em>Claudia Nothelfer (CN): Liebe Hildegard, die letzten Jahre waren mit viel Abschied verbunden, von Pia Gyger, vom Fernblick, vom Gemeinschaftshaus des Katharina-Werks an der Holeestrasse \u2013 und auch dieses zu Ende gehende Jahr bringt wieder einen Abschied mit sich: du legst dein Amt als Spirituelle Leiterin der via integralis in andere H\u00e4nde und beendest damit auch deine Mitarbeit im Ausbildungsteam des dreij\u00e4hrigen Lehrgangs. Beides ist noch fast unl\u00f6sbar mit deiner Person verbunden. Wie geht es dir selbst in diesem \u00dcbergang?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Hildegard Schmittfull (HS):<\/strong>\u00a0Das stimmt, ich bin jetzt in einem Alter, in dem Abschiede mich begleiten. Ich denke oft in Dankbarkeit an Pia Gyger und an Niklaus Brantschen, unseren Gr\u00fcnderpers\u00f6nlichkeiten. Ich durfte, zusammen mit Bernhard Stappel, 2012 in ihre Nachfolge treten, nachdem wir bereits vorher 5 Jahre lang die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der vi innehatten. Jetzt ist die Zeit gekommen, mein Amt weiterzugeben. Ich tue dies voll Freude. Zum einen sp\u00fcre ich eine gewisse M\u00fcdigkeit, denn die Zeit des Aufbaus war sehr arbeitsintensiv. Zum anderen habe ich das Gef\u00fchl, das Haus ist bestellt. Damit vi weiter wachsen kann, braucht es j\u00fcngere Leute. Zum Gl\u00fcck haben wir in unserer Lehrerschaft sehr kompetente Kollegen und Kolleginnen, so schaue ich zuversichtlich in die Zukunft.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Es erscheint mir wie gestern, als Pia Gyger und Niklaus Brantschen dir und Bernhard Stappel in einem feierlichen Akt die Spirituelle Leitung der via integralis \u00fcbergegeben haben. Du hast als Leiterin und Lehrerin den angehenden Kontemplations-lehrerInnen der vi sehr viel mit auf den Weg gegeben, menschlich, spirituell und theologisch. Gew\u00e4hr uns nun bitte einen Blick \u00abhinter die Kulissen\u00bb der Spirituellen Leitung und wie du dich aus deiner Sicht in dieser Aufgabe finden und entfalten konntest. Was war dir besonders wichtig?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Es war eine Aufgabe, die mir sehr entsprochen hat. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit der Praxis der Zen-Meditation und der Kontemplation bereits \u00fcber 30 Jahre lang unterwegs, ich hatte ein Theologiestudium hinter mir und habe lange Zeit Menschen therapeutisch und spirituell begleitet. Nun mit anderen KontemplationslehrerInnen \u201eeine Linie\u201c aufzubauen, wie wir es anfangs nannten, war ein aufregendes und spannendes Ereignis. Zum einen war da eine LehrerInnengruppe, die laborm\u00e4ssig Zen und christliche Mystik als einen sich befruchtenden Weg entfalteten und reflektierten. Wir hatten bis dato kein Modell daf\u00fcr. Z.B. begannen wir etwa 2008 mit der Entfaltung eines Initiationsweges auf der Basis von biblischen Schl\u00fcssels\u00e4tzen. Ein weiterer Schwerpunkt unseres Engagements war zu dieser Zeit, kollegiale und hierarchische Strukturen in Einklang zu bringen, so dass die operativen Gesch\u00e4fte demokratisch gehandhabt werden konnten, w\u00e4hrend die Beauftragung der Lehrer und Lehrerinnen ein hierarchischer Vollzug war. Das bedeutet, die Vollmacht wird weitergegeben wie z.B. bei einer Priesterweihe. Zum zweiten ging es darum, die Lassalle-Kontemplationsschule LKS inhaltlich und strukturell weiter zu entwickeln. Ich hatte mich schon vorg\u00e4ngig lange mit mystischer Theologie besch\u00e4ftigt. So war das eine Gelegenheit, lustvoll eine F\u00fclle von Themen , zu entfalten, zu vertiefen und zu integrieren. Z.B. die christlichen Mystiker und Mystikerinnen, die Geschichte der christlichen Kontemplation und der Zen-Tradition, u.a.. Es war uns ein Herzensanliegen, den Blick \u00fcber das eigene G\u00e4rtlein hinaus zu werfen z.B. auf die transpersonale Psychologie oder auch den Dialog zwischen Mystik und Naturwissenschaft\/Quantenphysik zu suchen. Inzwischen haben wir den 4. Ausbildungsgang der LKS abgeschlossen und z\u00e4hlen etwa 100 vi LehrerInnen. Bereits im letzten Ausbildungsgang haben wir die Hauptleitung der Ausbildung in j\u00fcngere H\u00e4nde gelegt. Zum dritten haben wir den Aufbau eines Zweiges der vi in Lettland begleitet. In einem unserer letzten Newsletter war ein Interview mit Juris Rubenis, in dem davon berichtet wurde.