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Von der Schale zum Fruchtkern

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Seit einiger Zeit begleiten mich Worte von Meister Eckhart, die um das Bild „Von der Schale zum Fruchtkern“ kreisen. Exemplarisch seien hier drei Worte zitiert:

«Man muss von der äußeren Schale zum inneren Fruchtkern gelangen.»

«Die Wahrheit liegt nicht im Äusseren, sondern im Kern der eigenen Seele.»

«Die Frucht des Lebens ist die Einheit mit dem göttlichen Grund.»

Diese drei Zitate zeigen mir: Es ist ein Weg durch die Schale hindurch zum inneren Fruchtkern. Das leuchtet mir intuitiv ein. Doch schnell setzt bei mir, dem studierten Theologen, das Denken ein, und ich frage mich: Wie kann ich mir diese Schale vorstellen? Was bedeutete sie? Und wie komme ich dann zu diesem inneren Kern?

Ich habe dazu einige Hinweise bei Meister Eckhart gefunden. Besonders angesprochen hat mich seine Entwicklung:
Meister Eckhart war ja nicht nur Mystiker, sondern auch Magister, Meister der Theologie. Und er wollte damals, ähnlich dem Thomas von Aquin, eine Summe der Theologie schreiben. Zu dieser Summe kam es nie. Das mag bedauerlich sein. Doch vielleicht hat sich bei Meister Eckhart der Blickwinkel verschoben und anstatt einer Summe ging es ihm um eine andere Ganzheit, ums Durchdringen zur eigenen Seele, zum inneren Grund. Dabei kann die Lehre, das Sich-Befassen mit dem christlichen Glauben, der biblischen Botschaft hilfreich sein. All diese Fragmente, die uns wie Schlüsselworte entgegenkommen, sind Teile der Schale. Wichtig und hilfreich. Wegbegleiter hin zum göttlichen Grund.

Diese Gedanken helfen mir: Ich muss nicht alles wissen, nicht unbedingt die ganze Bibel oder umfassende Summen von Theologie, Philosophie und vielem mehr gelesen haben. Hingegen können einzelne Worte mir den Weg weisen zu jenen Tiefenerfahrungen, die Meister Eckhart mit dem Fruchtkern umschreibt. 

Also: Die gedankliche Auseinandersetzung soll sein, darf sein. Das kommt mir entgegen. Die Schale wird nicht negiert. Und dennoch und ganz zentral: Die Schale muss durchdrungen werden, um zum inneren Kern, zum göttlichen Grund zu gelangen. Da bin ich nun gefordert und merke, dass ich (und vermutlich einige von uns, die wir in dieser westlichen und systematisch denkenden Welt leben) das Denken und Wissen auch gleich wieder lassen muss!

Gar nicht so einfach! Doch einige Wege führen mich in diese Richtung:

  • Das Sitzen auf dem Kissen. Manchmal mit einem einleitenden Wort wie die drei obigen Zitate. Und dann einfach immer wieder lassen, lassen, lassen.
  • Das Gehen in der Natur, am liebsten über mehrere Tage. Da können die flüchtigen Gedanken, die „das solltest du noch“-Überlegungen, die ausgeklügelten Konzepte zur Ruhe kommen. Und dann kann kommen: „Schritt für Schritt“ oder „Eins mit dir, Urgrund allen Lebens“.
  • Es kann auch eine gelungene Begegnung sein, verbunden mit der intuitiven Gewissheit: So ist es richtig. Un ange qui passe!

So bin ich dem inneren Kern auf der Spur. Und gerne möchte ich diese Momente halten. Doch das geht nicht. Das wusste Meister Eckhart und das sagt uns auch das letzte Ochsenbild: Nicht diese Momente halten, sondern mich aus dem inneren Grund in die Welt stellen!

Christian Frei
Theologe und Kontemplationslehrer via integralis

Titelbild: Pixabay, macmaus-walnut-1768189_1920

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