{"id":8788,"date":"2024-05-31T13:42:00","date_gmt":"2024-05-31T11:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/viaintegralis.ch\/?p=8788"},"modified":"2024-11-26T08:47:47","modified_gmt":"2024-11-26T07:47:47","slug":"was-ist-kontemplation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viaintegralis.ch\/fr\/2024\/05\/31\/was-ist-kontemplation\/","title":{"rendered":"Was ist Kontemplation?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den spirituellen Quellen aller grossen Religionen gibt es Versenkungswege, die uns vom Oberfl\u00e4chenbewusstsein in die Tiefe weisen. In der christlichen Tradition ist es die \u00abKontemplation\u00bb, ein Wort, das im Mittelalter f\u00fcr das gegenstandsfreie Gebet verwendet worden ist, f\u00fcr das Gebet ohne Worte und Bilder. Es stammt vom lateinischen \u00abcontemplatio\u00bb ab, das \u00abbeschauen\u00bb meint oder noch aussagekr\u00e4ftiger \u00absein Augenmerk auf etwas richten\u00bb. \u00abCon\u00bb meint \u00abmit\u00bb, &#8211; n\u00e4mlich mit dem \u00abtemplum\u00bb verbinden, d.h. Gott und Sch\u00f6pfung vereinen. Dieser Tempel, der wir selbst sind, ist der ortlose Ort in uns, in dem wir eins sind mit dem ursprungslosen Grund aller Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Meditation&nbsp;<\/strong>wurde in der christlichen Tradition eher als umfassender, \u00fcbergeordneter Begriff verstanden bzw. als vorg\u00e4ngige \u00dcbung der Kontemplation. Sie beinhaltet diskursive Verstandest\u00e4tigkeit und bildhafte Abl\u00e4ufe, die sich mit heiligen Texten besch\u00e4ftigen, nachsinnend, nachsp\u00fcrend, versenkend, beispielsweise in das Leben und Sterben Jesu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meditation steht heute aber vor allem f\u00fcr die Versenkungs\u00fcbung aus der zen-buddhistischen Tradition und wird deshalb sprachlich oft analog zu Kontemplation verwendet. Die begleitende Unterweisung hat ihre Quelle in der Zentradition, w\u00e4hrend das innere Geschehen dem der Kontemplation sehr \u00e4hnlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kontemplierende sind eingeladen, v\u00f6llig passiv in Stille zu sitzen, sich achtsam einzusammeln im Atem, alles loszulassen bis hin zu einem Zustand des Nichtwissens bzw. einzutauchen in die dunklen N\u00e4chte (Johannes vom Kreuz) und einzukehren im Grund, um die Gegenwart Gottes zu erfahren. Das ist ein prozesshaftes Geschehen, das mit intensiven Phasen der Reinigung (\u00abvia purgativa\u00bb) verbunden ist, sowie mit einem Transformationsprozess des Ego. Die tiefe kontemplative Ruhe erweist sich als h\u00f6chste innere Aktivit\u00e4t von verwandelnder Kraft. Gott selbst bef\u00e4higt den Menschen, zu seiner Gegenwart zu erwachen. Die deutschen Mystiker, allen voran Meister Eckhart, sprechen in diesem Zusammenhang von der Gottesgeburt in der Seele. Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz (spanische Mystik) erfahren Gott als Urbild der Liebe und wissen sich zu dessen Teilhabe gerufen. Liebe motiviert zum Aufbrechen zu diesem Weg nach innen, Liebe ist\u00a0<strong>die<\/strong>\u00a0Aufgabe, zu der der Mensch im Leben berufen ist.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hildegard Schmittfull ktw<br>Kontemplationslehrerin via integralis und Zen-Lehrerin der Glassman-Lassalle Zen-Linie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den spirituellen Quellen aller grossen Religionen gibt es Versenkungswege, die uns vom Oberfl\u00e4chenbewusstsein in die Tiefe weisen. In der christlichen Tradition ist es die \u00abKontemplation\u00bb, ein Wort, das im Mittelalter f\u00fcr das gegenstandsfreie Gebet verwendet worden ist, f\u00fcr das Gebet ohne Worte und Bilder. 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