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Du bist auch Zen-Lehrerin. Wie spielte das zusammen, als Zen-Lehrerin zugleich die Spirituelle Leitung einer christlichen Kontemplationsschule inne zu haben? Haben sich die beiden Wege in deiner Funktion erg\u00e4nzt und befruchtet?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Das kann ich aus vollem Herzen bejahen. Ende der 70 er Jahren begann ich Zen-Meditation zu praktizieren. Ein Gewinn meines Weges liegt darin, dass ich \u00fcber Zen zu einem neuen Zugang in meine christliche Tradition gefunden habe. Es ist einfach spannend, zu realisieren, wie die letzte Wirklichkeit in verschiedenen Traditionen erfahren und in Sprache gebracht wird. Es war dar\u00fcber hinaus ein grosses Geschenk, dass ich bei Niklaus Brantschen und Pia Gyger den Koan-Weg gehen durfte und dar\u00fcber meine Kenntnisse \u00fcber die buddhistische Zen-Tradition vertiefen konnte. Nicht zuletzt war das f\u00fcr mich die beste Vorbereitung f\u00fcr die Entfaltung des Initiationsweges mit biblischen Schl\u00fcssels\u00e4tzen.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Deine Nachfolgerin ist bestimmt, Regula Tanner wird zusammen mit Margrit Wenk die Spirituelle Leitung von dir und Bernhard Stappel \u00fcbertragen bekommen. Hast du W\u00fcnsche an eure Nachfolgerinnen? Was sollten sie weiterf\u00fchren oder auch \u00e4ndern, was besonders im Auge haben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Ich glaube, dass beide eine grosse Kompetenz und spirituelle Autorit\u00e4t mitbringen, um diese Aufgabe wahrzunehmen. Da habe ich grosses Vertrauen. Da unsere Gruppe gr\u00f6sser wird, wird auch die Integrationsarbeit intensiver. Aber sie sollen wissen, dass es viele Kr\u00e4fte gibt, die sie unterst\u00fctzen werden.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Bis vor zwei Jahren war das Katharina-Werk Tr\u00e4gerin der via integralis, heute ist die vi formal ein Verein. Sie ist gewissermassen dem Katharina-Werk erwachsen, durch Pia Gyger, deren \u00abKind\u00bb die via integralis war. Was war genau die Rolle eurer Gemeinschaft in der via integralis durch all die Jahre?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Pia Gyger und Niklaus Brantschen als Gr\u00fcnderin und Gr\u00fcnder war es ein Anliegen, eine solide Basis f\u00fcr die vi schaffen. Und so lag es nahe, dass das Katharina-Werk Tr\u00e4gerin wurde, nachdem das Lassalle-haus abgelehnt hatte. Da \u00fcber Pia die meisten Katharinen kontemplierten, wurde auch eine starke Gruppe von uns Mitglied in der vi. Dar\u00fcber hinaus hat das Katharina-Werk uns tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt sowohl personell als auch mit R\u00e4umlichkeiten und Infrastruktur. Mit Bernhard und mir sind mehrere Mitglieder des Katharina-Werkes in die Leitung und in die Ausbildungsgruppe der vi gerufen worden. Nicht zuletzt bin ich grossz\u00fcgig freigestellt worden f\u00fcr die Aufbauarbeit, die sehr zeitintensiv war..<\/p>\n<p><strong><em>CN: Gehen wir noch weiter zur\u00fcck: Wie hast du denn selbst, als fr\u00fchere Sozialarbeiterin und sp\u00e4tere Theologin zum Katharina-Werk gefunden? Erz\u00e4hl uns bitte etwas aus deinem Leben, deiner Ursprungs-Sehnsucht und Motivation.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Ich habe fr\u00fcher viel und gerne gearbeitet und hatte dabei das Gl\u00fcck, mich selbst verwirklichen zu k\u00f6nnen. Aber irgendwann kam die Zeit, in der ich mich fragte, ob das alles in meinem Leben war. Und dann lernte ich ganz zuf\u00e4llig die Zen-Meditation kennen. Das war das Beste, was mir in meinem Leben geschehen konnte. Ich habe es immer als Privileg empfunden, diesen Weg nach innen gehen zu d\u00fcrfen und die Erfahrung zu machen, dass Gott meinem Leben Weite, Tiefe und Lebendigkeit gibt. Meine Kontemplationspraxis hat meine Grenzen gesprengt und mich verbunden mit der ganzen Welt.