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Mit Präsenz und Mut den eigenen Schritt gehen

Erste Erfahrungen mit der Kontemplationsassistenz 

Nachdem ich im Februar 2025 mit dem Lehrgang zur Ausbildung als Kontemplationslehrerin via integralis begonnen hatte, erhielt ich im Oktober 2025 die Gelegenheit, den Dienst einer Assistenz in der Kontemplationswoche mit Margrit und Charlie Wenk im Felsentor zu üben. 

Die Hauptaufgabe der sogenannten “dritten” Assistenz in den Kontemplationswochen ist, den Meditierenden eine Unterstützung in der Sitzhaltung mit dem Kyosaku (Holzstab) zu geben. Der Kyosaku wird einerseits für eine aufrechte Haltung im Rücken (Aufrichtung) und andererseits zur Lockerung des Schultermuskels (Erweckung) eingesetzt. Letzteres heisst Erweckung, da der Schlag mit dem Kyosaku auf den Schultermuskel auch die Wachheit unterstützt.

Ich freute mich sehr über das erhaltene Angebot, gleichzeitig meldete sich in mir eine Anspannung und Nervosität. Hauptsächlich vor dem Schlagen des Erweckungsstabes hatte ich grössten Respekt. Würde ich den Schultermuskel immer richtig erkennen, den ich mit dem Schlag erreichen möchte und würde ich damit niemandem Schmerzen zufügen? 

Wie führe ich den Schlag aus?

Während den Lehrgangstagen hatten wir die Möglichkeit zuzusehen, an welcher Stelle die Schläge des Kyosakus die Schulter treffen müssen. Dieses Zusehen verband sich mit der eigenen Körpererfahrung aus den Erweckungsschlägen, die ich selbst bekommen hatte, und ich wusste, dass ich sehe, welches die richtige Stelle ist. Trotzdem blieb eine Hemmung, die Schläge auszuführen. So war ich froh, kurz vor dem Start des Kontemplationskurses mit einem sehr erfahrenen Kontemplationslehrer noch einmal intensiv üben zu können. Adrian, danke dir ganz herzlich, dass du mich ermutigt hast und mir deine Schulter zur Verfügung gestellt hast, um so viele Male zu schlagen, bis ich in mir ein ganz deutliches Ja spürte. Ein JA, jetzt bin ich bereit. 

Mit diesem Gefühl gelang es mir von Beginn weg gut, den Meditierenden die Erweckungsschläge anzubieten. Aus mehreren Rückmeldungen von Teilnehmenden erfuhr ich, dass sie die Schläge als gut platziert, aber tendenziell noch als zu schwach empfanden. Diese Referenz ermutigte mich, noch entschiedener, klarer und kräftiger zu schlagen. Und es begann mir Freude zu machen. Was für eine Freude, zum Wohl und zur Unterstützung der gesamten Gruppe etwas beitragen zu können! 

Wie mache ich auf mich aufmerksam?

Nebst dem Schlagen stand ich noch vor einer anderen Herausforderung. Die Schläge mit dem Kyosaku erhält nur, wer darum bittet. Das heisst, die Meditierenden müssen erkennen, wann ich mit dem Stab vorbeikomme. Meine Schritte sind sehr leise und ich musste eine Lösung finden, wie ich genügend erkennbar bin. Ich versuchte, mit den Füssen fester aufzutreten oder gar zu schlurfen. Dadurch wurden die Schritte tatsächlich lauter. Allerdings strengte mich damit das Gehen an und ich bemerkte, dass dadurch die Präsenz nachliess und die Qualität der Erweckung und der Aufrichtung abnahm. Das war also noch nicht die gute Lösung. 

Nach einer Reflexion im Team legte ich den Fokus auf das Halten der Präsenz und stellte fest: Die Schritte sind zwar leise, aber in guter Präsenz doch konstant hörbar. Gleichzeitig achtete ich darauf, mich am Anfang einer Sitzreihe so hinzustellen, dass die Meditierenden mich aus ihrem Blickwinkel wahrnehmen konnten. Das Erkennen muss ja nicht nur über das Gehör gehen. Damit hatte ich bis zum Ende der Woche eine stimmige Lösung für den Erweckungsstab gefunden.

Das Aufrichten

Vor dem zweiten Teil der Assistenz, dem Aufrichten der Wirbelsäule, hatte ich vor Beginn der Kontemplationswoche wenig Bedenken. Doch diese Aufgabe hatte ich unterschätzt. Durch die Berührung des Aufrichtungsstabes an der Wirbelsäule der Meditierenden entstand zwischen den einzelnen Personen und mir ein sehr naher Kontakt. Ich nahm diesen Kontakt als etwas sehr Feines wahr, welcher sich jedes Mal und bei jeder Person anders gestaltete. So war ich herausgefordert, die Art des Kontaktes, die Intensität und auch die Dauer individuell immer wieder neu und fein abzustimmen. Auch hier war also volle Präsenz gefragt. Wortwörtlich tief berührt hat mich die Erfahrung, dass jeder einzelne Rücken auf seine ganz eigene Art und Weise, im Verlaufe der Woche weicher wurde und sich mehr aufrichtete.

Jetzt, beim Schreiben dieses Textes, kommen mir Worte von Johannes Tauler in den Sinn:

Es muss eine kraftvolle Einkehr geschehen,
ein Einholen aller Kräfte, der niedersten wie der höchsten,
ein Einswerden aus aller Zerstreuung;
sind doch alle Dinge vereint kraftvoller.
Wer etwas tief erkennen will,
der wendet alle Sinne auf einen Punkt in der Seele,
von wo sie ausgeflossen sind.
So wie alle Zweige aus dem Stamm des Baumes hervorgehen,
so werden alles Sinneskräfte vereinigt im Grund.
Dies ist die Einkehr.

Das Sitzen ist nicht getrennt von der Ausübung der Assistenz. Es ist dieselbe Einkehr, die die Verbundenheit mit Allem, in der Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen, erfahrbar werden lässt.

Herzlichen Dank:
Allen Lehrenden, die mich mit sehr viel Wohlwollen und Feingefühl in die Aufgaben der Assistenz eingeführt haben, mir die Möglichkeit gegeben haben zu üben, mir Mut und Vertrauen geschenkt haben und die Erfahrungen mit mir reflektiert haben. 
Allen Mitmeditierenden für euer Dasein und eure Einkehr, für die Rückmeldungen und euer Vertrauen. 
Der Hausgemeinschaft vom Felsentor für eure Achtsamkeit und Präsenz, mit der ihr in diesen Wochen, wenn wir bei euch sein dürfen, für unser Wohl sorgt und den wunderbaren Ort hegt und pflegt.

Alle miteinander habt ihr viel zu diesen Erfahrungen beigetragen und mich damit reich beschenkt.

Monika Scheiwiller
Teilnehmerin im Ausbildungslehrgang via integralis 2025-2027

Bilderquelle: Monika Scheiwiller

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