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Zum zehnten Mal: Woche der Stille in Freiburg

Vor zehn Jahren begann mit einer kleinen Gruppe um Pfarrer Michael Schweiger, ehemals Kontemplationslehrer via integralis (+2025), die „Woche der Stille“ auch in Freiburg Fuß zu fassen. Das Anliegen der Initiative ist, aufzuzeigen, dass es inmitten des Lärms und Treibens einer Stadt Orte und Zeiten der Stille gibt. Menschen und Gruppen sind eingeladen, ihre Türen zu öffnen und anderen zu ermöglichen, sich auf eine Erfahrung der Stille in unterschiedlicher Weise einzulassen.
Dazu gibt es eine eigene Homepage, auf der die jeweiligen Termine eingestellt werden können. Ein Rahmenprogramm setzt Akzente zum Jahresthema. 2025: Mitgefühl. Finanziell beteiligen sich die katholische und die evangelischen Kirche in Freiburg maßgeblich an den Kosten. Über Spenden werden die weiteren Unkosten gedeckt.


Vielfalt in rund 150 verschiedenen Angeboten
Der Gottesdienst mit der evangelischen Stadtpfarrerin zu Beginn der Woche stand unter dem Leitwort „Stille und Standpunkt“. Vielfältig ging es schon durch das Rahmenprogramm: ein Licht-Labyrinth im Stadtgarten, ein Filmabend zu „Salz der Erde“ von Wim Wenders, eine Stilleübung mit Rezitationen und Gesängen aus der Sufi-Tradition, ebenso wie die Erfahrung eines Global Social Witnessing. Bei Straßenexerzitien, Tanzen und einem intuitiven Singworkshop waren die Teilnehmenden aktiv beteiligt. Viele Interessierte kamen, um die Eremitin Anna Leenen im Interview von ihrer Stille- und Lebenserfahrung erzählen zu hören. Bei „Stille auf dem Berg“ begrüßte ich 18 Frauen und Männer zu einem meditativen Rundgang. Anschließend kehrten wir – zum ersten Gang im Schweigen – in der Pilgergaststätte auf dem Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald ein. Gabriele Geiger-Stappel, via integralis- und Zenlehrerin, lud ein zu einem Nachmittag mit Zen-Meditation, Teezeremonie, achtsamem Gehen im Park und einem Vortrag zur Kraft der Frauen im Zen. Zeit für Austausch und gemeinsames Essen gehörten ebenfalls dazu. Ein Abend mit Gesängen und Texten aus den Religionen der Welt ist schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Woche.

Logo der Woche der Stille in Freiburg

Was berührt? Was bleibt?
„Ich bin stolz auf Freiburg, dass es hier eine Woche der Stille mit so vielfältigen Veranstaltungen gibt“, so eine Teilnehmerin. Eine andere Frau stellte beim Hinführungsabend ihr Projekt vor: „Mobile Meditation. Ich biete Menschen an, zu ihnen nach Hause zu kommen, um mit ihnen zu meditieren, wenn sie nicht zu den Angeboten kommen können.“ Eine andere Teilnehmerin beschreibt ihr Erleben so: „Die ganze Woche über hatte ich das Gefühl, dass ein Klangteppich der Stille mich begleitete.“
Das Wissen, dass Menschen Raum und Zeit für andere anbieten, um mitten im Alltag für einen Moment oder mehr sich der Stille im Sitzen oder im Bewegen anzuvertrauen, hat viele berührt. Einander unbekannte Menschen kommen zusammen, nehmen sich und ihre Stadt anders wahr.

So kam mir unvermittelt ein warmer Windzug entgegen, als ich mit dem Rad an jenem Stadtteil vorbeifuhr, an dem ich zwei Tage zuvor im Rahmen der Straßenexerzitien eine halbe Stunde einfach an einer Straßenbahnhaltestelle gestanden und eine andere halbe Stunde aus dem zwölften Stockwerk eines Hochhauses geschaut hatte. Die schlichte Anleitung: Gott begegnen.
Was könnten Spuren sein, die im Nachhinein sichtbar werden? Dass Menschen mit einem anderen Blick, einem Wissen „hier lebt noch mehr in dieser Stadt“ künftig durch die Straßen gehen; dass Menschen ermutigt sind, auf andere Menschen zuzugehen, die unter dem Erdrückenden leiden, was für manche eine anders verstandene Stille auch haben kann; dass aus der Stille neue Verbindungen wachsen und der Mut, aus der Ohnmacht herauszutreten ins Wir.

Dorothea Welle, Kontemplationslehrerin via integralis/ Haus Maria Lindenberg, St. Peter

Die gesamte Übersicht der Veranstaltungen 2025 findet sich zum Nachlesen hier.

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