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Wie siehst du dein weiteres inneres und \u00e4usseres Wirken in der via integralis? Gibt es weitere Verzichtspl\u00e4ne im Hinblick auf deine Kurst\u00e4tigkeit oder nimmst du ein neues Aufgabenfeld in den Blick? Wird sich etwas in der Begleitung deiner Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen \u00e4ndern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Noch biete ich Kontemplationskurse an. Aber ich denke im Blick mein Alter langsam daran, mein Engagement abzubauen und auch da die Kursarbeit langsam in j\u00fcngere H\u00e4nde zu legen. Ansonsten m\u00f6chte ich ein lebendiges Mitglied der LehrerInnengruppe sein, das \u2013 wenn n\u00f6tig, seine Kompetenzen zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Du darfst auf ein reiches spirituelles Leben zur\u00fcckblicken. Was ist f\u00fcr dich pers\u00f6nlich die gr\u00f6sste Herausforderung f\u00fcr die kommende Zeit und Lebensphase?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte die letzten Jahre meines Lebens und die k\u00f6rperlichen und geistigen Minderungen mit einer gewissen Gelassenheit leben k\u00f6nnen. Da bin ich noch nicht, daf\u00fcr m\u00f6chte ich \u00fcben.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Was m\u00f6chtest du der vi als Gemeinschaft mit auf den Weg geben und wie w\u00fcrdest du dein Erbe f\u00fcr die vi umschreiben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>HS:<\/strong>\u00a0Ich glaube, dass die vi etwas ganz Besonderes ist. Da sind inzwischen etwa 100 \u201eErwachte\u201c auf einem Haufen, die f\u00e4hig sind, die Menschen und die Welt nondual wahrzunehmen. Das schenkt Zugeh\u00f6rigkeit. Das ist eine gute Bedingung, ein \u201eH\u00f6heres Wir\u201c entstehen zu lassen. Solch eine Gruppe versammelt in sich eine spirituelle Kompetenz, die wie ein Energiezentrum ausstrahlen muss auf unsere Kirchen, unsere Gesellschaften und die daran mitarbeitet, den globalen Wandel zu humanisieren unsere Welt zu beseelen.<\/p>\n<p><strong><em>CN: Vielen Dank!<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Claudia Nothelfer, November 2019<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das aktuelle Interview mit Hildegard Schmittfull von Claudia Nothelfer, November 2019 Claudia Nothelfer (CN): Liebe Hildegard, die letzten Jahre waren mit viel Abschied verbunden, von Pia Gyger, vom Fernblick, vom Gemeinschaftshaus des Katharina-Werks an der Holeestrasse \u2013 und auch dieses zu Ende gehende Jahr bringt wieder einen Abschied mit sich: du legst dein Amt als&hellip;&nbsp;<a href=\"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2019\/11\/08\/es-ist-ein-privileg-den-weg-nach-innen-gehen-zu-duerfen\/\" rel=\"bookmark\">Read More &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">Es ist ein Privileg, den Weg nach Innen gehen zu d\u00fcrfen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":735,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"neve_meta_sidebar":"default","neve_meta_container":"default","neve_meta_enable_content_width":"off","neve_meta_content_width":70,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"off","neve_meta_disable_footer":"off","neve_meta_disable_title":"off","neve_meta_reading_time":"","footnotes":""},"categories":[65,37],"tags":[74,73,48,75,42],"class_list":["post-734","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interview","category-newsletter","tag-abschied","tag-alter","tag-gemeinschaft","tag-uebergabe","tag-zen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/734","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=734"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/734\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6469,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/734\/revisions\/6469"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=734"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}