Bruder Klaus aktuell

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Ein großes Jubiläumsjahr geht zu Ende: Niklaus von Flüe feierte 2017 ausgiebig seinen 600. Geburtstag! Wir verbinden … uns mit ihm jedes Mal, wenn wir sein ihm zugeschriebenes Gebet vor der Meditation rezitieren:

„Du, mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Du, mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir.
Du, mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir!“

Viele Menschen spüren, dass Bruder Klaus, wie er meist liebevoll genannt wird, mehr ist als ein „spirituelles Original“ ist oder ein „sonderbarer Heiliger“ aus vergangener Zeit.

Im nun zu Ende gehenden Jubiläumsjahr 2017 fanden unzählige Veranstaltungen in der Schweiz, auch in Deutschland und anderswo statt, um die nachhaltige und bis heute andauernde Wirkung seines spirituellen Lebenszeugnisses zu würdigen. Auch von Seiten unserer Lehrerinnen und Lehrer. Denn als Meditierende erkennen wir aus eigener Erfahrung die Kraft aus der Stille, die auch sein Leben geprägt hat. Sie will auch heute ernst genommen werden im persönlichen wie im politisch-gesellschaften Leben.

Was würde er uns wohl sagen, würden wir ihm heute begegnen? Im folgenden Abschnitt möchte ich ihn gleichsam als „Zeitzeuge“ von damals zu Wort kommen lassen.

„Ich rate dir“, könnte er uns vielleicht zurufen: „bleib, was immer dir widerfährt, stets ein hörender und suchender Mensch, der sich nicht abspeisen lässt mit schnellen Lösungen und kurzen Parolen. Befriedigende Antworten auf zentrale Fragen findest du nur, wenn du regelmässig Einkehr hältst und nach Innen hörst. Dein Herz ist der „Ort“, wo du dir selbst und Gott begegnen kannst. Alles, was wirklich wichtig ist, findet hier seine wesentliche Resonanz.
Lass dich vom Mainstream der Leute nicht vereinnahmen. Bleib den Menschen zugewandt, aber mach keine faulen Kompromisse. Es gibt wichtigeres im Leben als die Anerkennung von aussen.
Wenn du allein nicht weiterkommst und du vor wichtigen Entscheidungen stehst oder zweifelst, wo es langgehen soll, sei dir nicht zu schade und hol dir Rat und kompetente Begleitung. Ich habe es auch getan.
Du erlebst, wie deine Kinder erwachsen werden? Dann nütze den grösseren Freiraum, um dein Leben zu überprüfen. Frage dich, was nun ansteht. Selbst im hohen Alter warten noch Gelegenheiten zu Aufbruch und Neuanfang …
Behalte deinen inneren Reichtum nicht für dich. Eure hektische Zeit braucht dringend Menschen, die ihre Kraft aus der Stille schöpfen. Und du bist wohl eine(r) von ihnen!
Rechne damit, dass Gott dir immer wieder Veränderungen zumutet. Den Kinderglauben hast du schon abgelegt. Neue Reifungs-Schritte warten auf dich … Hab keine Angst vor Veränderungen oder einer persönlichen Krise. Sie können wie Bücher sein, die du befragen kannst. Gib dich in den Strom des Lebens!
Wenn die Zeit gekommen ist, kann es sein, dass du dich von Lieb-Gewordenem verabschieden musst. Dann hab Mut und gestalte den Abschied. Gehe nach Möglichkeit im Einvernehmen mit deinen Nächsten und bürde ihnen nicht durch deine Entscheidung Unzumutbares auf …
Du frägst dich, wie euer Zusammenleben gerechter und menschlicher gestaltet werden kann oder wie ihr diese schöne Erde als „Garten“ erhalten könnt, damit alle Menschen ihr Auskommen haben? Das kenne ich auch. Ich habe ja nachgewiesen, wie wenig wir Menschen wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Aber das Wenige sollte gerecht verteilt sein. Sonst kann es keinen Frieden und keine Zukunft für euch geben. Dein Bruder K.“

Den ganzen Text finden Sie in unserem Buch Via Integralis – Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen. Kösel 2011. S. 125f. Viel Spass beim Lesen!

Bernhard Stappel, November 2017

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