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Perlen einer Ausbildung

Halbzeit im Ausbildungslehrgang 2025-2027 zur Kontemplationslehrperson Stufe 1

Auf der Suche nach meditativer Stille begegnete ich auf einer Internetseite der Kontemplationsschule via integralis. Nach einem klärenden Gespräch mit Regula Tanner durfte ich in Begleitung von Erich Schlumpf und Margrit Wenk meinen Erfahrungsweg in «Sitzender Stille» beginnen.

Tief ergriffen von der Praxis des Sitzens, von den Ritualen der Zen-Tradition und der gelebten Achtsamkeit an den Vertiefungstagen, wusste ich sehr bald, in einer selten gefühlten Klarheit: das ist mein Weg! Es fühlte sich an wie ein lang ersehntes Ankommen. Ein «Heimkommen» nach einer Brachzeit des Nichtwissens, wo mein spirituelles Wesen sich hinbegeben möchte und sich bestenfalls entfalten könnte.

Mein JA zum Ausbildungslehrgang, der im Februar 2025 in der Propstei Wislikofen begann, war nur noch eine Sache des Ordnens und Raum-Schaffens in meinem Leben. Ich wusste intuitiv, alles wird sich zu gegebener Zeit fügen.

Die Einführungsvorträge unserer Lehrpersonen über die Entstehungsgeschichte der via integralis und der christlichen Mystik, wie auch die geschichtlichen Hintergründe des Buddhismus sog ich wissbegierig in mir auf. Auch die Vorträge der alten und neuzeitlichen Mystiker:innen, von uns 20 Teilnehmer:innen des Lehrganges am dritten Ausbildungswochenende gestaltet, inspirieren mich bis heute. Ich bin dankbar, darf ich deren dichte Inhalte in den kommenden eineinhalb Jahren und darüber hinaus weiter vertiefen.

Mein spirituelles Leben bis anhin begann sich Stück für Stück mit den jetzigen Inhalten und der gelebten Praxis zu verbinden, ich durfte da und dort anknüpfen und einen roten Faden durch mein ganzes Leben hindurch entdecken. Dies war erfüllend, nährend und für mein Wesen enorm bestätigend.

Die Austauschmomente in meiner Lerngruppe und die Inhalte in den Einzelgesprächen bereichern mich ungemein, dürfen wir in ihnen Wesentliches zusammenfassen und immer wieder neu auf den Punkt bringen.

Nichts von all diesen Perlen möchte ich missen und schon gar nicht die Übungssequenzen und das Erlernen der Rituale in der Rolle als Assistenz. Sei es das Schlagen des Gonges und der Klangschale, das Berühren und Erwecken mit dem Kyosaku, das «Klingeln» mit der Stabglocke zum Mittagsgebet und zu den grossen Verneigungen. Es befriedet mich zutiefst, diese Handlungen in der vorgegebenen Sorgfalt auszuführen und so die Gruppe achtsam und ohne Worte in die nächste Einheit hineinzuführen.

Und doch… für mich ist und bleibt das Wesentliche auf meinem Weg die Praxis des Zazen, die Übung auf dem Kissen. Das reine Sitzen.

Es sind diese Stunden, welche mich letztlich bewegen und verändern. Langsam, stetig, im Alltag erlebbar – im Beruf, auf der Strasse, in der Begegnung mit Menschen. Es ist ein leiser Prozess, eine sanfte Wandlung, unaufhaltsam und unwiderrufbar. Es entstehen Räume im Innen und im Aussen, Atemräume, welche zulassen, dass Achtsamkeit zur gelebten Praxis in meinem Alltag und zu einer treuen Begleiterin an meiner Seite geworden ist.

Dort, wo Gott keinen Namen hat, nicht mehr Gott, auch nicht Du.

Dort am ortlosen Ort in unserem Herzen, wo nichts ist und Alles.

Dort wo alles Werden schon immer Sein war, dort gibt es nur noch das wortlose Ja.

(M. Wenk)

Es ist die Praxis auf dem Kissen, die mich zu meinem ursprünglichen Wesen und somit zum Wesentlichen in meinem Leben führt.

Als Schmuckstück dieser vielen aneinandergereihten Regenbogenperlen durften wir Anfang März zum vierten Ausbildungswochenende im Haus Tao in der Ostschweiz verweilen. Die Schliessung des Lassallehauses, in dem das Buddhismus-Wochenende ursprünglich stattfinden sollte, führte uns in ein Selbstversorgerhaus mit einem Garten, in der jede Ecke und Ritze von einer gelebten Achtsamkeit erzählt. Das ganze Haus war voller lebendiger Glückskäfer – welch ein Geschenk! Auch auf uns als Gruppe hat dieser Ort fühlbar gewirkt, wir sind uns nähergekommen, begegneten uns im Du und ich meine wahrgenommen zu haben, wie wir als Gruppe in dieser Umgebung mehr zu einem Körper zusammenwachsen durften – AllEins war präsent.

An einer Wand durfte ich einen Satz von Tao Roshi empfangen: «Der stille Weg des Herzens.» …ein weiterer Kreis schloss sich in mir. Dankbar stellte ich fest: Ich bin erneut nach Hause gekommen. Da gibt es nur noch das wortlose Ja.

DANKE allen Menschen, welche mich auf meinem Weg bestärkt haben!

DANKE allen Lehrpersonen, welche uns diese wunderbare Ausbildung ermöglichen!

DANKE an alle, welche unsere Ausbildungsgemeinschaft mit ihren Gaben mitgestalten und bereichern!

Bea Gasser, Teilnehmerin im Ausbildungslehrgang 2025-2027

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