Zum achtzigsten Geburtstag von Niklaus Brantschen SJ

Niklaus Brantschen

Niklaus Brantschen, Jesuit und Zenmeister feiert am 25. Oktober seinen achtzigsten Geburtstag. Zusammen mit Pia Gyger, die 2014 verstarb, gründete Niklaus Brantschen 2003 die Via Integralis. Wir feiern ihn als Gründerfigur und Ehrenmitglied des Vereins Via Integralis. Sie, liebe Leser, lade ich ein, ihm zu Ehren kurz inne zu halten und sein bisheriges Leben zu würdigen und, wenn Sie mögen, mitzufeiern.

Leute in seinem Umfeld nannten mir auf die Frage, was ich in der Würdigung von Niklaus Brantschen erwähnen solle, viele Stichworte. Einige dieser Aspekte seines erfüllten Lebens zeichnet er meisterlich in seinem gerade erschienenen Buch «Zwischen den Welten daheim». Ich werde keine Laudatio im engeren Sinne halten oder einen vorweggenommenen Nachruf verfassen, sondern einige Streiflichter werfen. Vielleicht erinnern Sie sich selber an Begegnungen mit ihm. Möglicherweise fühlen Sie sich angerührt und inspiriert selber in ihrem Leben Raum zu lassen für die stille Einkehr, welche im Leben von Niklaus Brantschen den Resonanzraum bildet, aus dem heraus seine Melodie erklingt.

Ein wiederkehrendes Motiv, das sich im Kontakt mit ihm zeigt, ist sein gütiger Humor. Dies lässt sich gut an folgendem Beispiel veranschaulichen. Während dem Sonntagsgottesdienst in Bad Schönbrunn zitiert er am Rande der Liturgie, mit leuchtenden Augen, Lothar Zenetti: «Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe. Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung. Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein und sagen: „Nein, alles soll bleiben wie es ist“ »! Was darin zum Ausdruck kommt ist die für Niklaus Brantschen typische Mischung aus Schalk und Ernsthaftigkeit. Eine witzige Äusserung wird bei ihm meist gleichzeitig zur unaufdringlichen Einladung, sich selbst zu prüfen. Aber eben als Einladung und nicht mit dem Mahnfinger. Ein Bild, das er gelegentlich in seinen Vorträgen benutzt, wenn es um das Anmahnen von Anderen geht, veranschaulicht dies so: immer wenn wir mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen, Sind drei Finger gegen uns selbst gerichtet. Das ist für denjenigen I der den Finger erhebt natürlich eine unvorteilhafte Situation.

Konstanz, Präsenz und Unermüdlichkeit sind weitere mit Niklaus Brantschen assoziierte Begriffe, welche genannt wurden. In seinem bisherigen Leben hat er in seiner hingebungsvollen Tätigkeit als Kursleiter, Zen-Meister und Begleiter zahlloser Menschen zum Ausdruck gebracht, dass die Kraft der Stille am besten im Tun ihre Ausstrahlung entfaltet. Seine, wohlwollende Gegenwärtigkeit im Einzelgespräch während seinen Zen-Kursen schaffen durch sein Wesen den Raum, in dem die Wandlung des Einzelnen gefördert wird. Er lässt Raum für das, was es gerade braucht. Das trifft nicht nur in der Begleitung Einzelner zu. Ein gutes Beispiel dafür Raum zu schaffen und Verantwortung weiterzugeben, hat sich bereits in der vor Jahren vollzogenen Übergabe der Leitung der via integralis an Hildegard Schmittfull und Bernhard Stappel gezeigt gehabt. An der sorgfältigen Weiterentwicklung der via integralis, welche seither stattgefunden hat, nimmt er interessiert und engagiert teil. Dazu gehört auch, einerseits seine Position klar zu machen und andererseits den Entscheid den Verantwortlichen zu überlassen. An der jährlichen Fortbildung der via integralis Lehrenden, die auch dieses Jahr wieder in Maria Lindenberg im Schwarzwald stattfand, herrschte einhellig Freude über seine Teilnahme.

So schliesse ich meine kurze Würdigung dieses Wallisers, der bis heute seinen inneren Buben lebendig hält und jede Gelegenheit nutzt um eine Abkürzung über die nächste Hecke zu nehmen. Möge diese Kraft und Lebensfreude Niklaus Brantschen und uns allen für weitere Jahre erhalten bleiben.

Jürgen Lembke, November 2017
Präsident Verein via integralis

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