Vernetzungstreffen im Benediktushof

Kontemplative Weggemeinschaften – Jede für sich und Gott für uns alle?
Ein Bericht über das Symposion des Würzburger Forums für Kontemplytion (WFdK) vom 27. bis 29. Januar 2017. von Monika Kaudewitz

Beim diesjährigen WFdK-Symposium auf dem Benediktushof nahe Würzburg waren erstmals externe Kontemplationschulen und Weggemeinschaften eingeladen. Der intensive Austausch ermöglichte es, dass frühere Abgrenzungen in den Hintergrund traten und das Gemeinsame, das die verschiedenen Wege in der Tiefe verbindet, spürbar wurde. Die Frage nach unserem Beitrag angesichts der gesellschaftlichen Dynamik wurde gestellt. Von der via integralis nahmen Hildegard Schmittfull und Bernhard Stappel, sowie Monika und Wolfgang Kaudewitz teil. (weiterlesen…)

Zu Beginn begrüsste Elisa-Maria Jodl, die 1. Vorsitzende des WFdK und Sprecherin der von Willigis Jäger gegründeten Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“, die ca. 80 Teilnehmenden und machte das Neuartige dieser Zusammenkunft bewusst. Danach stellten sich zunächst die drei Gastgruppen vor: die Weggemeinschaft von Haus Gries (gegründet von Franz Jalicz SJ), das spirituelle Zentrum St. Martin München (Pfr Andreas Ebert) und die Lassalle-Kontemplations-Schule via integralis (Hildegard Schmittfull, Bernhard Stappel) vor.
Die folgenden Begegnungen und Austauschrunden dieses Wochenendes wurden vom Ehepaar Ulrich und Sabine Soeder moderiert in Form eines großen „World Cafes“: Immer wieder kehrten wir zurück zu den Vierer-Tischen, die im Saal verteilt waren, um uns in je neuer Zusammensetzung für ca. 30 Minuten über die jeweilige Frage auszutauschen.
Das Setting ermöglichte, sich intensiv kennenzulernen. Die Gesprächsinhalte an den Tischen wurden nach jeder Runde kurz im Plenum mitgeteilt und von Sabine Soeder auf einer Art “Wandzeitung“ festgehalten – versehen mit originellen Illustrationen. So gelang es über das ganze Wochenende hinweg den roten Faden im Blick zu behalten und das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.
Zunächst stand das persönliche Kennenlernen im Vordergrund: „Erzählen Sie etwas von den bewegenden Begegnungen auf Ihrem kontemplativen Weg.“ Schnell wurde deutlich, dass für viele Anwesende der kontemplative Weg schon in früher Kindheit grundgelegt war: eindrückliche Erlebnisse, wie manche schon als Kind in Berührung mit dem göttlichen Geheimnis gekommen waren.
Weitere Fragestellungen vertieften die Selbstreflexion und den persönlichen Austausch an den Tischen: Welche Sehnsucht hat dich veranlasst, dich auf einen spirituellen Weg zu begeben? Welche Antworten hast du in den Jahren deines kontemplativen Weges entdeckt? Bei all diesen Themen ging es um ehrliche Begegnung. Wir waren eingeladen zum Teilen der persönlichen Erfahrungen.
Diese Grundlegung kam den späteren Fragenrunden zugute, bei denen das Profil der eigenen spirituellen Tradition hinterfragt wurde, z.B. Wie beantworten kontemplative Weggemeinschaften die spirituelle Sehnsucht der Menschen?
Das Kaleidoskop der Antworten hierzu spiegelt die Vielfalt von Erwartungen wieder, welche an eine moderne Spiritualität gerichtet sind: Kontemplation eröffnet Erfahrungsräume. Zentral geht es darum, als Mensch sein zu dürfen wie ich bin. Es wächst der Boden für die Akzeptanz seiner selbst und der anderen.
Die Stille gibt Raum für persönliche spirituelle Erfahrung und für eine neue Qualität von Gemeinschaft: als Weg-Gemeinschaft, die Heimat gibt und zugleich Orientierung und Ausrichtung…
