Kontemplationstage in Zeiten von Corona

Ein online-Experiment, das an ganz vielen Orten stattgefunden hat, aufgezeigt hier am Beispiel vom Haus Maria Lindenberg bei Freiburg i.Br.

Als Ende Februar die ersten Einschränkungen durch die Corona-Pandemie das Haus Maria Lindenberg erreichten, mussten daraufhin alle Kurse für dieses Frühjahr abgesagt werden. Auch die traditionellen Kontemplationstage vor Ostern, die nun zum siebten Mal in der Karwoche angeboten wurden. Für Dorothea Welle, Leiterin des Bereichs Friedensarbeit und Exerzitien auf dem Lindenberg, war dies Anlass, zusammen mit Gabriele Geiger-Stappel und Bernhard Stappel als Kursleiter*in nach einer Alternative zu suchen:

Wie kann die Bereitschaft der angemeldeten Frauen und Männer, die sich eine Woche frei genommen hatten, um in die Stille zu gehen, fruchtbar gemacht werden? Es reifte der Entschluss, das Experiment von online-Meditationstagen zu wagen. Die Einladung ging zunächst an alle, die sich zum Kurs angemeldet hatten. Das Echo blieb nicht aus: „Was für eine schöne Einladung, räumlich getrennt und doch in tiefer Verbindung miteinander in die Stille zu gehen.“ A. Bald meldeten sich auch weitere Interessierte aus vorangehenden Kursen auf dem Lindenberg und Menschen aus Freiburg, die regelmäßig mit Gabriele und Bernhard in Freiburg meditieren. So konnte es losgehen: „Heute beginnen wir mit unserem Experiment in diesem Format. Jede und jeder mag mitmachen, wie es die eigene Situation zulässt, mit Ernsthaftigkeit und Großherzigkeit, wie der Alltag zu Hause es möglich macht“. Die Tagesstruktur sah festgelegte Meditations-Zeiten für insgesamt 3 Stunden vor (am frühen Mor-gen, am späten Vormittag und Nachmittag, und am Abend), Zeit für die alltägliche Arbeit in einer gesammelten inneren Haltung und Zeit für einen achtsamen Spaziergang in der Frühlingsnatur. Per Mail erhielten alle Teilnehmenden Gebetstexte und jeden Tag nach der Morgenmeditation einen schriftlichen Impuls zum Thema der Karwoche: dem Geheimnis von Leben, Sterben und Auferstehen in unserem Alltag. Unübersehbar war dabei stets der Bezug zum aktuellen gesellschaftlichen Kontext. So hieß es am ersten Tag: „Verbinden wir uns mit den Menschen, die Not haben zu atmen, mit ihrer Angst, dem Gefühl von Enge. Sind wir ihnen in mitfühlendem Gewahrsein nahe. Sprechen wir vertrauend für sie: Universaler Christus, DU, der Du das Leben in mir bist, Dir übergebe ich mein ängstliches Ich: Mein Ich-Bin ist Dein ICH-BIN.“ Ein persönliches, begleitendes Gespräch mit der Kursleitung per Telefon oder Skype konnte vereinbart werden; und auch per Mail wurden Anliegen und Fragen der Teilnehmenden besprochen. Die eigene Wohnung wurde plötzlich zu einem Ort der Stille – für die meisten eine überraschend neue Erfahrung in den eigenen vier Wänden. Nach Rücksprache mit den Absendern wurden die Erfahrungsberichte der Teilnehmenden an die ganze Gruppe weitergeleitet. So kam es zu einem sehr berührenden und authentischen Austausch, der die spirituelle Verbundenheit vertiefte.

Und als Zeichen der Solidarität spendeten die Teilnehmenden 2.500 Euro für die Corona-Hilfe der Caritas in griechischen Flüchtlingslagern – als ihre individuelle Kursgebühr.

Gabriele Geiger-Stappel, Bernhard Stappel, Dorothea Welle

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