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Kleine Verteidigungsrede der Fliege

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Diesen August besuchte ich einen via integralis-Intensivkurs im Felsentor über dem Vierwaldstättersee. Da unweit auf der Wiese unterhalb des Meditationsraums die Kühe weideten, waren auch die Fliegen nicht weit. Diese haben uns beim Meditieren hör- und spürbar Gesellschaft geleistet. Nach anfänglicher Aversion begann ich der Fliege genauer zuzuhören und möchte meine neuen Erkenntnisse mit euch teilen.

Kleine Verteidigungsrede der Fliege

aufgezeichnet von Anna Schindler

Ihr Menschen sagt, die Fliege stört, die Fliege brummt,

die Fliege surrt, die Fliege fliegt umher und auf euch drauf.

Die Fliege kitzelt im Haar, sie kriecht um Nase und Ohren

und auf anderen Feuchtgebieten der Haut herum.

Doch wenn Du glaubst, das sei alles, hast Du nicht tief genug geschaut.

Wir Fliegen leben besitzlos und kennen weder Verlangen noch Aversion.

Wir sind sehr bescheiden, was unsere Nahrung betrifft.

Sogar Kuhfladen, Schweiss und Sekrete verschmähen wir nicht.

Wir transformieren diese Stoffe und verwandeln sie in Erde.

Wegen unseres kurzen Lebens haften wir nicht

an der Vergangenheit und denken nicht an die Zukunft.

Statt über das Leben nachzugrübeln, sind wir präsent im jetzigen Moment.

Ich frage Dich also, wer von uns hat mehr Buddha-Natur?

Anna Schindler ist seit 2012 Schülerin der via integralis. Sie ist Redaktorin des Magnet (Kirchenbote) für die reformierten Kirchen AR und AI, arbeitet als freie Autorin und ist im Palliativbereich tätig.

Foto von Chris Curry auf Unsplash.

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