Der spirituelle Leiter des Benediktushofes, Fernand Braun, begrüßte zwischendurch die Teilnehmenden und erzählte von einer Begegnung mit einem jungen Mann, der ihm wütend die Frage stellte: Woher nehmt ihr euch das Recht in der Stille vor der Wand zu sitzen, während die Welt brennt? Die Frage nach unserer Relevanz in heutiger Zeit war damit gestellt.
Den zweiten Tag begannen wir morgens mit einer Stunde Kontemplation. Weiteren Fragen im World-Cafe befassten sich mit unserem „christlichen Profil“: Wie christlich kann/muss der kontemplative Weg sein? Welche Bedeutung hat „Gott“ bzw. „das Göttliche“ in deiner Weggemeinschaft?
Auch hier zeigten die Beiträge das breite Reflexionsspektrum der Teilnehmenden und die Auseinandersetzung mit den Fragen, die sich aus dem modernen Weltbild an Spiritualität und Theologie stellen, z.B.: Gott wird erfahren – aus der Kontemplation wächst ein neues Gottesverständnis; Gott hat 1000 Namen; Zen und Christentum erlauben eine große Weite; Christentum ist Teil des Evolutionsweges und selbst in Entwicklung; die Versenkungswege sind älter als das Christentum; Kontemplation und Aktion gehören zusammen; und: „Wenn wir in Gott eintauchen, tauchen wir neben den Armen wieder auf.“ Es war beeindruckend zu sehen, wie die anwesenden Weggemeinschaften sich durchaus von gemeinsamen Perspektiven leiten lassen!
Später stellten sich auch die verschiedenen „Linien“ des Würzburger Forums vor. Das sind: die Kontemplationslinie von Willigis Jäger „Wolke des Nichtwissens“; die von Manfred Rompf gegründete Linie „ Schule der Kontemplation Gottes Gegenwart“, die von Luitgart Tusch-Kleiner initiierte Linie „Wohnraum des Göttlichen“, freie Lehrer/innen, die keiner Linie angehören.
Das World-Cafe ermöglichte es auch, dass sich die einzelnen Gruppierungen untereinander zusammenfanden, um nachzuspüren, wie der Dialog mit den anderen auf sie selbst zurückwirkt: Auf welche Weise hat sich das Verständnis für meine Weggemeinschaft durch die Gespräche vertieft? Und: Welche übergreifenden gemeinsamen Anliegen verfolgen die Kontemplativen Weggemeinschaften?
Das Gespräch darüber wird wohl nicht nur bei uns in der via integralis weitergehen – bei unseren eigenen kommenden Begegnungen. Wichtig ist zu wissen, dass auch die anderen kontemplativen Richtungen ihre gesellschaftliche Bedeutung ernstnehmen. Mit der Initiative Meditieren für eine friedliche Welt hat die via integralis hier schon einen Erfahrungsweg beschritten. Es ist die Erfahrung, dass der Weg der Stille uns letztlich wieder auf den „Marktplatz“ zurückführen will.
Wir beschlossen den Tag miteinander mit einer Feier des Lebens, bei dem sich die verschiedenen Weggemeinschaften einbrachten und es für uns ein Geschenk war, dass auch Willigis Jäger daran teilnehmen konnte.
Mein persönliches Resümee:
Das Symposium, das mit seiner Einladung der unterschiedlichen Weggemeinschaften, den Raum der Begegnung geöffnet hat, war ein großes Geschenk. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der einzelnen Wege der Stille wurde spürbar. Gleichzeitig wurde das Verbindende und Gemeinsame deutlich. Inspirierend ist, voneinander zu wissen und in Verbindung zu bleiben beim Weitergehen in die Zukunft. So bleibt es das Anliegen aller, mit einander vernetzt und verbunden zu bleiben.

Monika Kaudewitz, Mai 2017
Pastoralreferentin, Kontemplationslehrerin der via integralis

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